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18:16 05.09.2018
Nur weil Bestattung ein sensibles Thema ist, müsse man doch die Planung nicht erschweren, fnden die Gründer von Mymoria. Quelle: iStockphoto
Hannover

Die letzte Reise kann auch online geplant werden. Das spart Zeit und Geld, allerdings fehlt der persönliche Kontakt. Das ist nicht jedermanns Sache. Oder doch?

Herr Krämer, mit Ihrem Start-up Mymoria können Kunden online ihre Bestattung selbstständig bis ins kleinste Detail planen. Ausgeführt wird sie letztlich von Bestattern in ganz Deutschland, mit denen Sie kooperieren. Wie sind Sie auf die Idee für diese Dienstleistung gekommen?

Ausschlaggebend war der Tod des Vaters von einem Freund. Da haben wir uns mit dem Bestattungswesen beschäftigen müssen und festgestellt, dass es fast unmöglich war, sich digital zu informieren und die Bestattung selbst zu planen. Wir dachten: Es kann ja nicht sein, dass im 21. Jahrhundert bei völliger Transparenz in der digitalen Welt so wenig Kostentransparenz in Bezug auf Bestattungen herrscht. Also haben wir uns diesem Thema gewidmet.

Wie transparent ist der Markt um Bestattungsdienstleistungen denn aktuell?

Eine Bewertung, wie transparent der Markt ist, möchte ich gar nicht abgeben. Natürlich gibt es Bestatter, bei denen man Preislisten einsehen kann. Und auch bei uns ist die Kostentransparenz gegeben. Auf unserer Website kann sich jeder den gesamten Preis für eine Bestattung von zu Hause aus anschauen. So kann man die Kosten den eigenen Möglichkeiten entsprechend konfigurieren.

Sie selbst bezeichnen sich aber auch als Bestatter?

Ja, wir sind aber keine gelernten Bestatter in sechster Generation. Das führen manche Bestatter ja als Qualitätsmerkmal auf. Wir kommen aus dem Finance-, Mobile- und Produktentwicklungsbereich. Während der Gründung von Mymoria haben wir uns den Bestattungsmarkt genau angeguckt und waren viel bei Bestattern, um zu sehen, wie deren Arbeit funktioniert. Gleich zum Start haben wir erfahrene Bestatter in unser Team geholt.

Björn Krämer (37) ist einer der drei Gründer von Mymoria und will die Bestattungsindustrie digitalisieren. Das im Jahr 2015 gegründete Berliner Start-up bezeichnet sich als digitales Bestattungshaus und arbeitet mit 250 Bestattern in ganz Deutschland zusammen. Sarg aussuchen, Blumenschmuck auswählen und Trauerredner engagieren: Auf www.mymoria.de können Angehörige eine vollständige Bestattung planen – und das von zu Hause aus. Dafür braucht es lediglich einen Internetzugang. Bisher führt das Unternehmen Beisetzungen ausschließlich in Deutschland durch, will aber demnächst in Europa expandieren. Quelle: Cristopher Santos

Warum braucht der Markt Sie?

Die Vorteile sind, dass bei uns die Beauftragung und die Angebotserstellung autark und bei voller Kostenkon­trolle von zu Hause aus geregelt werden können. Außerdem wird Mobilität immer wichtiger. Jüngere wohnen nicht mehr am selben Ort wie ihre Eltern oder Großeltern. Wenn jemand stirbt, ist also häufig kein Familienangehöriger direkt vor Ort. Solche Fälle bearbeiten wir täglich.

Bei Ihnen online eine Bestattung zu buchen ist fast so einfach, wie Pizza zu bestellen. Bestattung ist aber doch ein sehr sensibles Thema.

Nur weil es ein sensibles Thema ist, muss man doch die Planung nicht erschweren.

Sie sehen die Einfachheit also als Vorteil?

Absolut. Ich muss nicht zu meinem Bestatter vor Ort gehen und nur die Preise akzeptieren, die er mir anbietet. Stattdessen kann ich mir das Angebot im Internet nach eigenen Wünschen zusammenstellen. Die Idee dahinter ist, den Prozess so ausführlich wie nötig, aber so einfach wie möglich zu gestalten. Aber eine Rückfrage: Was fehlt Ihnen denn bei Mymoria?

Ich habe an meine Oma gedacht, die im Internet nicht zurechtkommt. Und ich glaube, meinem Vater würde das Vertrauen fehlen, schließlich kennt er die Personen, die dahinterstehen, nicht. Beim Bestattungswesen spielt doch Vertrauen eine große Rolle, oder nicht?

Das Vertrauen in dieser Branche ist in der Tat sehr wichtig. Bei uns sitzt ein ausgebildetes Team, das jede Anfrage rund um die Uhr bearbeitet. So entsteht ein geregelter Kontakt. Was den Generationenunterschied angeht: Die meisten Menschen, die eine Bestattung planen, sind erwachsene Kinder und Enkel, weil zum Beispiel ein Elternteil, wenn der Partner gestorben ist, überfordert ist und Hilfe braucht. Für die Menschen, die sich heute mit Bestattungsplanung beschäftigen, ist das Angebot also schon richtig.

Zu Ihrem Angebot zählt auch ein digitaler Nachlassdienst.

Dabei geht es um die Abmeldung digitaler Accounts. Derzeit kommt das noch nicht so oft vor, weil ein Großteil der Generation, die momentan verstirbt, noch nicht so umfassend im Netz vertreten ist. Für Sie und mich wird die Regelung des digitalen Nachlasses einmal sehr wichtig werden. Auch in der Vorsorgeplanung wird das Thema häufiger nachgefragt – darin kann man genau festlegen, welche Accounts nach dem eigenen Tod abgemeldet werden sollen. Haben Sie eine Bestattungsvorsorge?

Nein.

Sobald man eine Familie gründet, sollte man auch über eine Bestattungsvorsorge nachdenken. Denn die entlastet die Angehörigen im Todesfall wahnsinnig – organisatorisch und emotional.

Sich so jung so umfassend mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen dürfte für viele nicht ganz einfach sein.

Wir haben das Hashtag #wirsprechendrueber in sozialen Netzwerken entwickelt, um das Thema Sterben zu kommunizieren. Früher starben die Menschen noch zu Hause. Der Regelfall ist heute, dass Menschen im Krankenhaus oder in einer Pflegeeinrichtung sterben. Deshalb fällt es uns so schwer, uns mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen. Andere Nationen wie Großbritannien sprechen offener über den Tod.

Also wäre Ihr Wunsch, dass man auch hierzulande mehr darüber spricht?

Das ist nicht nur mein Wunsch, das ist es, wofür wir angetreten sind.

Von Sarah Franke

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