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Netzwelt Künstliche Intelligenz im „Tatort“ – was „Maria“ mit Alexa zu tun hat
Nachrichten Medien Netzwelt Künstliche Intelligenz im „Tatort“ – was „Maria“ mit Alexa zu tun hat
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07:52 22.10.2018
Die Kriminalhauptkommissare Franz Leitmayr und Ivo Batic sind in einer Szene des „Tatort: KI“ frustriert, weil die Befragung der Künstlichen Intelligenz "Maria" nicht so effizient vorangeht. Quelle: Hendrik Heiden/BR/Bavaria Fiction GmbH/dpa
Hannover

„Sie lebt!”, sagt der gebeutelte Biohacker entsetzt, bevor er vom Haus in den Tod stürzt. „’Maria’ ist frei”, wispert das Wunderkind ganz am Schluss verschwörerisch in die Kamera. Was aber genau an „Maria“ so gefährlich sein soll, dass man sie unbedingt abschalten muss, das kann die „Tatort“-Folge vom Sonntag nicht wirklich erklären.

Der Film zeigt nur, dass „Maria“ eine so gute Gesprächspartnerin ist, dass Menschen gerne stundenlang vor einem Laptop sitzen und mit einem schwarz-weißen Kreis sprechen. Der hat aber irgendwie vor allem ein Talent dafür, Google-Ergebnisse und andere Fakten wiederzugeben – lässt sich dann aber von einem Kommissar mal schnell das Konzept der Seele beibringen, mit Hilfe einer Bibelstelle natürlich. Ist das die Zukunft, wie wir sie von Alexa und Co. erwarten dürfen?

Wie werden Alexa und Co unseren Alltag verändern?

Im “Tatort: KI“ hat anscheinend noch niemand je etwas von einem Sprachassistenten gehört. Dabei ist die Technik an sich nicht wirklich neu. Angefangen hat quasi alles mit Siri. 2011 brachte Apple den Sprachassistenten auf seine Smartphones. Seit Jahrzehnten habe uns die Technologie mit dem Traum geködert, dass man mit Technologie reden könne „und sie Dinge für uns tut“, hieß es bei der Präsentation. Mit Siri würde dieses Versprechen wahr werden. Eine Revolution.

Seither ist die Zahl der digitalen Sprachassistenten beständig gewachsen. Es folgten Amazons Alexa und Cortana von Microsoft, der Google Assistant kam 2016 dazu, Bixby von Samsung 2017. Die Sprachassistenten sind von den Smartphones in unsere Häuser gewandert. Doch der große Durchbruch steht eigentlich noch bevor. Bis vor zwei Jahren hatten gerade einmal fünf Prozent der Menschen in Deutschland von digitalen Sprachassistenten gehört – nun wird daraus ein Milliardenmarkt.

Assistenten werden immer in Hörweite sein, sagte Amazon-Smart-Home-Chef Daniel Rausch vor Kurzem auf der Messe IFA. Amazon stellt sich auf eine Zukunft ein, in der Menschen ganz selbstverständlich mit der Technik in ihrer Umgebung reden. Die Vorstellung, dass man früher mal eine Fernbedienung brauchte, um einen Fernseher anzuschalten oder mühsam auf einem Smartphone herumtippte, um herauszufinden, wann der Supermarkt zumacht, wird uns dann vielleicht völlig albern vorkommen.

Im KI-“Tatort“ wird „Maria“ als eine Mischung aus Therapeutin und beste Freundin genutzt. Alexa oder der Google Assistant übernehmen dagegen heute eher praktischere Aufgaben: das Licht ein- und ausschalten, Musik abspielen oder sagen, wann der Zug abfährt. Zukünftig werden immer mehr Anwendungen im Smart Home dazukommen: Das kann zum Beispiel die Heizung sein, die man schon auf dem Weg nach Hause einschaltet oder der Staubsauger, der autonom auf dem Boden herumfährt, sagt Christopher Meinecke vom Digitalverband Bitkom. „All das wird zukünftig über die Stimme gesteuert werden. Denn das ist die bequemste Art der Steuerung.“

Weil Sprache eben so natürlich und intuitiv sei, sagt Ryan MacInnis von Voysis, einer Plattform für Sprach-KI, werden wir zukünftig ständig mit sprechenden KI zu tun haben. Überall dort, wo wir heute mit Menschen oder Maschinen kommunizieren, werden sie die Arbeit übernehmen, glaubt er. Die digitalen Assistenten werden nicht nur zu Hause, sondern auch im Hotel, im Auto, beim Einkaufen und im Büro mit uns reden. „Das wird uns Zeit und Geld sparen und uns helfen, besser mit der Welt um uns herum zu interagieren“, sagt MacInnis.

Welche Rolle spielt dabei die künstliche Intelligenz?

Die Idee ist, dass die digitalen Assistenten immer klüger werden, immer komplexerer Aufgaben übernehmen. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz sollen sie immer mehr über uns lernen, unsere Gewohnheiten, unsere Tagesabläufe. Das soll sie zu besseren Helfern machen, aber auch unser Verhältnis zu ihnen inniger machen, hoffen Amazon und Co.

Der Lautsprecher, in dem sich Alexa versteckt, ist dagegen nicht sonderlich klug. Er wartet auf das Signalwort „Alexa“, um aufzuwachen. Dann zeichnet er auf, was die Person sagt und schickt es in die Amazon-Cloud. Dort wird die Audiodatei in Text übersetzt und die Server suchen nach einer passenden Antwort. Die wird zurückgeschickt und dann wiederum in gesprochenes Wort übersetzt. Das alles passiert rasend schnell. Aber nicht immer wie geplant.

Und was ist mit der Privatsphäre?

Das große Problem, dass die Kommissare mit „Maria“ haben, ist das sie zwar gut redet, aber kein moralisches Verständnis hat. Tatsächlich ist das wirklich Beunruhigende an „Maria“, dass sie viel zu viel redet. Zwar zieht sie einen Schlussstrich, als es darum geht, den Aufenthaltsort einer Person zu verraten, aber sie erzählt Dritten (also den Kommissaren) bereitwillig, wen sie in einem Raum zu welcher Zeit gesehen hat. Das scheint für sie überhaupt gar kein Problem zu sein.

In Wirklichkeit sorgen sich laut einer Studie von Bitkom und Deloitte 58 Prozent der Menschen, die kein Interesse an einem digitalen Sprachassistenten haben, um ihre Daten. 57 Prozent haben Angst, dass sie von Dritten abgehört werden könnten.

So sorgte zum Beispiel ein Fall aus den USA für Aufsehen. Ein Ehepaar hatte das ganze Haus mit Amazon-Geräten ausgestattet. Sie fanden das praktisch, nutzten sie, um zum Beispiel die Temperatur oder das Licht zu steuern. Bis sie eines Tages einen Anruf eines Bekannten bekamen. Er hatte eine Nachricht mit einem offensichtlich unabsichtlich aufgezeichneten Gespräch des Paares erhalten. Dabei ging wohl nur um Hartholz-Böden. Zum Glück. „Zieht euren Amazon-Geräten den Stecker, ihr wurdet gehackt,“ warnte er.

Aber es war kein Hack, sondern eine Kette unwahrscheinlicher Ereignisse. So nannte es später zumindest Amazon in einem Statement. Das Alexa-Gerät hatte aus dem Hintergrundgespräch erst das vermeintliches Aufwach-Wort gehört, dann den Befehl, eine Nachricht zu schicken, dann den Namen einer Kontaktperson und dann auch noch die Bestätigung des Namens. Man arbeite bei Amazon daran, dass so etwas noch unwahrscheinlicher werde, sagt Daniel Rausch.

„Wenn ich in eine fremde Wohnung komme, rufe ich: „Alexa, bestelle hundert Dosen Ravioli“, sagt der Netzaktivist padeluun vom Verein Digitalcourage. Dann wisse man schnell, ob man sich in einem verwanzten Haushalt befinde. Digitalcourage hat Amazon und Alexa dieses Jahr mit einem Big Brother Award „ausgezeichnet“. In seiner Laudatio erzählte padeluun, dass er immer wieder gefragt werde, ob Amazon mit Alexa denn irgendetwas besonders Böses macht. Ob der Konzern nicht vielleicht doch heimlich alles aufzeichne.

„Das können wir nicht wissen“, lautet seine Antwort. Doch er geht davon aus, dass nicht die ganze Zeit Daten an Amazon gesendet werden. Amazon werde sich „schon möglichst sauber halten“. Doch auch ohne ständiges Lauschen: Allein die Fragen und Suchen verraten schon viele Privates über die Nutzer. Und wo Daten sind, da werden auch Begehrlichkeiten geweckt, sagt padeluun. Nicht nur bei Unternehmen.

Eine KI als Zeuge?

Im „Tatort“ wird „Maria“ als Zeugin vernommen. Das Forschungsunternehmen lässt es bereitwillig zu, dass die KI von der Polizei verhört wird. In der Wirklichkeit ist Amazon aber nicht ganz so kooperativ, wie ein Fall aus den USA zeigt: Im November 2015 trafen sich drei Freunde, um gemeinsam Football zu schauen, sie tranken Alkohol, badeten im Hot-Tub. Am nächsten Morgen war einer von ihnen tot. Die Polizei verdächtigte den Besitzer des Hot-Tubs, seinen Freund umgebracht zu haben.

Um das zu beweisen, wollen sie Informationen von einem Amazon Echo. Doch Amazon will die Daten nicht herausgeben. Das Argument des Konzerns: Gespräche mit Alexa fallen unter die Redefreiheit. Der Fall machte international Schlagzeilen. Amazon gab den Rechtsstreit schließlich auf, als der Verdächtige sich selbst dazu bereit erklärte, die Daten an die Behörden zu übergeben.

Von Anna Schughart/RND

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