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Fernsehen Sascha Lobo: „Man muss höflich bleiben“
Nachrichten Medien Fernsehen Sascha Lobo: „Man muss höflich bleiben“
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17:29 09.05.2017
Glaubt an die Macht der Worte: Sascha Lobo, hier am Montag auf der re:publica in Berlin. Quelle: Foto: dpa
Berlin

Dieses Jahr steht die Internetkonferenz re: publica ganz im Zeichen der Herzen. Auch der Internetvordenker Sascha Lobo will seinen Teil zur neuen Netzharmonie beitragen.

Dieses Jahr steht die Herr Lobo, am Wochenende gehen Sie gerne in brandenburgische Naturparks – mit hängenden Haaren. Werden Sie dann überhaupt erkannt?

Wir begegnen dort meistens niemandem. Ich gehe mit meiner Frau in die Natur, um Tiere zu fotografieren. Dazu suchen wir uns die einsamsten Gegenden.

Für jeden erkennbar waren Sie auf einer rechten Demonstration in Berlin unterwegs. Sie wurden angeschrien und bedroht. Was passierte noch?

Wir haben dort ein Experiment gemacht für die ZDF-Sendung „Manipuliert“. Es gab fünf Minuten intensives Geschrei und Bedrohungen, als wir auftauchten. Danach habe ich anderthalb Stunden Gespräche geführt. Das ist durchaus möglich. In so einer Menge von Leuten gibt es immer die Unbelehrbaren, die Extremisten. Mit denen konnte ich nicht ins Gespräch kommen. Aber es gibt eben auch die anderen, die gar nicht rechts sind, sondern nur verunsichert.

Es gibt genug Beispiele, wie Politiker vergeblich mit Pegida-Demonstranten ins Gespräch kommen wollen und scheitern. Was machen Sie anders?

Man muss hartnäckig und höflich bleiben und diejenigen finden, die am Ende doch reden wollen. Ich habe dort einige getroffen, die nicht über die Grenze des Extremismus hinausgegangen sind, mit denen ein Dialog sinnvoll sein kann.

Was bedeutet „sinnvoll“ in diesem Zusammenhang?

Ich vergleiche die liberale Demokratie gern mit einer Insel. Drum herum ist das braune Meer des Populismus. Auf der Insel kann es weit entfernte Standpunkte geben, aber man muss miteinander reden können. Die Insel ist in den vergangenen Jahren kleiner geworden. Wir sollten – möglichst viele von uns – dafür sorgen, dass sie wieder Land gewinnt.

Warum ist die Insel überhaupt geschrumpft?

Dazu beigetragen hat in vielen Ländern eine Wechselwirkung aus redaktionellen Hetzmedien wie Fox News oder der britischen Boulevardpresse und den sozialen Medien. Die einen setzen eine Agenda, die anderen verstärken sie.

Andrea Nahles bei der re_publica. Quelle: dpa

re: publica: Jahrestreffen der Herzen

Herzen, überall Herzen. Das Jahrestreffen der internetaffinen Macher, Produzenten und Profiteure namens re:publica setzt in diesem Jahr ganz auf Liebe. „Love out loud“ lautet das Motto, und nach dem Entsetzen über die Zunahme von Hass und Falschmeldungen im Netz in den vergangenen Jahren überwiegt jetzt die Hoffnung auf die Selbstheilungskräfte der Community. „Ein kleiner, aber lautstarker Teil der Gesellschaft vergiftet unsere Diskursräume, zieht aber auch die Aufmerksamkeit auf sich“, erklärt Mitorganisator Markus Beckedahl von Netzpolitik.org.

Es gelte, sich zu solidarisieren gegen Hass und für Solidarität. „Wir dürfen nicht weiterscrollen und wegklicken“, warnt Konferenz-Mitveranstalter Johnny Haeusler. Oft reiche ein Like, eine Nachricht an Betroffene, um zu zeigen, du bist nicht allein. Friedenspreisträgerin Carolin Emcke nennt es in ihrer „Reflexion über Liebe und Empathie, on- und offline“: „Wer gedemütigt und verletzt wird, wer verachtet und angegriffen wird, soll sich nicht selbst wehren müssen.“

Natürlich ist die re:publica dennoch kein Hippietreffen, sondern schon lange ein etabliertes Schaulaufen auch der großen deutschen Konzerne und Sendeanstalten, deren Stände das Foyer des Veranstaltungsortes am Gleisdreieck in Berlin säumen. Auch die Politik ist vertreten, machte es sich aber nicht nur bequem: Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erklärte, warum aus ihrer Sicht das bedingungslose Grundeinkommen, Favorit vieler Digitalarbeiter, zu kurz greift. Nur der nominelle Internetminister Alexander Dobrindt hat kein eigenes Panel.

In Deutschland gibt es kein Fox ...

... und die AfD nähert sich wieder der Fünf-Prozent-Hürde. Da mag es einen Zusammenhang geben.

Sie haben im Netz bisher mit rund 100 Rechten und Rechtsextremen diskutiert. Ist das Ihre private Mission?

Es ist zunächst einmal Teil eines Experiments für den Film „Manipuliert“. Aber es sollte die Mission von uns allen sein. Anders geht es doch nicht. Man kann das nicht massenmedial lösen, durch einen Artikel oder eine Sendung. Wir können nur ins Gespräch kommen, wenn viele von uns über ihren Schatten springen, ihre Filterblase verlassen und auf einer menschenwürdigen Debattenebene jenseits von Beschimpfungen miteinander reden.

Diese Filterblase gibt es auch in der realen Welt. AfD-Veranstaltungen gleichen einer Wagenburg, von Polizeiketten getrennt von den Gegendemonstranten.

Und – Überraschung – die sozialen Medien sind fantastisch dafür geeignet, diese physische Filterblase zu durchbrechen. Es geht im Netz so viel einfacher, wenn man nur will. Angelehnt an den alten Szenespruch „Twittern ohne Hose“ nenne ich das „Politik ohne Hose“.

Die meisten Debatten im Netz laufen aber anders ab. Statt Dialog wird gepöbelt. Wie ist das zu ändern?

Es ist wichtig, zunächst die eigene Wahrnehmung zu verstehen und die eigene Anfälligkeit für Manipulationen. Warum vertrauen wir einer Aussage, wenn sie 500 Likes hat? Warum wirkt sie immer noch auf uns, wenn wir wissen, dass sie falsch ist? Warum hat sie eine Wirkung, obwohl wir sie durchschauen? Wer diese Mechanismen kennt, kann sie durchbrechen.

„Manipuliert“, ZDF-Neo, 18. Mai, 23 Uhr

Lobo: Selbstironiker und Selbstvermarkter

Sascha Lobo sagte gerade über Donald Trump: „Seine einzige Qualifikation ist seine Frisur.“ Und natürlich war das auch selbstironisch gemeint. Der 41-Jährige gibt seit mehr als zehn Jahren den Cheinterneterklärer, was streckenweise auch bei ihm selbst Überdruss erzeugt hat. Aber er ist nach wie vor unverzichtbar. Sein Vortrag auf der diesjährigen re:publica war vom Glauben an die Macht der Worte geprägt und setzte Maßstäbe.

Von Jan Sternberg

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