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Fernsehen „Sieben Stunden“ – Martyrium einer Psychologin
Nachrichten Medien Fernsehen „Sieben Stunden“ – Martyrium einer Psychologin
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10:02 06.09.2018
Falsche Einschätzung: Hanna Rautenberg (Bibiana Beglau) und Peter Petrowski (Till Firit) in einer der letzten Sitzungen: Nach vier Jahren auf der sozialtherapeutischen Station stuft die Psychologin ihren Patienten als kontrolliert, hilfsbereit und rücksichtsvoll ein. Quelle: Foto: Barbara Bauriedl/BR
Baden-Baden

Für empfindsame Zuschauer, warnt Arte, sei der Film nicht geeignet, für Kinder und Jugendliche ohnehin nicht. Der Hinweis ist sicher nicht unangebracht, der Kulturkanal „Sieben Stunden“ strahlt ihm um 20.15 Uhr aus.

Eine Geiselnahme in der Haftanstalt

Die Warnung, die Arte zumindest der Version für Journalisten vorausschickt, bezieht sich in erster Linie auf die Ausweglosigkeit, der die Gefängnispsychologin Hanna Rautenberg (Bibiana Beglau) ausgesetzt ist: Ausgerechnet Petrowski (Till Firit), ein Vergewaltiger und Mörder, den sie auf einem guten Weg sah, verbarrikadiert sich in ihrem Büro und missbraucht sie.

Die Leitung des Hochsicherheitsgefängnisses weiß von der Geiselnahme, ein Sondereinsatzkommando ist längst vor Ort, aber weil Hannas Stellvertreter (Norman Hacker) aufgrund gelegentlicher Anrufe den Eindruck hat, die Kollegin habe alles im Griff, greift das SEK nicht ein.

Regisseur Christian Görlitz hält sich dankenswerterweise nicht lange mit dem Ereignis auf. Kurze Momente, die die Therapeutin zusammengekrümmt und von Wunden übersät auf dem Boden ihres Büros zeigen, lassen das Grauen erahnen. Die ganze Furchtbarkeit der Ereignisse können vermutlich ohnehin nur Menschen nachvollziehen, die selbst etwas Derartiges durchleiden mussten.

Bibiana Berglau bezeichnet sich selbst als „Intensitätssau“

Von Berufs wegen weiß sie, dass Rache das Ereignis nicht ungeschehen machen kann; trotzdem träumt sie davon, ihrem Peiniger wieder und wieder das selbstgebastelte Messer in den Bauch zu rammen, mit dem er sie bedroht hat. Ihr Mann Stephan (Thomas Loibl) überzeugt sie, die Opferrolle zu verlassen und im Prozess gegen Petrowski als Nebenklägerin aufzutreten.

Sie entschließt sich, in die Offensive zu gehen, und ihren Arbeitgeber sowie die Polizei wegen unterlassener Hilfeleistung zu verklagen. Ihre öffentliche Aussage stellt eine erneute Belastungsprobe dar, nicht nur für sie, sondern auch für ihren Sohn. Ihrem Mann dagegen, der ohnehin nicht versteht, warum sie sich nicht gewehrt hat, wird sie immer fremder.

Die Geschichte ist alles andere als leichte Kost. Bühnenstar Beglau ist keine jene Darstellerinnen, auf die sich die meisten Zuschauer einigen können. Ihre Kantigkeit lässt sie für reine Zeitvertreibfilme weitgehend ungeeignet erscheinen. Kein Wunder, dass diese Frau, die sich in einem Interview mal als „Intensitätssau“ bezeichnet hat und ihre Rollen mit Haut und Haar zu fressen pflegt, gern als Antagonistin besetzt wird.

Das Vorbild für den Film wurde mit den Folgen der Tat nicht fertig

Klassisches Thrillerkino sind dagegen die Bilder, die der Film für den Aufruhr findet, der in Hannas Seele herrscht: Als Stephan mit einem Küchenmesser Petersilie schneidet, ist schon das überlaute Geräusch eine akustische Provokation; aber aus Sicht Hannas werkelt da nicht ihr Mann in der Küche, sondern ihr Peiniger.

Das Drehbuch, das Grimme-Preisträger Görlitz („Freier Fall“) gemeinsam mit Pim G. Richter geschrieben hat, basiert auf den Erinnerungen von Susanne Preusker, die einst im Straubinger Gefängnis eine Station für männliche Sexualstraftäter aufgebaut und in ihrem 2011 erschienenen Buch „Sieben Stunden im April“ beschrieben hat, was sie zwei Jahre zuvor durchleiden musste. Die Psychologin hat ihre Arbeit nach der Tat nicht mehr ausüben können und wurde Hundetrainerin – im Februar 2018 hat sie sich das Leben genommen.

Autoren und Redaktion hatten während der Entwicklung des Drehbuchs Kontakt zu ihr. Preusker, heißt es in einem gemeinsamen Statement der Verantwortlichen, habe es richtig gefunden, „dass wir uns für eine Fiktionalisierung entschieden und uns von ihrer persönlichen Geschichte entfernt haben.“ Sie habe gewollt, „dass dieser Film gemacht wird, kannte das Drehbuch und hat auch den fertigen Film mit ihrer Familie gesehen, der sie sehr bewegt und begeistert hat.“

Von Tilmann P. Gangloff

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