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Kultur Leipziger Gewandhaus-Saison
Nachrichten Kultur Leipziger Gewandhaus-Saison
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14:45 20.03.2018
Jahrespressekonferenz vom Gewandhaus mit Andris Nelsons (l) und Andreas Schulz. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

„Die kommende Saison wird sicher nicht so spektakulär wie die laufende“, sagt bestens gelaunt Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke zur Eröffnung der Spielzeit-Pressekonferenz im Gewandhaus. Und Hausherr Andreas Schulz pflichtet ihr lächelnd bei: Man feiere ja nicht jedes Jahr 275. Geburtstag und die Inthronisation eines neuen Gewandhauskapellmeisters. „Aber“, beeilt er sich zu ergänzen, „die 238. Gewandhaus-Saison wird natürlich auch hochspannend“.

Vielleicht wird sie sogar spannender als die zugegebenermaßen glänzende 237. – denn 2018/19 muss Andris Nelsons, seit Ende Februar 21. Gewandhauskapellmeister, zeigen, wohin seine Leipziger Reise geht. Im Alltag sozusagen, unabhängig von Sonder-Effekten und -Mitteln aus einem Jubiläumstopf und ohne die Euphorie des Anfangs. Dass die allerdings bei ihm noch fortwirkt, daran lässt der 39-jährige Lette keinen Zweifel: „Ich bin glücklich“, sagt er auf Deutsch, „dass das Publikum meinen Start so interessiert und mit so viel Offenheit begleitet hat – für dieses Vertrauen möchte ich danken“. Er hoffe, dass dieses Interesse in der Zukunft erhalten bleibe – ebenso wie die tiefen Emotionen dieses gemeinsamen Beginns. „Denn ich bin überzeugt, dass bei den meisten Menschen Emotionen den größten Teil des Hörens ausmachen.“

Eine Orchester-Uraufführung

Das gilt natürlich auch und vor allem beim Hören Neuer Musik. Und da schaltet das Gewandhaus einen Gang zurück: Nachdem Nelsons mit seinem Orchester allein im ersten Amtsmonat vier große Orchester-Uraufführungen dirigiert hat, ist es in der nächsten Saison nur noch eine: Am 4. und 5. Oktober hebt er „Mära“ für Orchester seines lettischen Kommilitonen Andris Dzenitis aus der Taufe. Den Auftrag dazu haben ihm das Gewandhausorchester und Nelsons’ Boston Symphony Orchestra gemeinsam erteilt. Dazu gibt es Erstaufführungen von Werken Sean Shepherds, Thomas Adés, Rolf Martinsson’ und Sebastian Curriers, die gerade in Boston uraufgeführt wurden.

Überhaupt macht das Gewandhaus tatsächlich Ernst in Sachen (gemäßigter) Moderne. Denn in der kommenden Saison gibt es unter dem Titel „Horizont 21“ eine eigene Abonnement-Reihe, zehn Konzerte mit Werken des 21. und 20. Jahrhunderts – darunter viel Vertrautes und Hits von Mahler, Sibelius, Ravel, Rachmaninoff, Bernstein, Schostakowitsch, Strawinsky sowie das populäre Repertoire des Boston Pops Orchestra. Drei dieser Großen Concerte kann der Horizont-21-Abonnent auswählen, erhält dann die Karten mit 50 Prozent Ermäßigung, Programmheft-Gutscheine und einen für Steffen Schleiermachers Musica nova.

Romantisches Kren-Repertoire

Selbstredend hält Nelsons auch das Kernrepertoire seines Leipziger Orchesters fest im Blick. Mit der Fünften, der Sechsten und der Neunten führt er den bei der Deutschen Grammophon auch auf CD erscheinenden Bruckner-Zyklus weiter und setzt einen Programmschwerpunkt auf Mendelssohn und Schumann. Die beiden, sagt er, „sind tief in der DNA des Orchesters verankert, und jeder Dirigent muss sich glücklich schätzen, dieses Repertoire mit diesem Klangkörper musizieren zu dürfen.“

Um einen weiteren Schwerpunkt, der überdies in die Kammermusik-Reihe des Hauses verlängert wird, kümmert sich Alan Gilbert: „Böhmen“ heißt er kurz und bündig und beinhaltet neben Werken von Dvorák, Janácek, Martinu und anderen die erste komplette Aufführung von Smetanas Zyklus „Ma Vlast“ (der mit der Moldau) seit sehr langer Zeit im Gewandhaus. Der dritte Fokus der Saison schließlich ist auf Leonard Bernstein gerichtet, dessen 100. Geburtstag am 25. August ansteht. Sechs Werke aus seiner Feder stehen in den Großen Concerten auf dem Programm, mehr als von jedem anderen Komponisten. Bernstein spielt auch eine Hauptrolle im Rahmen der Leipziger Boston-Woche, mit der die beiden Orchester Andris Nelsons’ ihre enge Zusammenarbeit dokumentieren. Sie steht gleich am Beginn der Saison und bringt das zweite Gastspiel der Neu-Engländer. Auf den Pulten liegt dann Mahlers Dritte, es dirigiert – natürlich – Nelsons selbst. Überdies kommt das Orchestre National aus Leipzigs Partnerstadt Lyon unter der Leitung Leonard Slatkins zu Besuch sowie das Bundesjugendorchester unter Ingo Metzmacher.

Große Namen

Bei den Solisten stechen der Cellist Yo-Yo Ma heraus, der Mit Nelsons Schostakowitschs erstes Cellokonzert spielt und ganz allein in der Nikolaikirche die Cello-Suiten Johann Sebastian Bachs, und Grigory Sokolov sowie Krystian Zimerman im Klavierzyklus. Letzterer, einer der größte Pianisten unserer Zeit, hat sich sein spätes Gewandhaus-Debüt am 13. Mai 2019 offenkundig so lange überlegt, dass es nicht mehr ins dickleibige und erstmals in ein Hardcover eingeschlagene Spielzeitheft gefunden hat.

Doch ist das Gewandhausorchester 2018/19 nicht nur Gastgeber, sondern auch Gast. Auf Tournee in den Musikzentren Europas und Südostasiens, aber auch in Leipzig. Weil nämlich am Ende der Saison endlich die längst überfällige Sanierung der Bühne ansteht, erhält das älteste bürgerliche Orchester der Welt für vom Ehrendirigenten Herbert Blomstedt dirigierte Konzerte im Rahmen des Bachfestes Asyl im alten Interim: In der Kongreßhalle am Zoo, wo nach dem Zweiten Weltkrieg und vor der Eröffnung des dritten Gewandhauses am Augustusplatz die weitaus meisten Konzerte stattfanden.

Insgesamt bietet das Gewandhaus in seiner 238. Spielzeit 223 Veranstaltungen. 75 davon sind Große Concerte, 30 von ihnen dirigiert Andris Nelsons, dazu noch einmal 30 auf Tournee – eines auch in Riga. „Das macht mich sehr stolz, dass ich mit meinem Gewandhausorchester in meiner Heimatstadt musizieren kann, in der Oper, in der ich früher einmal Trompete gespielt habe und dann irgendwie Chefdirigent geworden bin.“

Dieses „irgendwie“ hängt neben seinem Können gewiss mit seiner Persönlichkeit zusammen. So kommt er vom Hölzchen aufs Stöckchen, redet sich liebevoll in Rage, wenn es um Musik geht, steigt aber sofort aufs Bremspedal, wenn ihn Andreas Schulz als „wichtigste Person im Haus“ aufs Podium bittet: „Ich bin absolut nicht die wichtigste Person. Wir sind ein Team. Mir ist wichtig, dass Du das weißt.“

www.gewandhausorchester.de

Saison 2018/19

Dirigenten

Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons (31. August., 27./28./30. September, 4./5. Oktober, 6./7./9./20./21./22./29./30./31. Dezember 2018, 10./11./13./17./18. Januar, 9./10./12./16./17./18. Mai, 28./29. Juni 2019)

Ehrendirigent Herbert Blomstedt (13./14. September 2018, 28./29. März, 15./16. Juni 2019)

Thomas Adés (25./26. April 2019)

Marin Alsop (29./30. November, 1. Dezember 2018)

Semyon Bychkov (6./7. September 2018)

Daniele Gatti (21./22. Februar 2019)

Alan Gilbert (15./16./17./22./23. November 2018)

Jakub Hrusa (21./22. März 2019)

Neeme Järvi (8./9. November 2018)

Paavo Järvi (14./15. März 2019)

Richard Kaufmann (1.9. 2018)

Louis Langrée (7./8./10. März 2019)

Michael Sanderling (7./8. Februar 2019)

Gotthold Schwarz (14./15./16. Dezember 2018, 18./19. April 2019)

Krzysztof Urbanski (14./15. Februar 2019)

Omer Meir Wellber (20./21. September 2018)

Jaap van Zweden (25./26. Oktober 2018)

Solisten (Auswahl)

Piotr Anderszewski, Klavier (14./15. März 2019)

Wilde Frang, Violine (15./16. Juni 2019)

Kirill Gerstein, Klavier (26./26. April 2019)

Matthias Goerne, Bariton (8./9. November 2018)

Hélène Grimaud, Klavier (17./18. Januar 2019)

Hakan Hardenberger, Trompete (27./28.30. September 2018)

Thomas Hampson, Bariton (28./29. Juni 2019)

Martin Helmchen, Klavier (7./8. Februar 2019)

Janine Jansen, Violine (6./7. September 2018)

Igor Levit, Klavier (28./29. März 2019)

Yo-Yo Ma, Cello (31. August 2018)

Dorothee Mields, Sopran (14./15./16. Dezember 2018)

Truls Mørk, Cello (15./16./17. November)

Kristine Opolais, Sopran (4./5. Oktober 2018, 28./29. Juni 2019)

Luca Pisaroni, Bariton (29./30./31. Dezember 2018)

Baiba Skride, Violine (16./17./18. Mai 2019)

Violeta Urmana, Mezzosopran (29./30./31. Dezember 2018)

Klaus Florian Vogt, Tenor (29./30./31. Dezember 2018)

Orchester-Gastspiele

Boston Symphony Orchestra, Andris Nelsons; Gustav Mahler: 3. Sinfonie (8. September)

Orchestre National de Lyon, Leonard Slatkin, Khatia Buniatishvili, Klavier; Werke von Samuel Barber, Sergej Rachmaninoff, Maurice Ravel, Claude Debussy (6. November)

Bundesjugendorchester, Ingo Metzmacher; Werke von Edgard Varèse und Richard Strauss (27. April)

Klavier-Zyklus

Grigory Sokolov (4. November 2018), Yefim Bronfman (3. März 2019), Katia und Marielle Labèque (12. April 2019), Radu Lupu (28. April 2019), Krystian Zimmermann (13. Mai 2019)

Komponisten

Thomas Adés (1 Werk), Johann Sebastian Bach (4), Béla Bartók (3), Ludwig van Beethoven (4), Hector Berlioz (1), Leonard Bernstein (6), F
ranz Berwald (1), Johannes Brahms (2), Benjamin Britten (1), Anton Bruckner (3), Aaron Copland (1), Sebastian Currier (1), Antonín Dvorák (4), Paul Dukas (1), Andris Dzenitis (1, Uraufführung), César Franck (1), Detlev Glanert (1), Joseph Haydn (1), Leos Janácek (1), Joseph Jongen (1), Franz Liszt (4), Gustav Mahler (2), Rolf Martinsson (1), Felix Mendelssohn Bartholdy (5), Wolfgang Amadeus Mozart (2), Modest Mussorgsky (1), Sergej Prokofjew (2), Sergej Rachmaninoff (1), Maurice Ravel (2), Arnold Schönberg (1), Dmitri Schostakowitsch (5), Robert Schumann (3), Sean Shepherd (1), Jean Sibelius (1), Bedrich Smetana (1), Wilhelm Stenhammar (1), Igor Strawinsky (1), Peter Tschaikowski (4), Richard Wagner (2), Bernd Alois Zimmermann (1)

Von Peter Korfmacher

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