Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Fernsehen Magdeburger „Polizeiruf 110“ – Vom Auto als Waffe
Nachrichten Medien Fernsehen Magdeburger „Polizeiruf 110“ – Vom Auto als Waffe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 23.09.2018
Trauernde am Abgrund: Der Vater des Opfers (Ben Becker, links) mit einem der nächtlichen Raser (Anton von Lucke).. Quelle: Foto: Stefan Erhard/MDR
Magdeburg

Seit 2017 werden illegale Autorennen stärker geahndet. Kommt jemand zu Tode, drohen Gefängnisstrafen bis zu zehn Jahren. Für großes Aufsehen sorgte ein Urteil des Berliner Landgerichts, das zwei Raser wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte. Der Bundesgerichtshof hat das Urteil jedoch wegen fehlenden Vorsatzes wieder aufgehoben.

Ein illegales Autorennen und ein Todesfall

Derlei juristische Details kommen in dem „Polizeiruf“ aus Magdeburg mit dem plakativen Titel „Crash“ zwar nur am Rande zu Sprache, aber sie bilden die Basis des Drehbuchs von Wolfgang Stauch: In der nächtlichen Innenstadt wird eine junge Frau überfahren. Der Täter gehört offenkundig zu einer Gruppe junger Männer, die regelmäßig Autorennen veranstalten und mit 150 Stundenkilometern durch die Stadt rasen.

Das Ermittler-Team Brasch und Köhler (Claudia Michelsen, Matthias Matschke) taucht tief in die Szene ein und stößt auf ein emotionales Dickicht aus Sozialneid, Größenwahn und enttäuschter Liebe: Die tote Sarah war die Freundin von gleich zwei Mitgliedern der Clique. Endgültig zum Rätsel wird die Geschichte, als sich rausstellt, dass der Unfallort gar nicht auf der vorher vereinbarten „Rennstrecke“ lag.

Drehbuchautor Stauch hat ein Faible für Beziehungsgeflechte

Stauch hat neben diversen Episoden für Reihen wie „Unter Verdacht“, „Tatort“, „Polizeiruf“ oder „Marie Brand“ auch die Drehbücher für die psychologischen SWR-Krimis „Emma nach Mitternacht“ mit Katja Riemann geschrieben. Die Fälle, die er sich ausdenkt, sind regelmäßig interessant, aber mindestens ebenso wichtig ist ihm das Beziehungsgeflecht zwischen den handelnden Personen.

Diese Ebene wäre in „Crash“ noch fesselnder, wenn die Darsteller der jungen Raser (unter anderem Anton von Lucke und Dennis Mojen) charismatischer wären, zumal mit Ben Becker als Vater des Opfers ein Schauspieler mitwirkt, dessen mächtige Präsenz jeden Bildschirm sprengt.

Deshalb steht als zwischenmenschliche Komponente vor allem und wieder mal die gegenseitige Abneigung zwischen dem Ermittlerduo im Vordergrund. Die im sozialen Umgang mit den Kollegen arg limitierte Hauptkommissarin hat zwar Besserung gelobt, nachdem sich in der letzten Episode („Starke Schultern“) sogar ein Psychologe des Binnenklimas angenommen hat, aber natürlich bricht die alte Brasch immer wieder durch.

Hauptkommissarin Brasch ist immer noch unkonventionell

Die Dialoge zwischen ihr, Köhler und dem Chef (Felix Vörtler) sind zwar nicht komisch, werden von Regisseur Torsten C. Fischer aber im Komödientempo inszeniert und von den erfahrenen Profis perfekt vorgetragen. Der Psychologe (Steven Scharf) wirkt übrigens immer noch mit, aber nur noch als Randfigur, die rausfinden möchte, ob Brasch beziehungsfähig ist.

Dass die Hauptkommissarin ihre unkonventionelle Seite allenfalls versteckt, aber keineswegs abgelegt hat, zeigt sich nicht zuletzt in ihren eigenwilligen Befragungsmethoden, als sie die Besitzer einschlägiger Kfz-Werkstätten dazu bringen will, die Namen der Rennfahrer auszuplaudern. Davon abgesehen muss Brasch ihr Motorrad diesmal gegen ein PS-starkes Auto tauschen.

Tatsächlich sind es vor allem die ungewöhnlichen (und ungewöhnlich häufigen) Nachtszenen, die „Crash“ zu einem besonderen „Polizeiruf“ machen. Gemeinsam mit Kameramann Theo Bierkens hat der krimierfahrene Fischer, der bereits Stauchs „Emma“-Drehbücher umgesetzt hat, für die Rennen durch die Stadt packende Bilder gefunden.

Die Nachtszenen sind in ein faszinierendes Licht getaucht

Der Film bewegt sich deshalb zwar trotzdem nicht auf einer Stufe mit der Kinoreihe „Fast & Furious“, aber für eine TV-Produktion ist das schon sehr eindrucksvoll, zumal Bierkens die Bilder in den Nachtszenen und in der Morgendämmerung in ein faszinierendes Licht getaucht hat.

Dass Fischer und sein Kameramann beim Unfall zu Beginn einer zerschellenden Sektflasche und dem durch die Luft fliegenden Kopfhörer des Opfers jeweils eigene Zeitlupensequenzen widmen, wirkt zunächst bloß kunstvoll, hat aber seine Bewandnis, denn der Sekt wie auch der Kopfhörer werden später noch besondere Rollen spielen.

Die Bilder der Flasche greift der Film in einer Parallelmontage auf, als Sarahs Vater in seiner Mischung aus Trauer und Zorn eine Fensterscheibe einschlägt; und den Kopfhörer wird er tragen, wenn er die Geschichte auf grimmige Weise beendet. Das Komponistenduo Warner Poland und Wolfgang Glum (auch bekannt als Monobeat) sorgt für die perfekte Untermalung und unterlegt die Rennbilder mit Techno-Rhythmen, während es die Ermittlungsarbeit mit entspannter Rockmusik begleitet.

Gegen Ende leistet sich der Krimi einige Redundanzen

In der zweiten Hälfte lässt die Spannung spürbar nach, einige Szenen sind zu lang oder gänzlich überflüssig, beispielsweise eine nächtliche Friedhofsprügelei der beiden Männer, die noch über ihren Tod hinaus um Sarahs Gunst zu kämpfen scheinen; der Film dreht sich nun ein paar mal im Kreis und leistet sich einige Redundanzen. Davon abgesehen aber ist der „Polizeiruf“ nicht zuletzt wegen seines tragischen Kerns sehenswert.

Von Tillmann P. Gangloff / RND

Der britische Fernsehsender Sky geht an den US-Kabelnetzbetreiber Comcast. Das Unternehmen habe 29,6 Milliarden Pfund (knapp 33 Milliarden Euro) geboten und damit die Versteigerung gewonnen, teilte die britische Regulierungsbehörde am Sonnabend mit.

22.09.2018

Es ist das Aus für Thomas Hayo und Michael Michalsky in der Jury von „Germany’s Next Topmodel“. Nach Medienberichten wird es aber keine neuen festen Jury-Kollegen für Model Heidi Klum geben.

22.09.2018

Die Macher von „The Walking Dead“ wollen neue Filme als Spin-offs der Zombie-Serie herausbringen. Die Staffel 8 hat jetzt auch einen Ausstrahlungstermin im Free TV.

21.09.2018