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Fernsehen Lohnt sich die neue Serie „The Handmaid’s Tale“?
Nachrichten Medien Fernsehen Lohnt sich die neue Serie „The Handmaid’s Tale“?
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12:15 19.10.2017
Die Mägde werden gefügig gemacht: Offred (Elisabeth Moss, rechts) ist die Protagonistin der Serie. Quelle: Hulu
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Berlin

„You Don’t Own Me“ – der Abspann-Song von Lesley Gore setzt einen bitterbösen Kontrapunkt. Ging es doch in der ersten Episode der Serie „The Handmaid’s Tale“ (Der Report der Magd) sehr wohl um Frauen, deren Körper im Dienste der Arterhaltung enteignet und verstaatlicht werden. In einer totalitären Zukunft ist nach einer Umweltkatastrophe nur noch jede 100. Frau fruchtbar. Sie dienen als Gebärsklavinnen und werden ihrem persönlichen Befehlshaber zugewiesen, dessen eigene Frau keine Kinder bekommen kann. Die zwei Kategorien von Weiblichkeit markieren die Farben der Roben: Blau für die Herrinnen, die bei der rituellen Vergewaltigung zum Eisprung Händchen halten, Rot für die Mägde.

„You Don’t Own Me“ – Das Lied im Abspann steht aber auch dafür, dass die Protagonistin Offred (Elisabeth Moss) sich nicht brechen lässt. Symbolhaft spuckt sie den Macaron-Keks, den ihr eine der blauen Damen gönnerhaft schenkt, wieder aus.

Die Serie des US-Streamingdienstes Hulu wurde in mehreren Kategorien mit dem Emmy Award ausgezeichnet. Es die erste Serie eines Video-on-Demand-Services, die den wichtigsten US-amerikanischen Fernsehpreis als beste Dramaserie gewinnen konnte. Neben der Hauptdarstellerin Elisabeth Moss wurde auch Ann Dowd für ihre Nebenrolle ausgezeichnet. Sie führt die Tanten an, welche die Mägde mit Gewalt und Gehirnwäsche gefügig machen in einer großartigen Mischung zwischen Monster und Mutter. Alexis Bledel („Gilmore Girls“) spielt eine Magd, Joseph Fiennes („Shakespeare in Love“) den Peiniger von Offred. Eine deutschsprachige Version ist seit Oktober bei dem neuen Streamingdienst der Telekom, Entertain TV Serien, zu sehen.

Rückblenden erzählen von der verlorenen liberalen Welt

Die Serie erinnert bis in einzelne Dialoge hinein an die Verfilmung des Stoffes durch Volker Schlöndorff aus dem Jahr 1990. Doch während der Film „Die Geschichte der Dienerin“ sich in der fremden dystopischen Welt verliert, die mit Essensmarken an ein Nachkriegsszenario erinnert, setzt die Serie auf Rückblenden. Offred wird da in der Diskothek oder im Gespräch mit einer lesbischen Freundin (Samira Wiley, bekannt aus „Orange Is The New Black“) gezeigt. Der Kontrast macht deutlich, wie brüchig unsere altbekannte liberale Welt ist. Der Zuschauer hält es für möglich, tatsächlich eines Tages in dieser grausamen Welt aufzuwachen.

Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman der kanadischen Schriftstellerin Margaret Atwood und war rund um die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an die Schriftstellerin in aller Munde – als Beweis für ihre epochenübergreifende Bedeutung. Begonnen hat die Kanadierin die Romanvorlage 1984 in West-Berlin im Angesicht der Mauer. Heute sei wieder von Mauern die Rede, sagte sie in Frankfurt jüngst in Anspielung auf Donald Trumps Pläne mit Mexiko.

Aktivistinnen nutzten den Slogan „Make Atwood Fiction again“

„Make Margaret Atwood Fiction Again.“ Dieser Satz stand Anfang des Jahres auf Plakaten von Frauen, die gegen den Sexismus des neuen US- Präsidenten protestierten. Trump, der sich als Grapscher brüstet, schien direkt einem Buch der Autorin entsprungen zu sein. Auch die aktuelle Debatte über sexuelle Belästigung in den USA zeigt, dass Atwood in ihren grotesken Szenarien lediglich untergründige Stimmungen ins Extreme steigert.

Die Autorin hat in der ersten Folge der „Handmaid’s“-Serie einen Cameo-Auftritt. Die 77-Jährige spielt eine der fiesen Tanten, welche die angehenden Mägde indoktrinieren. Sie verpasst der Protagonistin eine Ohrfeige, als sie nicht spurt. Als Autorin fordert sie Frauen jedoch dazu auf, sich nicht in Besitz nehmen zu lassen – „You Don’t Own Me“.

Von Nina May/RND

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