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Fernsehen Tim Mälzer kehrt zu seinen TV-Wurzeln zurück
Nachrichten Medien Fernsehen Tim Mälzer kehrt zu seinen TV-Wurzeln zurück
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10:00 27.01.2019
Wieder an den Kochlöffeln der Macht: Tim Mälzer hat noch immer „Bock auf Fernsehen“. Quelle: Foto: RTLplus
Hamburg

Man mag von Tim Mälzer halten, was man will, aber auf den Mund gefallen, das ist er sicher nicht. Im Grunde sei Fernsehkochen doch „wie Fußball oder Pornos gucken“, erklärt der Vater des anhaltenden Bildschirmbooms seine Profession. Die Leute hätten doch auch da schon „tausendmal gesehen, wie irgendwas irgendwo versenkt wird“.

Fernsehkochen ist aus Mälzer-Sicht wieder elitär geworden

Aber wie bei Bällen oder Geschlechtsteilen – der älteste aller neuen TV-Maitres blickt dabei erstaunlich ernst aus der Alltagswäsche – sähe das Publikum weiter gern zu, wie junges Gemüse in der Pfanne landet oder teures Fleisch auf dem Grill. Leider vor allem letzteres.

Denn jenes Fernsehkochen, dem „Schmeckt nicht, gibt’s nicht“ vor 15 Jahren aus der Nische ins Rampenlicht geholfen hat, ist aus Sicht des Erfinders wieder so elitär geworden wie vor Mälzers kleinen Küchenrevolte. Trüffel hier, Sterne dort – „neben dem Halligalli, der andauernd ums Kochen gemacht wird“, betont er in seinem gehobenen, nicht abgehobenen Restaurant „Bullerei“ am Rande des Hamburger Schanzenviertels, „bedarf es einfach mal wieder unterhaltsamer, am Ende aber banaler Informationen um die richtige Zubereitung“.

Mälzer: „Wir wollen nicht nur Show, sondern wirklich kochen.“

Dafür kehrt der saloppe Lokalmatador heute buchstäblich zu den Wurzeln des kulinarischen Entertainments zurück: Um 17 Uhr startet auf RTLplus die erste von vorerst 82 Folgen „essen & trinken“, quasi die bildbewegte Fassung des gleichnamigen Print-Magazins, das Mälzer seit 2003 bei Gruner + Jahr herausgibt.

Wobei der Untertitel „Für jeden Tag“ zeigt, was dabei im Fokus steht: Bodenständigkeit mit Anspruch. Oder wie es der Hauptverantwortliche ausdrückt: „Wir wollen nicht nur Show, sondern wirklich kochen.“ Als sie der Privatsender Ende vorigen Jahres in der „Bullerei“ vorstellt, ist die Tonlage der Show allerdings doch ein bisschen näher als dem Kochen.

Während der Chef im Hintergrund des Geschehens steht, brennen seine vier vorwiegend kameraerfahrenen Maîtres daher das gewohnte Feuerwerk der Aufmerksamkeitsindustrie ab. „Sensationell“, ruft Kerners attraktiver Stammkoch Ludwig Heer mehrfach während des PR-Termins, was seine schrill gestylte Kollegin Meta Hiltebrand („Küchenschlacht“) euphorisch mit „superlustig“ nachwürzt, während der unscheinbare Foodblogger Ronny Loll alles hier „absolut irre“ findet, was die sehr blonde Konditormeisterin Andrea Schirmaier-Huber, bekannt durch „Das große Backen“ auf Sat1, nochmals mit „extrem toll“ überzuckert.

Die Rampensau des Kochgenres will sich gelegentlich blicken lassen

Der gellende, blitzlichtumtoste, leicht überdrehte Enthusiasmus für ein vergleichsweise randständiges Format im Kabelkanal wird da eigentlich nur noch von dessen Auftraggeber gesteigert. „Nach einem tollen Start ins Halbjahr“, jubelt Jan Peter Lacher, „ist das hier unser wichtigstes neues eigenproduziertes Produkt“. Köche, Partner, Teams und Macher – sie alle findet der Geschäftsführer des RTL-Ablegers daher „fantastisch“, vom „Hausherren“ ganz zu schweigen.

Dabei agiert Tim Mälzer gar nicht einmal im unmittelbaren Sichteld der Zuschauer. Seine Produktionsfirma Tibool Media stellt das werktägliche Nachmittagsformat zwar her, im Fokus stehen jedoch die vier Köche. Und selbstverständlich ihr Essen.

Dennoch will sich die erste echte Rampensau des Genres gelegentlich mal blicken lassen, wenn Ludwig und Meta oder Ronny und Andrea in wechselnden Zweierteams nach Mottos wie „Kürbis & Co.“ oder „Türkisch für Einsteiger“ kochen.

Mälzer betont, immer noch „Bock auf Fernsehen“ zu haben

Es gebe zwar genügend Leute, „die meine Fresse nach 15 Jahren nicht mehr sehen können“, sagt er im schnodderigen Sound seiner Kiez-Heimat. Trotz Fernsehküchenoverkill aber, trotz privatem Burnout vor ein paar Jahren, trotz Mehrfachbelastung durch sein Erfolgsformat „Kitchen Impossible“, das Sonntag an der Seite des Shootingstars der Haute Cuisine, Tim Raue, in die vierte Staffel geht, betont er allerdings, noch immer „Bock auf Fernsehen“ zu haben.

Ob das Publikum noch Bock auf Mälzer hat, das wird sich ab heute im Nischenprogramm von RTL zeigen.

Von Jan Freitag / RND

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