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00:17 15.01.2016
Die MDR-Intendantin und neue ARD-Vorsitzende Karola Wille stellte sich in Leipzig vor. Quelle: dpa
Leipzig

Es passte zu diesem Montag, an dem allein in Leipzig zum ersten Jahrestag von Legida mehr als zehn Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen geplant waren. Karola Wille, die Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks, trat erstmals in ihrer zusätzlichen Funktion als Vorsitzende der ARD auf und sprach von der zunehmenden Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks „für das Funktionieren der Demokratie in Deutschland“.

Mit dem Verweis auf terroristische Anschläge, erodierende Wertegrundlagen in Teilen der Gesellschaft und eine zunehmende Gewaltbereitschaft, auch Journalisten gegenüber, sagte die MDR-Intendantin: „Die ARD muss in diesen Zeiten erklären, was ist, Werte vermitteln, Meinungen widerspiegeln und einem offenen und freien Meinungs- und Willensbildungsprozess und damit auch dem sozialen Zusammenhalt und der Stabilität unseres Gemeinwesens dienen“.

Stärkere Integration der Online-Welt

Damit gab Wille vor, worin sie die Schwerpunkte ihrer voraussichtlich zweijährigen Amtszeit als Vorsitzende der ARD sieht. Am Herzen liegt ihr insbesondere die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Journalismus, gerade nach den Attacken im Zuge von Köln, auch vonseiten der Politik. „Glaubwürdigkeit, eine breite gesellschaftliche Akzeptanz und eine überzeugende Legitimation des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks“ seien „untrennbar miteinander verbunden“, sagte die ARD-Vorsitzende. Sie zitierte eine Untersuchung, der zufolge ein Viertel der Bevölkerung an der Glaubwürdigkeit der Öffentlich-Rechtlichen zweifle: „Davon ist jeder Einzelne einer zu viel“, sagte Wille.

Als Impulsgeberin wolle sie sich dafür einsetzen, dass die ARD ihren „Anspruch als verlässlicher Qualitätsanbieter erfüllt“. Die ARD müsse zudem transparenter werden, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in ihrem journalistischen Handeln. „Wir müssen Fehler akzeptieren, korrigieren und auch kommunizieren“, nur das schaffe dauerhaft Vertrauen.

Achten wolle sie zudem darauf, dass die Berichterstattung die größtmögliche Vielfalt an Themen, Akteuren und Meinungen spiegele, „auch außerhalb von Mainstream-Korridoren und der gängigen politischen Agenda“. Das erfordere „größtmögliche Nähe zur Lebenswirklichkeit der Menschen“. Als jemand, der in der DDR sozialisiert worden sei, sagte Wille, wisse sie um die Gefahr einer „Diskrepanz zwischen Erlebtem und Berichtetem“.

Maßstab jeder Berichterstattung dürfe daher einzig Relevanz sein. Notwendig sei zudem der wahrhaftige, respektvolle Dialog mit den Beitragszahlern. Dabei sollte sich die ARD „angesichts unseres finanziellen Privilegs in Bescheidenheit üben“.

Konkret bedeutet das für die ARD, das Potenzial, das die Online-Welt bietet, mehr als bisher zu nutzen, um für die laut Wille in Teil- und Gegenöffentlichkeiten auseinanderfallende Gesellschaft eine Gesamtöffentlichkeit zu schaffen. Auch sollten mit Blick auf das sich ändernde Nutzungsverhalten die Mediatheken modernisiert werden, etwa durch personalisierte Funktionsweisen.

Weitere Kooperationen

Weiterhin sprach Wille von der einmaligen Chance, dem von ihr bereits bei ihrer Wahl zur MDR-Intendantin angemahnten „Generationenabriss“ entgegenzuwirken. Damit meint sie das junge Digital-Angebot, das ARD und ZDF gemeinsam am 1. Oktober dieses Jahres starten wollen. Schließlich kündigte Wille an, nicht nur innerhalb des öffentlich-rechtlichen Systems – also mit ZDF und Deutschlandradio – Kooperationen auszubauen, sondern sie wolle auch mit privaten Medienhäusern strategische Partnerschaften eingehen.

In diesem Zusammenhang sagte sie, sie wolle erneut die Chance einer zuletzt aus kartellrechtlichen Gründen gescheiterten, gemeinsamen Videoplattform für private und öffentlich-rechtliche Sender testen, ebenso die Idee verfolgen, eine gemeinsame, europäische Suchmaschine zu entwickeln.

Insbesondere aber, sagte Wille, wolle sie mit den Zeitungsverlagen Wege suchen, gerichtliche Auseinandersetzungen wie den seit Jahren schwelenden Konflikt um die aus Verlegersicht wettbewerbsverzerrende „Tagesschau“-App beizulegen.

Von Ulrike Simon

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