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Nachrichten Medien Fernsehen Mit dem interaktiven Film „Bandersnatch“ könnte Netflix das Fernsehen revolutionieren
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15:14 03.01.2019
Brillierte bereits als verstörter Jugendlicher an der Seite von Emma Thompson in dem Film „Kindeswohl“: Fionn Whitehead als Stefan Butler. Quelle: Netflix
Berlin

Frosties oder Honey Loops? So lautet die erste Entscheidung, die der Zuschauer für den Teenager auf dem Bildschirm treffen muss. Später wird es um existenziellere Fragen gehen: den verlockenden Deal einer großen Firma annehmen oder lieber als Einzelkämpfer der eigenen Idee treu bleiben? In einem Wutanfall: Computer zertrümmern oder Therapeutin anrufen?

Bandersnatch ist eine Langfolge der Serie „Black Mirrow“

„Bandersnatch“, ab sofort streambar, ist als Langfolge der dystopischen Zukunftsserie „Black Mirror“ der erste interaktive Film des Streamingdienstes Netflix – und er könnte das Fernsehen revolutionieren. Denn hier verschmelzen die Grenzen zwischen Gaming und Fernsehen. Das macht hierbei auch noch inhaltlich Sinn, weil es um die Geschichte des jungen Programmierers Stefan Butler (Fionn Whitehead) geht, der unter Zeitdruck ein Spiel erarbeiten muss, bei dem die Nutzer sich immer wieder zwischen zwei Optionen entscheiden müssen und so den Fortlauf der Geschichte bestimmen.

Die medialen Ebenen werden vielfach durcheinadergeworfen: „Bandersnatch“ ist im Film ein Buch, das als Computerspiel adaptiert wird. Irgendwann sieht man auch eine Netflix-Programmiererin bei der Arbeit, die plötzlich vor ähnlichen Entscheidungen steht wie ihre Figur („Tee über Tastatur schütten?“). Das ist nur ein Beispiel für die Selbstironie von Regisseur David Slade („Hannibal“, „American Gods“). An einer Stelle kommuniziert der Zuschauer/Spieler mit dem Protagonisten und soll ihm erklären, was Netflix ist. Das ist besonders komisch, weil der Film in den Achtzigerjahren spielt, als es Streaming noch nicht gab. Der unbeholfene Erklärungsversuch, angezeigt in altmodischer Pixelschrift auf Stefans Röhrenmonitor, ist ein amüsantes Detail. In der realen Welt wiederum erwähnt Lewis Carroll in „Alice im Wunderland“ eine mysteriöse Fantasiefigur namens Bandersnatch.

Auch das lineare Fernsehen machte schon interaktive Versuche

Natürlich gab es schon vorher zahlreiche Versuche des interaktiven Fernsehens. 2000 gab es einen „Tatort“, bei dem die Zuschauer in die Handlung eingebunden wurden. Und 2016 hat das Erste die Verfilmung des Theaterstücks „Terror“ des Autors Ferdinand von Schirach gezeigt. Das Fernsehpublikum konnte abstimmen, ob ein Luftwaffenmajor für den Abschuss einer Passagiermaschine zur Terrorabwehr schuldig gesprochen wird oder einen Freispruch erhält. Doch das komplizierte Abstimmen per Telefon und mit Zeitverzögerung ist nichts im Vergleich zu dem in den Filmfluss eingebauten Klick auf eine der Optionen. Streamingdienste bieten also rein technisch die Möglichkeiten für eine kleine Revolution. Man stelle sich einmal vor: Anhänger von Happy Ends könnten das Ende von „Titanic“ einfach umändern! Oder entscheiden, ob sich das Paar kriegt, oder auch nur, welcher Song beim ersten Date gespielt wird. Ein immer mehr individualisiertes Programm würde dagegen das Gemeinschaftsgefühl unterbinden, für das Fernsehen lange stand.

Bei „Bandersnatch“ führen bestimmte Entscheidungen in Sackgassen und so nach dem „Und täglich grüßt das Murmeltier-Prinzip“ wieder zurück in die Geschichte. So gibt es zwar zwölf mögliche Enden, die aber am Ende doch nur auf ein einziges hinauslaufen. Die Wahlfreiheit ist also letztendlich nur eine Illusion – eine starke Pointe.

Von Nina May/RND

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