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16:51 20.09.2018
Emma Stone als Annie und Jonah Hill als Owen streifen als Agenten in „Maniac“ durch ihre Traumwelten. Quelle: Michele K. Short / Netflix
Los Gatos

Ein elektrisches Knistern, fast ein Zischen. Die Kamera fährt die Kabel entlang: lila, grün, orange, blau, pink. Die Schnüre reichen in den Untergrund, noch tiefer als das Kellergeschoss des Pharmalabors ohnehin schon liegt. Immer weiter verästeln sie sich. So weit, bis kein Mensch mehr die Struktur durchdringen kann.

Die Kabel sprießen aus dem intelligenten Computer Gerta, der das Bewusstsein der Patienten manipuliert. Er lässt in den Gedanken Parallelwelten entstehen, um mit Hilfe von drei bunten Pillen ihre psychischen Probleme zu eliminieren. Alle Maniacs, alle Verrückten, Spinner und Irren dieser Welt sollen dadurch zu Normalos gemacht werden.

In der Reihe „Maniac“, Serienstart ist an diesem Freitag auf Netflix, lässt Regisseur Cary Joji Fukunaga Probanden einen skurrilen Medikamententest durchlaufen. Der Stoff basiert auf einer norwegischen Serie. Owen (Jonah Hill) und Annie (Emma Stone) hängen am Supercomputer. Owen ist wie der traurige Esel von Winnie Puh: die Melancholie in Person mit dauertiefen Augenringen. Er ist Sprössling einer reichen Industriellenfamilie, in der er mit seiner paranoiden Schizophrenie als Schandfleck gilt. Annie hat keine Freunde, dafür aber eine extrem abwesende Familie und eine Medikamentenabhängigkeit. Owen hat Annie als Schlüssel zur Weltenrettung auserwählt. Durch die Traumwelten, die der Supercomputer generiert, schlagen sie sich in „Maniac“ deswegen gemeinsam durch – und das führt beim Medikamententest zu lebensgefährlichen Komplikationen.

Der Start bei „Maniac“: Langsam, aber ungeduldig

Für diese Einführung nimmt sich Regisseur Fukunaga in „Maniac“ drei Folgen lang Zeit. Immer wieder gerät er auf Seitenpfade der Handlung, nimmt noch kleine Bildwitze mit, erklärt bis ins kleinste Detail das Setting – eine Parallelwelt der Achtzigerjahre, die aber skurril gezeichnet und technisch weiter fortgeschritten ist. Kleine Roboter sammeln zum Beispiel Hundekot auf und desinfizieren hinterher den Gehweg mit blauen Maschinen-Exkrementen.

Die neue Netflix-Serie von Cary Joji Fukunaga „Maniac“ lässt die Hauptfiguren Annie und Owen durch imaginierte Parallelwelten stolpern – diese vielen Leben testen Emma Stone und Jonah Hill aus.

In Bewegung kommt „Maniac“ erst, wenn Owen und Annie ihre Traum-Abenteuer erleben – sie versuchen als Vorstadt-Ehepaar einen Lemur aus den Klauen von Pelzhändlern zu befreien oder wandern als Agenten durch eine Spukvilla in den Zwanziger Jahren. In Bildweltwechseln hat US-Regisseur Fukunaga vor „Maniac“ schon reichlich Erfahrung gesammelt: Für seine Filme springt er oft von einem Setting in ein komplett anderes. Von der staubigen Erde Südmexikos im Debütfilm „Sin Nombre“ zu den nebelverhangenen Hügeln Englands in „Jane Eyre“, zum düsteren Durchschnitts-Amerika von Louisiana in der Erfolgsserie „True Detective“, zum Afrika der Kindersoldaten in „Beasts of No Nations“.

„Maniac“ bedient sich mit Popzitaten aus dem Wandschrank der Filmgeschichte

In „Maniac“ setzt er nun noch eins drauf und wechselt von Folge zu Folge im Genre: So stiefelt Annie als Halb-Elbin durch Landschaften à la „Herr der Ringe“. Oder sie operiert mit einem Schall-Schraubenzieher ganz im Stil von „Doctor Who“ ominöses Alien-Teil aus Owen heraus. Jonah Hill spricht in derselben Stimmlage wie die Hauptfigur bei Amazons Erfolgsserie „Mr. Robot“ – und wie er hat seine Figur auch Probleme, Wirklichkeit und Fantasie auseinanderzuhalten. Die Serie zitiert zuhauf aus der Popkulturgeschichte und mutiert teils zum Super-Verweissystem.

Über allem schwebt Sigmund Freud mit seiner Psychoanalyse: Die Probanden sollen in den Traumwelten von „Maniac“ mit ihren Problemen konfrontiert werden. Ohne monströsen Ödipus-Komplex geht es nicht. Die Mutter des Neurochemikers aus dem Labor heißt Greta, der Supercomputer – quasi auch ein „Maniac“ mit ihren Charakterzügen ist Gerta, und auch in Wirklichkeit heißt die Mama des Regisseurs Gretchen. Meta, meta, meta.

Die Realität erscheint hier ähnlich verzerrt wie bei einer Psychose: Bekanntes wird in einen großen Mixer geschmissen und in anderer Form wieder ausgespuckt. Mitunter werden Zitate aus Filmgeschichte und Co. zu einem Wust, den – ähnlich wie die Kabelarme von Supercomputer Gerta – kein Mensch mehr ganz aufdröseln kann.

Von Geraldine Oetken / RND

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