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Kultur Weshalb der neue Räuber Hotzenplotz enttäuscht
Nachrichten Kultur Weshalb der neue Räuber Hotzenplotz enttäuscht
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15:37 29.05.2018
Der Räuber Hotzenplotz träumt von Klößen. Quelle: Thienemann-Verlag
Berlin

Die Geschichte klingt märchenhaft: Die Tochter des 2013 verstorbenen Kinderbuchautors Otfried Preußler findet auf dem Dachboden eine bislang unbekannte Geschichte ihres berühmten Vaters. 45 Jahre nach seiner letzten Missetat sollte der Räuber Hotzenplotz wieder auf Beutezug gehen, frohlockte der Thienemann-Verlag Anfang Mai. Nun ist „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ erschienen - und enttäuscht.

Kasperl und Seppel fangen darin den aus dem Spritzenhaus entlaufenen Räuber mit der Pfefferpistole mithilfe einer selbstgebastelten Mondrakete und einer List wieder ein. Als Rahmenhandlung serviert die Großmutter Schwammerlsuppe mit Klößen. War der bekannteste Räuber der deutschen Kinderbuchliteratur in den Vorgängerbänden durchaus eine ambivalente Figur, die das eigene Handwerk infrage stellt, erscheint Hotzenplotz in der neuen Geschichte als eindimensionaler Trottel. Auch die bekannten Wortverdrehungsspiele zwischen Kasperl und Seppel fehlen diesmal fast völlig.

Die Zeichnungen von Torsten Saleina sind das beste an diesem Buch.

„Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ ist eher ein Bilderbuch als eine literarische Geschichte: Der neue Band hat nur die Hälfte der Seiten im Vergleich zu den drei vorherigen Hotzenplotz-Büchern – und besteht zum größten Teil aus den Farbzeichnungen von Thorsten Saleina. Dieser ist mit seinen humorvollen Bildern voller Slapstickmomente immerhin ein würdiger Erbe von F. J. Tripp, der dem Räuber Hotzenplotz einst sein charakteristisches Äußeres verlieh.

Nicht einmal ganz neu ist die Geschichte: Wie erst jetzt herauskam, ist sie bereits 1969 in Form eines Kasperle-Theaterstücks in dem Band „Das große Reader’s Digest Jugendbuch 10“ erschienen – zusammen mit einer Bauanleitung für ein Puppentheater. Offenbar wusste Tochter Susanne Preußler-Bitsch nichts davon.

Wenn lange nach dem Tod eines Großen im Nachlass noch Unveröffentlichtes auftaucht, dann stellt sich oft dieses schöne Gefühl ein: Der Künstler lässt uns nicht ganz allein zurück, das Werk wird gleichsam posthum erweitert. Regelmäßig tauchen etwa vermeintliche neue Da Vincis auf – zuletzt 2017 eine Nacktversion der Mona Lisa.

Zur Person Otfried Preußler

Otfried Preußler wurde am 20. Oktober 1923 in Reichenberg in der ehemaligen Tschechoslowakei geboren. Er schöpfte in seinen Werken aus dem Geschichtenschatz seiner böhmischen Heimat. Die heimelige Atmosphäre aus tiefen Wäldern, abgenutzten Kaffeemühlen und Herdfeuern durchzieht sein Werk. Hotzenplotz ist der Name einer Stadt in Mähren, deren merkwürdiger Klang ihn als Jugendlichen faszinierte. Der erste Band über den Räuber gleichen Namens erschien 1962. Weitere bekannte Werke Preußlers sind „Die kleine Hexe“ und „Das kleine Gespenst“.

Doch auch bei lebenden Großen lässt sich dieser Prozess der angestrengten Mythenverlängerung beobachten: Wenn am Donnerstag ein neues Buch aus dem Kosmos von Harry Potter erscheint, dann dekorieren Buchhandlungen um. Dabei handelt es sich bei „Harry Potter – Eine Geschichte voller Magie“ lediglich um den Katalog zur Londoner Ausstellung in der British Library. Anhand der Schulfächer des legendären Zauberlehrlings wird hier aufgezeigt, wie sich J. K. Rowling bei der Beschreibung von Zaubertränken, bei magischen Geschöpfen oder der Verteidigung gegen die dunklen Künste bei archaischen Motiven und Stoffen bedient. Das ist alles fein aufbereitet, aber gut 20 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Potterbandes auch weithin bekannt.

Der Band zu einer Ausstellung in der British Library. Quelle: Carlsen

Es wird Zeit, neue Helden zu entdecken. Zum Beispiel die der afroamerikanischen Autorin Jacqueline Woodson, die gerade mit dem Astrid Lindgren Memorial Award ausgezeichnet worden ist, einer Art Nobelpreis der Kinderbuchliteratur. In dem Buch „Brown Girl Dreaming“ (2014) beschreibt sie das autobiografische Erlebnis, wie sie als Schülerin das erste Mal ein Kinderbuch in der Hand hielt, das von dunkelhäutigen Menschen handelte. Die Erkenntnis, dass die eigene Geschichte erzählenswert sein könnte, prägte die Autorin. Zeit, die jüngsten Bücher von Woodson ins Deutsche zu übersetzen.

Von Nina May/RND

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