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Fernsehen „Schockwellen“ – Harte Schweizer Sommerkost
Nachrichten Medien Fernsehen „Schockwellen“ – Harte Schweizer Sommerkost
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18:16 18.07.2018
Das Böse ist immer und überall: Maxime Gorbatchevsky in einer Szene der Mini-Serie „Schockwellen“. Quelle: Foto: dpa
Zürich

Während fast alle TV-Sender noch im tiefsten Sommerschlaf sind und ihre Zuschauer mit Wiederholungen langweilen, ist Arte die löbliche Ausnahme.

So zeigt nun der deutsch-französische Kultursender an den kommenden beiden Freitagen als deutsche TV-Premiere die vierteilige Schweizer Reihe „Schockwellen“, die von realen Kriminalfällen „inspiriert“ ist und an der unter anderem der Regisseur Frédéric Mermoud („The Returned“) mitgearbeitet hat.

Chroniken von Verbrechen, die Aufsehen erregten

Im Mittelpunkt stehen dabei Aufsehen erregende Verbrechen, die zu ihrer Zeit in der Öffentlichkeit eben „Schockwellen“ ausgelöst haben. So geht’s im zweiten Film um den Massenselbstmord einer Sekte in den Schweizer Alpen, danach um einen Autodiebstahl mit fatalsten Folgen und anschließend um einen Jugendlichen, der Opfer eines Serienmörders wird.

Auch die Auftaktfolge „Tagebuch des Todes“ (Regie: Ursula Meier) handelt von einem jungen Mann, der allerdings selber zum Mörder wird. Im Jahre 2009 tötet in Lausanne der 18-jährige Schüler Benjamin (Kacey Mottet Klein) mit der Militärpistole seines Vaters seine Eltern. Zuvor hat er seine Gedanken und Beweggründe ausführlich in einem Tagebuch festgehalten.

Das Führen von Tagebüchern hat ihm und seinen Mitschülern nämlich seine Französisch-Lehrerin Madame Fontanel (Fanny Ardant) empfohlen. Die jungen Leute sollten dadurch ihre Innenwelt kennenlernen, sich abgrenzen von äußeren Einflüssen und Zwängen. Und dabei Zugang finden zu bekannten Literaten, die selber Tagebuch geführt hatten.

Der Film gibt nüchtern das wieder, was geschehen ist

Zu Beginn des Films sieht man nun in einer Rückblende, wie Benjamin die letzten Zeilen vor der Tat zu Papier bringt. Sie lauten: „Freitag, 27. Februar. Das ist der letzte Tag, den ich mir gesetzt habe. In wenigen Minuten werde ich das Unumkehrbare getan haben.“

Dann folgt ein harter Schnitt, und man wird Zeuge, wie nach der nicht gezeigten Bluttat der Junge mit seinem Moped zur Post fährt, um sein Tagebuch an seine Lehrerin zu schicken. Anschließend fährt er zur Polizei, fuchtelt noch einmal mit seiner Waffe herum und wird dann überwältigt.

Im weiteren Verlauf fragt der Film nie vordergründig, warum Benjamin seine Eltern ermordet hat. Er gibt stattdessen einfach nur wieder, was geschehen ist. Und beschreibt an Hand des Tagebuches die pubertär-wirre Gedankenwelt des Jungen, in der sein Vater wegen Belanglosigkeiten zum Feind wurde.

Die Vernehmungen des Mörders laufen ins Leere

Da reicht beispielsweise ein gemeinsames Mittagessen, bei dem Benjamin seinen Vater beim Essen einfach nicht mehr zuschauen konnte. Und die Mutter wurde ebenfalls getötet, damit sie nicht als Witwe weiterleben musste. Ein echtes oder gängiges Motiv für die Tat scheint also nicht zu existieren. Auch die dann gezeigten Vernehmungen laufen ins Leere. Und so gerät schließlich sogar Benjamins Lehrerin ins Visier der Ermittler.

Fragen werden gestellt, mit denen sich bald auch Madame Fontanel quält: Hat sie also womöglich die Tat durch das Tagebuchschreiben mit ausgelöst? Hat Benjamin zuvor durch seine Einträge, die er zum Teil vor der Klasse vorgelesen hat, seine Tat nicht irgendwie angekündigt? Und hat die Lehrerin, die ihn für die gute Qualität seiner Aufzeichnungen auch noch gelobt hat, ihn dadurch in seiner Haltung vielleicht sogar bestätigt?

Der Zuschauer bleibt am Ende ratlos zurück

Und ganz offensichtlich ist sie ja seine einzige Vertrauensperson. Das bleibt sie übrigens auch während und nach seiner dann folgenden Gefängnisstrafe, als sie sich weiterhin um ihn kümmert. Aber selbst sie schafft es nicht, dass der Junge sich öffnet und offenbart.

Was bleibt, ist auch zwischen den beiden ein irritierendes Schweigen und ein Nicht-Verstehen von etwas, dass man womöglich überhaupt nicht verstehen kann. Und auch der Zuschauer bleibt bis zum Schluss ratlos angesichts dieses Verbrechens. Was gleichzeitig eine Schwäche, aber auch eine Stärke des Films ist, der eben keine wohlfeilen Antworten liefern kann und will. Kurzum: keine leichte, aber sehenswerte Sommerkost.

Von Ernst Corinth / RND

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