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Medien Isabell Hertel: „Da muss das Kondom auf dem Nachttisch liegen“
Nachrichten Medien Isabell Hertel: „Da muss das Kondom auf dem Nachttisch liegen“
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18:00 03.12.2018
1,75 Meter geballte Serienkraft: Ute-Kiefer-Darstellerin Isabell Hertel. Quelle: MG RTL D / Stefan Behrens

„Unter uns“ feiert an diesem Dienstag Jubiläum und zeigt die 6000. Folge. Sie sind seit fast Anfang an dabei. Können Sie sich noch an Ihre erste Klappe erinnern?

Ja, das war total krass: Für mich ging es damals direkt von der Schauspielschule zum Casting, von dem ich noch nicht mal wusste, dass es für „Unter uns“ war. Das war sehr aufregend! Diese ganze Welt war neu für mich und ich musste mich erstmal mit den all den Begrifflichkeiten auseinandersetzen. Wenn man zum Beispiel in einer Szene abbricht und der Regisseur diese nur ab der Mitte neu drehen will, heißt das in der Filmbranche: „Wir machen einen Pick up“. Da denkt man ja erstmal an den Riegel.

Gehen Sie als „alter Hase“ entspannter in die Drehwoche als neue Kollegen?

Ich bin generell nicht so stressanfällig – aber ja, wer neu dazu kommt, wird mit einer großen Geschichte eingeführt. Das können schon mal über 30 Szenen in einer Woche sein. Da muss man erstmal seinen eigenen Rhythmus finden und darf sich nicht stressen lassen.

Was für einen Rhythmus haben Sie?

Ich lege mich sonntags ganz gemütlich auf mein Sofa und bearbeite die Drehbücher für die nächste Woche. Dabei lese ich oft mehr als nur meine eigenen Szenen, weil es hilfreich ist, Informationen über andere Querstränge zu haben – auch, weil wir nicht chronologisch drehen. So ist es zum Beispiel in einer Liebesszene durchaus wichtig zu wissen, habe ich den jetzt schon geküsst oder küssen wir uns noch. Das macht ja etwas mit der Figur.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag dann aus?

Wir fangen morgens um sieben Uhr mit der ersten Maskenzeit an. Um 8 Uhr ist dann Drehbeginn. Und um 18.30 Uhr ist offizieller Drehschluss. Bei aufwendigeren Szenen kann sich der Abend aber auch gern mal hinziehen. Wenn die Figur dann für ein paar Wochen in einem Nebenerzählstrang agiert, hat man auch wieder die Chance auf Zahnarzttermine (lacht).

Wenn Sie „Unter uns“ vor zwanzig Jahren und heute betrachten – was hat sich verändert?

Wir sind mutiger geworden. Bei der Brustkrebs-Geschichte meiner Figur haben wir zum Beispiel ganz explizit die Chemotherapie und ihre Auswirkungen gezeigt. Wir haben gezeigt, wie Ute die Haare ausfallen, wie überfordert ihr Spielpartner Henning mit der Situation ist oder wie sie unter Tränen den Rasierer ansetzt, weil sie alles nicht mehr ertragen kann. Das wäre früher nicht möglich gewesen. Aber das ist genau das, was unsere Zuschauer berührt. Nie davor und auch nie danach haben mich so viele Menschen angesprochen, weil sie einen Brustkrebsfall in der Familie hatten und gesagt haben, bei uns war es genauso. Das hilft dann einfach vielen und das ist ein schönes Gefühl.

Warum wurde sich früher nicht an solche Themen ran getraut?

Serien sind zeitlich arg begrenzt – auch in der Produktionszeit. Wir müssen in der Woche sechs Folgen produzieren. Da ist alles streng durch getaktet und man hatte wohl einfach Bedenken, dass man nicht so in die Tiefe gehen kann, wie es solche ernsten Themen vielleicht erfordern.

Was hat „Unter uns“, was „GSZS“ nicht hat?

Das ist schwer zu sagen. Ich bin auf alle unsere Sendungen stolz und trauere heute noch um „Verbotene Liebe“. „GZSZ“ hat aber, weil es später am Abend läuft, nicht so viele Begrenzungen wie wir.

Was heißt Begrenzungen?

Der Jugendschutz hat ein extremes Auge auf 17.30 Uhr. Da muss das Kondom bei Sexszenen sichtbar auf dem Nachttisch liegen. „GZSZ“ kann da freier sein – wir sind da etwas familiärer. Aber das macht uns ja auch aus.

Kann man sich nach fast 24 Jahren von seiner Rolle noch abgrenzen?

Die Gefahr ist sicherlich da. Aber ich wage zu behaupten, dass Ute mehr von mir angenommen hat, als ich von ihr. Man spricht ja auch viel mit den Autoren, tauscht Ideen und Gedanken aus, und so beeinflusst man unweigerlich seine Figur über die Jahre.

Ute hat zwei Kinder – Sie haben sich mit großer Freude für behinderte und benachteiligte Kinder eingesetzt. Was war das für eine Erfahrung für Sie?

Das war eine Zeit, die mir sehr viel mitgegeben hat. Ich habe ein paar Jahre ein Sportfestival für Kinder mit Down Syndrom n Frankfurt am Main begleitet. Ich bin da mit offenem Herzen hin, ohne zu wissen, was auf mich zukommt. Umso überraschter war ich, als ich dann festgestellt habe, wie viele von den Kindern „Unter uns“ gucken und sich gefreut haben, dass ich bei dem Sportfest mitgemacht habe. Ich weiß gar nicht, wie oft ich in den Arm genommen wurde (lacht).

Wie sieht Ihre Zukunft aus – kommen jetzt die nächsten 6.000 Folgen „Unter uns“?

Ich wär auf jeden Fall dabei, wenn es die Gesundheit, aber auch die Quoten mitmachen. Es ist auf jeden Fall einiges geplant – die Staffelverlängerung für 2019 ist durch. Trotzdem muss man in der heutigen Netflix und Co. geprägten Zeit immer schauen, dass man die Zuschauer weiterhin abholt und interessante sowie wichtige Geschichten erzählt. Ich hoffe, dass uns das noch einige Jahre gelingt.

Vom Theater bis zum Playboy

Isabell Hertel studierte an der Theaterfachhochschule in Köln, bevor sie 1995 als Ute Kiefer in die RTL-Serie „Unter uns“ einstieg. Sie wirkte außerdem in verschiedenen Filmen und Serien mit, darunter auch „Die Wache“ und „Stadtklinik“. 2014 war sie Kandidatin bei „Promi Shopping Queen“ und 2016 in der Mai-Ausgabe des deutschen Playboys zu sehen.

Von Amina Linke / RND

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