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Nachrichten Medien Fernsehen #HappyBirthday: Der Hashtag hat Geburtstag
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06:23 23.08.2018
Vorzeichen einer Kampfansage: Der Hashtag. Das Schlagwort #MeToo (unten) ist den Menschen inzwischen auch außerhalb des Internets ein Begriff. Quelle: Fotolia
Berlin

Der Begriff #MeToo hat sich längst vom Internet emanzipiert. Auch in der analogen Welt verbinden Menschen damit mittlerweile eine Bewegung, die sexuelle Belästigung und Sexismus anprangert. Begonnen aber hat MeToo als feste Verschmelzung mit dem #-Symbol – auf Deutsch Rautezeichen, auf Englisch Hashtag. Die sozialen Netzwerke, allen voran Twitter, fungieren dabei als Sammelbecken für Erfahrungsberichte, die Menschen auf der ganzen Welt miteinander teilten. Ein Schlagwort versammelt zahlreiche singuläre Erlebnisse und erhebt sie so zur gesellschaftlichen Tendenz.

Twitter-Studie

Twitter-Nutzer sind im Vergleich zu anderen Internetnutzern narzisstischer, mitteilungsbedürftiger und kreativer. Das ist das Ergebnis einer Studie von Sascha Hölig vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, die auf einer Stichprobe von 600 repräsentativen Internetnutzern basiert. Besonders auffällig sind die Unterschiede bei der Einschätzung der eigenen Persönlichkeitsstärke: 66,3 Prozent der aktiven Twitterer schätzen sich selbst als stark ein. Bei den anderen Onlinern sind es nur 48,1 Prozent. Die Twitter-Gemeinde besteht laut Studie aus mehr Männern (62 Prozent), das Durchschnittsalter beträgt 40 Jahre, und der Bildungsstand ist etwas höher als bei anderen Internetnutzern.

Im Zuge von #MeToo avancierte der Hashtag zuletzt immer mehr zum Vorzeichen einer Kampfansage. #MeTwo, #MeQueer: Immer neue Gruppen von Migranten bis Homosexuellen formieren sich im Zeichen des Hashtags, um über Diskriminierung im Alltag zu berichten.

Das Rautenprinzip wird bis in die tiefsten Verästelungen der Gesellschaft fortgeführt. So verweisen unter #ChurchToo US-amerikanische Gläubige darauf, dass neben der katholischen Kirche auch evangelikale Gemeinden von Missbrauchsvorwürfen betroffen sind.

Wichtiges Werkzeug der Emanzipation

Hashtags sind verschlagwortetes Gemeinschaftsgefühl, vermitteln dem Einzelnen das Gefühl, nicht allein zu sein. Sie geben zugleich denjenigen eine Plattform, die sich unerhört fühlen, und sind somit ein wichtiges Werkzeug der Emanzipation – zum Beispiel von überkommenen Schönheitsidealen. Unter dem Stichwort #NotHeidisGirl verwehren sich Frauen dem Zugriff von Heidi Klum und ihrer Definition von Weiblichkeitsnormen aus der Pro7-Castingshow„Germany’s Next Topmodel“.

Die Inflation der Rauten jedoch beflügelt einerseits Kritiker, welche die Zeugnisbekundungen seit jeher als Befindlichkeitsgedusel verlachen. Andererseits beginnt sich die Energie des digitalen Empörungsstroms abzunutzen, wenn sich eine Teilnahme an der Debatte in der Erkenntnis „Ja, ich auch“ erschöpft. Beliebigkeit aber ist der Fallfuß für jede Bewegung. Das zeigte sich schon bei #MeToo, als Berichte über brutale Vergewaltigungen und über blöde Bemerkungen sich ohne Differenzierung zueinandergesellten.

Dümmlich verallgemeinernde Schlagworte wie #MenAreTrash tun ein Übriges, um auch berechtigte Bewegungen zu desavouieren. (Ein Nutzer wappnet sich gegen die pauschale Herabwürdigung seines Geschlechtes übrigens mit dem Stichwort #MeAreMen: So findet sich im Netz immer gleich eine Gegenbewegung.)

Raute statt Raufen

Die Raute, das war lange dieses vernachlässigte Zeichen auf Telefontastaturen, das man vielleicht noch davon kannte, wenn man sein Prepaidkonto mit einem Code aufladen wollte. Doch dann entdeckte das Internet vor elf Jahren dieses Symbol. Am 23. August 2007 schlug der Jurist Chris Messina bei Twitter vor, die Raute zu nutzen, um Nachrichten thematisch zu bündeln. Tweets sollten so leichter auffindbar werden.

Andere soziale Netzwerke wie Instagram und Facebook haben den Hashtag längst adaptiert. Insbesondere im Heimmedium Twitter hat sich die Raute zu einem Symbol für eine neue Debattenkultur gemausert: Raute statt Raufen. Statt mit Demo-Plakaten durch die Straßen zu ziehen, kann man im Internet per Mausklick Teil einer Bewegung werden. Ein frühes Beispiel dafür ist der #Aufschrei im Jahr 2013, der in Deutschland den Boden für #MeToo ebnete.

Das Gitterzeichen ordnet also einerseits und steht zugleich für anarchische Machtverschiebungen. Eins vermag es aber nicht, und zwar Einzelberichte in gesellschaftliche Debatten zu kanalisieren. Ohne diesen Transfer drohen all die Offenbarungen im Nichts zu verhallen. Die Raute ist also Vorzeichen einer Kampfansage. Bei all den Hassbotschaften, all den Vorurteilen und Übergriffen, die über Hashtags kommuniziert werden, ist es vielleicht tröstlich, dass der meistgebrauchte Hashtag ein ganz anderes Gefühl beschwört: #Love, Liebe.

Von Nina May/RND

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