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Nachrichten Medien Lohnt sich der Saarland-Tatort?
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17:06 29.01.2017
Knalleffekt: Die Mutter nimmt das Motorrad des toten Sohns ins Visier.  Quelle: SR
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Hannover

 Stellbrink, der immer etwas pausbäckige Kommissar, fährt seinen roten Motorroller so ironisch, wie man sonst beim Karneval die Pappnase aufsetzt. Gespielt wird er von Devid Striesow, einem Mann der feinen Töne, der hier einen Humor verkörpern soll, der stramm in Richtung Knallcharge marschiert. Mit der Rolle des Ermittlers kämpft er wie eine Schaufensterpuppe, die sich befreien will von ihren bunten Kleidern und der ungelenken Haltung. Doch gegen das schwache Drehbuch (Autoren: Michael Vershinin und Zoltan Spirandelli, der auch Regie führt) kann er sich nicht behaupten.

Im „Tatort“ aus Saarbrücken geht es, seit Striesow dabei ist (Dienstbeginn 2013), nicht in erster Linie darum, den Mörder zu fassen, sondern um die Unterforderung des Schauspielers. Devid Striesow röhrt (Motorroller!) erneut durch eine Story, die am Rande mit Verbrechen zu tun hat, doch nichts mit Menschenkenntnis oder lebensnahen Milieus. Zur Geschichte: Der verhasste Lehrer Dirk Rebmann ist tot, der Verstorbene wird vom Stiefsohn Karim (Emilio Sakraya) und dessen Freunden Pascal (Emil Reinke) und Enno (Filip Januchowski) mit einem geringelten Schweineschwänzchen entstellt – das Video der geschändeten Leiche macht an der Schule die Runde. Enno bleibt betrunken im Bestattungsinstitut, seine Freunde lassen ihn dort liegen. Eine Unwahrscheinlichkeit, die schnell die Lust verdirbt, am Ball zu bleiben und sich der Story hinzugeben. Am nächsten Morgen ist Enno tot. Erfroren im Leichenhaus.

Unstet im Temperament, zielt der Film auf Knalleffekte, Pascals Mutter etwa nimmt das Motorrad des Sohnes mit der Flinte unter Feuer und setzt es in Flammen. Der Vater raunt: „Das ist unverhältnismäßig“. Er sitzt sonst lieber im Keller, bei der Modelleisenbahn.

Saarbrücken findet keinen Ton für das Verbrechen, hölzern werden Fährten gelegt, Geständnisse fallen herab wie Obst, von Ermittlungsarbeit kann nicht die Rede sein. Der Zufall fährt die Ernte ein.

Hat jemand Ennos Tod gewollt? Und ist der Lehrer Rebmann, früher mal ein Radprofi, der eine Etappe der Tour de France gewann, wirklich ohne äußere Einwirkung gestorben? Zwei Fragen, die schwerfällig entknotet werden, die Volten führen immer weiter in die Irre. Diese Irre freilich offenbart kaum interessanten Mehrwert, nur den vage buchstabierten Fluch einer zerstrittenen Familie.

Selten findet man im „Tatort“ einen Kommissar, der so verloren in den Filmen steht wie Stellbrink, dessen erste Stücke in Saarbrücken ein Reinfall waren, weil Komik und Verbrechen auf eine unbeholfene Art verrührt wurden. Heute freut man sich schon übers Mittelmaß. Der neue Film „Söhne und Väter“ geht leider schnell erneut in Richtung Reinfall. Und das bei einem Titel, den Turgenjew in verdrehter Reihenfolge („Väter und Söhne“) 1861 seinem großen psychologischen Roman vorangestellt hat.

Weil es zum Titel passt, schaut auch der Sohn vom Kommissar vorbei. Ein aufgeweckter Junge, der einzige Sympathieträger des Films, mit einem Kurzauftritt. Stellbrink und sein Sohn leben getrennt, was wollen sie voneinander? Der Vater sucht nach einer Partnerin im Internet, sein Sohn verguckt sich in die Kollegin vom Papa. Solche Skizzen bleiben matt.

Der letzte Satz von Stellbrink wummert wie die These einer Jura-Vorlesung: „Ich bin für die Wahrheit zuständig, nicht für die Gerechtigkeit.“ Worte wie in Stein gemeißelt, als seien sie von Turgenjew diktiert. In diesem „Tatort“ bleiben sie Anmaßung. Sie unterstreichen, wie sorglos in dem Stück mit leeren Gesten hantiert wird.

Von RND/Lars Grote

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