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Fernsehen „Wir wollen uns doch nicht streiten“
Nachrichten Medien Fernsehen „Wir wollen uns doch nicht streiten“
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07:31 30.04.2018
Peter Altmaier (CDU). Quelle: dpa
Berlin

Zugegeben: das Personal dieser Show wirkte zunächst ziemlich verbraucht. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), Jürgen Trittin (Grüne), Spiegel-Hauptstadtbürovize Christiane Hoffmann, Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie BDI und John Kornblum, ehemaliger US-Botschafter in Deutschland, waren schon häufiger in den Sesseln Anne Wills gesehen worden. Zugegeben II: Die Talkshow-Profis führten eine unerwartet muntere Debatte über die Lehren und Auswirkungen der Besuche von Emmanuelle Macron und Angela Merkel bei US-Präsident Donald Trump.

Die neben Will einzige Frau in der Runde durfte die ersten Haltungsnoten vergeben. „Wer Koch und wer Kellner ist, war auch bei Macron zu beobachten. Es war richtig, das Merkel sachlich auf Trump zugegangen ist“, sagte Spiegel-Journalistin Christiane Hoffmann. „Macron fand ich grenzwertig, dieses Ranschmeißen.“ John Kornblum fand beide Besuche gut vorbereitet und abgestimmt. „Schmeicheln ist Ego pflegen, und die Franzosen sind gut darin. Macron ist auch ein Narzist. Er hat nicht die Führungsrolle in Europa. Merkel hat genau das gemacht, was gemacht werden musste.“

Vorwürfe von Trittin

Die Frage war nur, was? Trittin legte ohne Vorspiel und Geplänkel vor. Er warf – assistiert von Hoffmann – Altmaier und seinen europäischen Kollegen vor, keine Antworten auf Trumps Steuerreform zu haben. Dies brächte europäische Unternehmen in Gefahr. BDI-Präsident Dieter Kempf berichtete von interessanten, aber wenig erbaulichen Gesprächen in den USA. „Wir sind Anhänger eines freien Welthandels. Da hat man drüben andere Vorstellungen. American first heißt American only.“

Der Wirtschaftsminister wirkte ein wenig gequält. „Diese US-Administration hat dafür Verständnis, dass wir deutsche oder europäische Interessen vertreten. Wir werden entsprechende Angebote machen. Der Umstand, dass die deutsche Wirtschaft wächst, beeindruckt in den USA. Einen Handelskrieg will niemand. Wir wirken darauf hin, unabhängig davon, wie die Entscheidung am 1. Mai (US-Strafzölle auf europäische Waren d. R.) ausfällt.“

Der Handelsüberschuss bleibt das Thema Nummer eins

Trittin zeigte hier überraschend viel Verständnis für die amerikanischen Positionen. Der Handelsüberschuss Europas müsse den USA ja ein Dorn im Auge sein, so der Grüne. Trump habe hier einen wunden Punkt gefunden. Europa wird diese Hausaufgaben rasch lösen müssen. „Mit China hat er das auch gemacht, jetzt wird verhandelt.“

Altmaier wähnte sich offenkundig im falschen Film. „Wir wollen doch hier nicht streiten“, sagt er zu seinem Sitznachbarn zur Rechten. „Doch, doch“, rufen die anderen. Schon legt Christiane Hoffmann nach: „Der Handelsüberschuss und niedrige Verteidigungsausgaben liegen den Amerikaner schwer im Magen.“ Altmaier atmet schwer und antwortet forsch, der Arbeiter bei BMW könne doch nicht die Hände in den Schoß legen, wenn zu viel exportiert werde. „Die gut sind, müssen ihre Arbeit machen können“, so Altmaier. Investiert mehr in Infrastruktur und Netze, schlug Trittin vor.

Zölle bremsen den Wettbewerb

Kornblum nickte dazu. Amerika wandelt sich derzeit gewaltig. Die Digitalisierung bestimme das Tempo. Dies erkläre auch die Ungeduld im Weißen Haus. „Den Handelsüberschuss gibt es schon länger als 25 Jahre. Lange gab es dafür Verständnis in Washington. Das ist aber vorbei.“ Das mag sein, entgegnete der Wirtschaftsminister. „Wenn man eine Industrie mit Zöllen schützt, ist sie am Ende weniger wettbewerbsfähig.“ BDI-Mann Kempf, der in der Debatte, in der es um die Industrie ging, nicht so richtig zum Zug kam, ergänzte: „Richtig, Zölle konservieren nur.“ Altmaier erklärte es dem Grünen, nicht ohne Süffisanz dann noch einmal genauer: „Manche wären heute froh, hätten wir mit Obama TTIP abgeschlossen. Die neue Administration will einen Deal machen, der ihr Vorteile bringt. Das wollen wir Europäer auch.“

Will drängte weiter. Ist es nicht so, dass Trump sowohl im Korea-Konflikt als auch im Tauziehen um das Iran-Abkommen, über das er am 12. Mai entscheiden will, die Trümpfe in der Hand hielte und Europa durch Merkel und Macron keinen Stich setzen konnte? Am Ende seien Amerikaner und Europäer doch eine Wertegemeinschaft, glaubt Peter Altmaier und nannte als Beispiele Menschenrechte, Demokratie und Antiterrorkampf.

Die USA als einziger echter Verbündeter

Trittin zweifelt. „Ich bin mir nicht sicher, dass Trump nicht acht Jahre Präsident ist. Stellen Sie sich mal vor, das Iranabkommen wird aufgekündigt. Wir werden dann in der Situation sein, dass Saudi Arabien und Ägypten zur Bombe greifen.“ Spiegel-Journalistin Hoffmann warf ein, ob es nicht besser sei, China und Russland ins Boot zu holen, um den Bestand des Iran-Abkommens zu sichern. Da ist Altmaier jedoch ganz bestimmt: „Bei dem, was Russland und Putin in Syrien anstellen, möchte ich ungern ein Bündnis mit Russland gegen die USA. Der Präsident ist unser Freund.“

So friedlich-schiedlich konnte der Grüne das Thema nicht stehen lassen und lieferte sich mit dem Amerikaner Kornblum am Ende von Anne Will noch ein kleines Wortscharmützel.

„China und Russland“, sagte Trittin, „haben kein Interesse an Atomwaffen im Iran. Wir werden deshalb in dieser neuen Welt auch solch Bündnispartner suchen müssen.“

Kornblum: „Deutschland hat nur einen Partner und Freund, das sind die USA. Es geht beim Iran um die Unterstützung des Terrorismus.“

Trittin: „Warum gehen wir dann mit Saudi Arabien nicht genauso um?“

Kornblum: „Das ist eine dumme Frage.“

Von Thoralf Cleven/RND

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