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Nachrichten Medien Alle 26 Finalisten im Kurz-Check
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13:52 13.05.2017
Sie soll die deutsche Durststrecke beim ESC beenden: Levina. Quelle: dpa
Kiew

Die Spannung steigt: Wer wird heute Abend (Sonnabend) im Rennen um Europas Musik-Thron vorne liegen? RND-Redakteur Grimm berichtet live aus Kiew – und hat alle 26 Starter schon mal ganz genau in Augenschein genommen.

Imri Ziv Quelle: AP

1. Israel:

Imri Ziv: „I Feel Alive“

Die muskelbepackte Grinsebacke aus der Partyszene von Tel Aviv in selbstbewusster „Berlin 90210“-Optik war zweimal Backgroundsänger beim ESC. Jetzt steht Imri selbst im Zentrum und verzückt die Kernzielgruppe des Song Contests mit Milchbart, Muskelshirt und allerhand Signalen sexueller Enthemmungsbereitschaft. Startplatz eins ist natürlich tödlich, selbst mit solch einem gesunden Selbstbewusstsein. Der Discostamper ist ein prima Opening, dürfte aber nach etwa 90 Sekunden vergessen sein.

Prognose: Imri rechnet fest mit einem Sieg. Sonst niemand.

Kasia Mos Quelle: AP

2. Polen:

Kasia Mos: „Flashlight“

Eine klassische ESC-Blondine singt in einem durchsichtigen Rock eine dramatische Powerballade über eine verbotene Liebe. Das ist ungefähr so aufregend wie eine Dose Bohnen im Regen. Aber die richtige Stimme für eine dramatische Ballade hat sie. Ihr Vater ist klassischer Violonist, Kasia spielt hingegen Cello. Leider nicht auf der Bühne. Und jetzt alle: „Du spieltest Cello – Cello-ho, in jedem Saal in unserer Gegend...!“

Prognose: Viel Windmaschine um nichts.

Naviband Quelle: dpa

3. Weißrussland:

Naviband: „Historyja majho žyccia“ („Story of my Life“)

Premiere in Weißrussland: Während das Land am Rande Europas (und am Rande einer Diktatur) ansonsten englischsprachigen Stampfbums aus dem Drumcomputer „Lukaschenko 3000“ liefert, kommt das Folk-Duo Naviband diesmal mit einem Neo-Folk-Song in Landessprache. Ein verwirrend positives Liedlein mit der bestechenden Refrainzeile „Hey! Hey! Hay-yay-yay-a-ho!“

Prognose: Weißrussland meets Mumford & Sons feat. Of Monsters And Men? Passt nicht zusammen.

Nathan Trent Quelle: AP

4. Österreich:

Nathan Trent: „Running On Air“

„There’ll be good times, there’ll be bad times, but I don’t care“. Na, dann ist es ja nicht so schlimm, dass Nathans fröhliches Liedlein kaum weit kommen dürfte. Zu der Frage, warum der geborene Innsbrucker, der eigentlich Nathanaele Koll heißt, vor einem silbernen Mond singt, hat die internationale Forschung noch keine abschließende Antwort gefunden. Weil er auf Luft läuft („Running on Air“)? Weil er im Wolkenkuckucksheim lebt? Oder einfach wegen der Mond-zu-Mond-Propaganda?

Prognose: Lustig-popustig, aber nicht eindrucksvoll genug.

Artsvik Quelle: AP

5. Armenien:

Artsvik: „Fly With Me“

Ein seltsamer, hochmoderner Elektro-Ethno-Popsong mit einem Hauch von Madonnas „Frozen“ und einer phantastisch eingängigen Hookline. Erinnerungen an Schwedens Loreen werden wach. Das verantwortliche Komponistenduo war schon für die armenischen Platzierungen vier (2014) und sieben (2016) verantwortlich. Die 1984 geborene Artsvik Harutyunyan liefert eine erratische, betörende Show.

Prognose: Fieser Startplatz, aber die Top Ten könnten drin sein.

O’G3NE Quelle: AP

6. Niederlande:

O’G3NE: „Lights And Shadows“

Das sind doch …? Sind das nicht...? Nein, das sind nicht Wilson Phillips. Die sehen nur so aus und klingen so. Die 22-jährige Lisa und ihre anderthalb Jahre jüngeren Zwillingsschwestern Amy und Shelley aus den Niederlanden singen ein Hoffnungslied für ihre an Krebs erkrankte Mutter. Eine rührende Geschichte hinter dem Song hilft immer, aber ein Frauentrio hat beim ESC noch nie gewonnen, wunderhübscher Satzgesang hin oder her. Wilson Phillips hatten ihre großen Erfolge in den frühen Neunzigern. Das ist eine Weile her, und selbst beim ESC wird zeitgemäße Popmusik inzwischen gewürdigt.

Prognose: Sympathisch, proper und frisch wie ein Zitronengras-Duschgel unter einem tropischen Wasserfall – aber chancenlos.

SunStroke Project Quelle: AP

7. Moldawien:

SunStroke Project: „Hey, Mamma“

Durchgedrehte Clubsounds vom „Projekt Sonnenstich“. Die drei Herren wirken, als hätte das echte Rat Pack wegen eines Termins in Las Vegas drei Ersatzkerle geschickt. Saxophon? Techno? Das klingt wie aus der Zeit gefallen, und es sieht auch so aus. Aber lustig ist es allemal – für 40 Sekunden. Am Saxophon: Ross Anthony. Und den endgültigen Beweis, dass hinter der Nummer nicht Jan Böhmermann steckt, hat auch noch keiner erbracht.

Prognose: Techno-Swing aus Moldawien? Putzig und positiv, aber kein Siegertitel.

Joci Pápai Quelle: AP

8. Ungarn:

Joci Pápai: „Origo“

Ein stolzer Roma für Ungarn – das ist eine überraschende Wahl in einem Land, das seine Minderheiten zunehmend unterdrückt. Sein Titel bedeutet „Ursprung“. Nicht alle in der von Viktor Orbán regierten Heimat sind mit der Wahl einverstanden, aber Joci Pápai sagt: „Ich lese keine Internetkommentare.“ Ein Vorsatz, dem wir alle unverzüglich folgen sollten, um die Welt zu einem besseren Platz zu machen. Sein Song ist ein bunter Folklore-Zirkus-Rap-Mix inklusive Blechkannentrommelei und schmerzvoller Bauchtänzerei.

Prognose: Man empfing Joci in Kiew mit offenen Armen. Schon seine Teilnahme ist ein erfreuliches Signal.

Francesco Gabbani Quelle: imago/ZUMA Press

9. Italien:

Francesco Gabbani: „Occidentali’s Karma“

Der rotzcoole italienische Vorstadt-Casanova ist der haushohe Favorit 2017. An seiner Seite auf der Bühne: ein balzendes Gorillamännchen, dass uns daran erinnert, dass wir vom Tier abstammen und dessen Gene in uns tragen. Musikalisch ist der Song, der voller kultureller Anspielungen von Shakespeare bis zu den großen Mystikern steckt, kaum interessanter als alles, was man beim Warten auf die Pizza sonst so hört – konventioneller Italopop. Aber Gabbanis Show und seine ansteckende Chuzpe sind bestechend. Und dabei geht’s um die Vereinnahmung östlicher Religionen durch den Westen. Nicht gerade Glamourstoff.

Prognose: Gabbani landet unter den ersten Drei. Der Sieg ist drin.

Anja Nissen Quelle: dpa

10. Dänemark:

Anja Nissen: „Where I Am“

Eine klassische ESC-Blondine singt eine dramatische Powerballade über eine verbotene Liebe. Das ist ungefähr so aufregend wie eine Dose Bohnen im Regen – ach pardon, da habe ich einfach die Kurzbeschreibung des polnischen Beitrags wiederholt. Frau Nissen kam eher überraschend ins Finale. Tut nicht weh und bleibt nicht hängen.

Prognose: Kein Platz in der oberen Hälfte.

Salvador Sobral Quelle: AP

11. Portugal:

Salvador Sobral: „Amor pelos dois“

Erster Reflex: Was macht der da? Ist der echt? Und dann hört man doch hin. Und es entfaltet sich ein seltsamer, spektakulärer Kosmos eines verletzlichen Rehleins, das in seiner eigenen Welt zu leben scheint. Den zarten, intensiven Liebessong schrieb seine zwei Jahre ältere Schwester. Noch in der Generalprobe experimentierte Sobral mit Variationen und verschiedenen Klängen. Ein hoch origineller Dreiminüter eines Künstlers, der für die Bühne geboren ist. Auch wenn man nicht weiß, woran das liegt.

Prognose: Salvador Sobral kann Italien gefährlich werden.

Dihaj Quelle: dpa

12. Aserbaidschan:

Dihaj: „Skeletons“

„Skeleton“? Nein, das ist nicht der Titelsong zur nächsten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“. Und insgesamt wirkt es dann doch wie Stadttheater, was sich die sonst so stilsicheren Aserbaidschaner in diesem Jahr ausgedacht haben. Ein Pferd auf einer Leiter. Sängerin Dihaj in einem bekritzelten Kubus mit Klappwänden. Das soll wohl Kunst sein. „Skeletons“ ist ein Song für alle, die anders sind, sagt sie. Schön und gut. Aber anders sein wollen hier alle.

Prognose: Der ESC geht anders aus, als Dihaj sich das erhofft.

Jaques Houdek Quelle: AP

13. Kroatien:

Jaques Houdek: „My Friend“

Der Mann ist zwei Männer: Aus dem voluminösen Körper des kroatischen 35-Jährigen dringen im Wechsel zwei völlig verschiedene Stimmen: Oper und Falsett. Süßlicher Popgesang und epischer Bariton. Manchen erinnert der Song an den Titelsong aus Disneys „Eisprinzessin“. Optisch aber kann man kaum weiter von einer Eisprinzessin entfernt sein.

Prognose: Jaques ist sympathisch, landet aber im Niemandsland der Tabelle.

Isaiah Quelle: AP

14. Australien:

Isaiah: „Don’t Come Easy“

Australien? Schon wieder? Nach dem einmaligen Gag zum 60. Eurovisionsjubiläum darf der Kontinent inzwischen als regulärer Teilnehmer beim ESC antreten. Zu groß ist das Interesse Down Under, zu verlockend die Botschaft, die die Europäische Rundfunkunion jährlich in die Welt hinausbläst: Der ESC ist ein globales Event. Auch in den USA wird er in diesem Jahr wieder live übertragen. Von einer Teilnahme ist man dort jedoch (noch) weit entfernt. Auch wenn der Gastauftritt von Justin Timberlake im vergangenen Jahr schon mal zeigte, wo popmäßig der Hammer hängt. Australien schickt den 17-jährigen Isaiah. Er hat Aborigine-Wurzeln und singt ein sehr, sehr trauriges Lied über alle Leiden dieser Welt.

Prognose: Feine Stimme, aber zu traurig für den paneuropäischen Kindergeburtstag.

Demy Quelle: AP

15. Griechenland:

Demy: „This Is Love“

Die überaus attraktive Brünette Demy hat für Griechenland eine Schmach auszuwetzen: 2016 in Stockholm scheiterte das Land erstmals im Halbfinale. Das durfte sich nicht wiederholen. Dimitra Papadea – wie Demy tatsächlich heißt – hat ihren Auftrag erfüllt: Sie erreichte mit ihrer Partynummer das Finale. Dort geht ihre rätselhafte Performance mit zwei im Wasser patschenden Herren allerdings etwas unter. Es geht irgendwie um Liebe. Nun ja.

Prognose: ESC-Durchschnittsware, Demy hatte mit der Finalteilnahme schon Glück.

Manel Navarro Quelle: AP

16. Spanien:

Manel Navarro: „Do It For Your Lover“

Ein Surferboy mit Gitarre im Gegenlicht am Strand – das muss doch klappen, wird man sich in Spanien gedacht haben. Typen wie der blondgelockte katalanische Charmebolzen Manel mögen Touristenmädchen aus Herne faszinieren. Den Rest der Welt eher nicht so. Er gewann per Juryentscheid – sie überstimmte im spanischen Vorentscheid kurzerhand die haushohe Publikumsfavoritin. Die Zuschauer nahmen übel, Manel muss gegen diese miese Reputation ansingen. Sein Lied ist allerdings nicht geeignet, Zweifel am grundsätzlichen ESC-Engagement der Spanier auszumerzen.

Prognose: Jack-Johnson-Klänge eines überdreht selbstbewussten Beachboys – nicht originell genug.

Jowst Quelle: AP

17. Norwegen:

Jowst: „Grab The Moment“

Saucooler Typ, dieser Aleksander Walmann. Norwegens Daft-Punk-Nummer ist fröhlicher Elektropop mit Seppelhut. Und wenn mal einer beim Umzug fehlt, dann würde der Knuddelbär sicher auch zum Kistenschleppen kommen. Eigentliches Mastermind aber ist Jowst, der sich am Mischpult hinter einer Maske verbirgt. Walmann leiht ihm nur die Stimme. Verwirrend, aber wirkungsvoll. Norwegen hat sich zum Mitfavoriten auf eine gute Platzierung gemausert. Das Lied klingt allerdings wie aus einer Werbung für einen schicken Cityflitzer für Frauen.

Prognose: Norwegen kommt weit, Nervosität kennt dieser Mann nicht.

Lucie Jones Quelle: AP

18. Großbritannien:

Lucie Jones: „Never Give Up On You“

Vor der deutschen Durststrecke war Großbritannien der belächelte Dauerflop des ESC. Da passt der Titel „Never Give Up On You“ der britischen Hoffnung Lucie Jones, nicht verwandt und verschwägert mit Adele. Mancher rechnet hier damit, dass Resteuropa die Briten für den Brexit abstrafen wird. Doch auch ohne multilaterale Klassenkeile dürfte es Lucie schwer haben. Ihre – Überraschung! - Powerballade hat die dänische ESC-Siegerin Emmelie de Forest mit der britischen Band The Treatment geschrieben. Genug Britpop-Credibility eigentlich.

Prognose: Starke Stimme, konventioneller Titel. Das wird schwer.

Hovig Demirjian Quelle: dpa

19. Zypern:

Hovig Demirjian: „Gravity“

Zypern ist ein kleines Land. Statt ein eigenes Lied zu schreiben, hat man sich großzügig bei Vorhandenem bedient: bei „Human“ von Rag’N’Bone Man. Leider hat Hovig Demirjian nicht dessen Stimme. Und so arbeitet er sich tapfer durch seine Performance. Jeder Zentimeter ist durchchoreografiert. Das wirkt öde und aseptisch. Die Finalteilnahme ist schon ein großer Erfolg.

Prognose: Sieht aus wie Ricky Martin, aber es fehlt an Präsenz und Originalität

Illinca feat. Alex Floera Quelle: AP

20. Rumänien:

Illinca feat. Alex Floera: „Yodel It!“

Doch. Tatsächlich. Die jodeln. Auf der Bühne des ESC. Im Jahr 2017. Und sie kamen trotzdem ins Finale. Man muss das nicht verstehen, es ist wie beim Pokal: Der ESC hat seine eigenen Gesetze. Und eines davon lautet offenbar: Die Bereitschaft eines Künstlers, sich vollständig zum Horst zu machen, ist zu würdigen. Rap und Jodeln – das passt zusammen wie Fischstäbchen mit Nutella. Sängerin Illinca verzichtet optisch auf ein Dirndl, akustisch jedoch gehört sie auf die Alm.

Prognose: Die wollen nur spielen.

Levina Quelle: dpa

21. Deutschland:

Levina: „Perfect Life“

Der Startplatz 21 ist perfekt, die Favoriten sind im Programm weit entfernt – Levina hat deutlich bessere Startbedingungen als ihre glücklosen Vorgängerinnen Jamie-Lee und Ann Sophie. Und auch die Inszenierung in gleißendem Schwarzgrauweiß entspricht endlich mal voll und ganz dem, was sich die deutsche Delegation so vorgestellt hatte. Dass nun im Finale noch andere Künstler auf Farben verzichten, konnte ja keiner ahnen. Sie startet im Liegen mit einem spektakulären Kameraflug. Ihr Song hat in Kiew einige Fans, bei den Buchmachern steht sie im Mittelfeld. Ein letzter Platz ist unwahrscheinlich.

Prognose: Die sympathische Sängerin kann die deutsche Durststrecke beenden.

O.Torvald Quelle: dpa

22. Ukraine:

O.Torvald: „Time“

Im ukrainischen Vorentscheid ließ sich die Band noch symbolisch erschießen: Auf der Brust platzten Kunstblutpatronen. Beim ESC verzichtet man auf derlei Provokationen, auch wenn Gegner Russland nun ja gar nicht antritt. Der Titel freilich ist ziemlich altmodischer Hardrock, wie man ihn in Teilen Osteuropas weiterhin mit viel Liebe zelebriert.

Prognose: O.Torvald wird den Titel nicht verteidigen, sich aber achtbar schlagen.

Blanche Quelle: dpa

23. Belgien:

Blanche: „City Lights“

Auf der Bühne nennt sich die erst 17-Jährige Blanche, in Wahrheit heißt sie Ellie Delvaux. Lange galt sie als Mitfavoritin – allein, es mangelt ihr doch etwas an Präsenz. Überhaupt gibt es in diesem Jahr einen Trend weg von der Materialschlacht, hin zu reduzierten Inszenierungen. Der Sound: düster, elektronisch, folkig. Ein Hauch von Of Monsters and Men. Die tiefe, warme Stimme erinnert heftig an Lana Del Rey.

Prognose: Wenn sie ihre Nerven im Griff hat, kann sie die Top Ten erreichen.

Robin Bengtsson Quelle: AP

24. Schweden:

Robin Bengtsson: „I Can’t Go On“

Der diesjährige Schönling aus Schweden heißt Robin. Im Gepäck hat er ganz schlimme Musik für „Men’s Health“-Abonnenten. Umtanzt wird er von schnöseligen Luxusuhrensammlern, die alle aussehen, als ob sie im Poloshirt duschen. Schweden hat natürlich das ESC-Gen im Blut, aber wenn dieser eiskalt kalkulierte Song gewinnt, muss man am Urteilsvermögen Europas zweifeln.

Prognose: Schweden kommt in die Top Ten, darf aber bitte nicht gewinnen.

Kristian Kostov Quelle: dpa

25. Bulgarien:

Kristian Kostov: „Beautiful Mess“

Und alle so: „Aaaawwww!“ Wenn Kristian Kostov die Bühne betritt, entwickelt jedes Publikum Schutzreflexe. Dieses zarte Männlein – jüngster Teilnehmer 2017 – muss man hegen und pflegen, und es singt so traurige Dinge über alle möglichen Missgeschicke! Armes Rehlein! Man möge sich aber nicht täuschen lassen: Kristian kennt seine Wirkung und spielt damit. Hinter dem Bambigesicht steckt ein ausgebuffter Jungprofi. Sein Lied ist eine – man ahnt es bereits – Powerballade, die von Schwermut nur so trieft. Man reiche dem jungen Mann einen Luftballon und kaufe ihm ein Eis, vielleicht geht’s ihm dann besser.

Prognose: Kristian kommt überraschend weit. Mutterinstinkte sind ein starker Motivator.

Alma Quelle: AP

26. Frankreich:

Alma: „Requiem“

Da kann einem schon schwindlig werden, wenn sich die Stadt Paris samt Eiffelturm auf der ESC-Bühne um die 29-Jährige dreht. Ihr Song ist etwas unentschlossen: introvertiert und elegant in der französischsprachigen Strophe, deutlich stumpfer dann im eingängigen und plötzlich englischsprachigen Refrain. Im vergangenen Jahr wurde Frankreichs Kandidat immerhin Sechster. Denkbar, dass Alma diesen Erfolg wiederholen kann. Mit Frankreich entfernt sich nun auch der hartnäckigste Englischverweigerer schleichend von seinem Sprachdogma. Von 26 Finalteilnehmern singen in Kiew 22 zumindest zum Teil auf Englisch.

Prognose: Die Top Ten sind möglich.

Von RND/Imre Grimm

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