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Kultur „Lohengrin“ im Livestream vom Grünen Hügel
Nachrichten Kultur „Lohengrin“ im Livestream vom Grünen Hügel
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13:29 26.07.2018
Allgegenwärtig in Bayreuth: Wagner-Skulptur auf einer Sitzbank in der Bayreuther Innenstadt. Quelle: dpa
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Leipzig

Viele schienen ein wenig beruhigt, als die Bayreuther Festspiele nach der reibungslosen und überdies künstlerisch überzeugenden Ausgabe des Vorjahres vor drei Wochen endlich wieder einen Skandal hatten: Roberto Alagna schmiss die Titelpartie des „Lohengrin“ hin, mit dem am Mittwoch, 16 Uhr, das wichtigste deutschen Opern-Festival beginnt. Hier geht es zum Livestream. Bei näherem Hinsehen allerdings war dieser Skandal keiner. Weder auf Seiten Alagnas, auf den Festival-Chefin Katharina Wagner und ihr musikalischer Lordsiegelwahrer Christian Thielemann lange eingeredet hatten, um ihn überhaupt zur Annahme der Partie zu bewegen, und der sich nun allenfalls vorwerfen lassen muss, mit seiner Absage zu lange gewartet zu haben. Noch bei der Festivalleitung. Denn der Fall Alagna liegt anders als die vielen anderen, in denen Bayreuth wichtige Aufgaben an untaugliche Debütanten verteilte – des wohlfeilen Medien-Coups wegen. Denn Alagna ist ein fabelhafter Sänger im französischen und italienischen Fach. Und dass der „Lohengrin“ von allen Meisteropern Richard Wagners für ihn taugliche Farben bereithielte, das hat einst Plácido Domingo bewiesen, der den schönsten „Lohengrin“ der Tonträger-Geschichte ablieferte. Wenngleich mit phonetisch deutlich hörbarem Migrations-Hintergrund. Andererseits: Kommt er nicht aus „fernem Land, unnahbar euren Schritten“, der Schwanenritter? Vielleicht hätte es Alagna einfach mal versuchen sollen – mit einem Debüt vor Bayreuth, um dort dann zu punkten ...

Christian Thielemann dirigiert ein Orchester der Besten

Sei’s drum: Nun macht’s der polnische Kollege Piotr Beczala, 51, und ist mit seiner betörend leicht geführten, geschmeidigen, silbrig vielfarbigen Stimme allein schon ein Grund, sich zu freuen auf den Start der 107. Bayreuther Festspiele. Und dann ist da ja noch Anja Harteros, die die Elsa singt. Und dann kehrt ja auch Waltraud Meier als abgrundtief böse Ortrud auf den Grünen Hügel zurück. Und dann dirigiert Christian Thielemann im bestklingenden Orchestergraben der Welt ein Orchester der Besten. Da stellen sich bereits beim Gedanken ans entrückte Grals-A-Dur lustvoll die Haare auf – und es erscheint beinahe egal, was Yuval Sharon im Bühnenbild und den Kostümen des Leipziger Künstler-Paars Neo Rauch und Rosa Loy anstellt.

Eigentlich sind die Bayreuther Festspiele 2018 ringlos. Aber für Plácido Domingo, 77, macht Katharina Wagner gern eine Ausnahme. 1992 debütierte der als Parsifal auf dem Grünen Hügel, acht Jahre später kehrte er als Siegmund zurück. Und genau da knüpft er nun wieder an. Allerdings nicht auf der Bühne, sondern im Graben: Der ernsthafteste und vielseitigste unter den größten Tenören des 20. Jahrhunderts dirigiert drei Vorstellungen der „Walküre“ – eigentlich eine Ungeheuerlichkeit. Denn ausgerechnet den „Ring“ zu zerschlagen, mit dem 1876 in Bayreuth alles begann, das ist schon starker Tobak für Wagners Gralshüter in aller Welt. Andererseits: Noch einmal den ganzen Castorf-Ring durchstehen zu müssen, das würde vielen auch nicht gefallen. Diese Ansetzung jedenfalls passt auch nicht ins gängige Coup-Muster. Denn der Jahrhundert-Tenor und Jahrzehnt-Bariton Domingo versteht erwiesenermaßen auch am Pult sein Handwerk.

Ansonsten auf dem Spielplan: Uwe Eric Laufenbergs etwas beliebiger „Parsifal“, dessen musikalische Leitung 2016 Andris Nelsons, mittlerweile Gewandhauskapellmeister, unter bis heute nicht wirklich geklärten Umständen so kurzfristig hinwarf wie heuer Alagna den Lohengrin. Diesmal dirigiert Semyon Bychkov. Bei Katharina Wagners etwas behäbigem „Tristan“ steht wieder Thielemann höchstselbst im Graben. In Barrie Koskys etwas großartigen „Meistersingern“ laufen wie bei der Premiere im letzten Jahr die musikalischen Fäden bei Philippe Jordan zusammen. In Jan Philipp Glogers etwas freudlosem „Fliegendem Holländer“ von 2012 schließlich schaut Axel Kober musikalisch nach dem Rechten.

32 Vorstellungen bis zum 29. August

Insgesamt stehen neben den zahlreichen Nebenveranstaltungen und Katharina Wagners Kinder-„Ring“ (zehn Vorstellungen) im Kernprogramm der Festspiele bis zum 29. August 32 Vorstellungen im 1937-Plätze-Haus an. Gut 44 000 Karten haben die Festspiele verkauft, dazu gingen knapp 14 000 an die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, 1200 erhielten die Wagner-Verbände in aller Welt, weitere 1000 flossen in Jugend- und Nachwuchsförderung sowie das Stipendiaten-Programm. Und natürlich melden auch die 107. Richard-Wagner-Festspiele: ausverkauft.

Dennoch hat sich gerade bei der Karten-Vergabe einiges geändert. Durch Transparenz bei der Kontingentierung und die Möglichkeiten des Online-Verkaufs muss der geneigte Wagnerianer nicht mehr sieben Jahre warten, bis die Ticket-Nornen ihm ein (beliebiges) Seil zuwerfen. Noch in der letzten Woche waren für einzelne Vorstellungen Restkarten verfügbar. Und auch nach Beginn der Festspiele ist es, weil immer mal wieder jemand verhindert ist, keineswegs ausgeschlossen, noch an Tickets zu kommen. Allerdings hat deren Personalisierung gottlob zur weitestgehenden Austrocknung des Schwarzmarktes geführt. Statt sich also mit einem Suche-Karte-Schild vor dem Bauch vor dem Festspielhaus die Beine in den Bauch zu stehen, empfiehlt Holger von Berg, seit 2016 Geschäftsführender Direktor der Bayreuther Festspiele: „Am Aufführungstag um zehn Uhr im Kartenbüro nachfragen, ob noch etwas zurückgekommen ist. Und man kann im Internet nachschauen, im Online-Sofort-Verkauf.“ Groß seien die Chancen zwar nicht, „aber probieren kann man’s immer“.

Von Peter Korfmacher

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