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Kultur Unveröffentlichtes Material von Heinz Erhardt: Die ernste Seite des Komikers
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10:06 23.10.2018
„Er war immer ein totaler Workaholic“: Heinz Ehrhardts Enkeltochter hat unveröffentlichte Musik aufnehmen und Texte neu einsprechen lassen. Quelle: Imago

Frau Tyszkiewicz, Sie haben bislang unbekannte Kompositionen Ihres Großvaters Heinz Erhardt gefunden. Was machen diese Stücke aus?

Die Noten lagen sehr lange im Heinz-Erhardt-Archiv. Ich wusste zwar bereits von ihrer Existenz. Aber bis ich die Muße hatte, mich darum zu kümmern, hat es eine Weile gedauert. Als ich die Noten dann in die Hand nahm, war ich wie vom Blitz getroffen.

Warum das?

Mir war nicht klar, dass es noch so viele unentdeckte Kompositionen von Heinz Erhardt gibt. Dann habe ich mir die Noten vorgenommen und mit offenem Mund gesehen, was für eine Bandbreite diese Stücke haben: vom Chanson über Kunstlieder, Tangolieder, eine Verwandlungsmusik bis hin zu Klavieretüden.

Mit Heinz Erhardt verbindet man eher Gedichte, Filme und Lieder mit Songtexten. Die sechs neuen Werke, die Sie nun veröffentlichen, sind allesamt Instru­mentalstücke. Ist hier eine unbekannte Seite Heinz Erhardts zu entdecken?

Mein Großvater hat einmal in einem Interview betont, dass er mehrere Berufe hat: Schauspieler, Kabarettist, Dichter, Schriftsteller, Komponist und Pianist. Es ist daher nicht ungewöhnlich, dass es Instrumentalstücke von ihm gibt. Die jetzt veröffentlichten Kompositionen sind aus den Zwanziger- und Dreißigerjahren. Die Stücke sind also vor seiner Bühnen- und Filmkarriere entstanden.

Es waren also Kompositionen für den Hausgebrauch?

Nein, das nicht. Er wollte ja ursprünglich Konzertpianist werden, arbeitete zu der Zeit aber im Musikalienhandel seines Vaters. Doch anstatt Klaviere zu verkaufen, hat er Klavier gespielt. Und offenbar auch diese ganzen Stücke komponiert. Dies sind ja nicht die einzigen unveröffentlichten Werke im Archiv: Da liegen immer noch 40, 50 Kompositionen. Es wäre schön – und das versuche ich auch –, ein Werkverzeichnis erstellen zu lassen. Ich glaube, ein solches Verzeichnis mit Heinz Erhardts gesamten Werken würde Sinn machen.

Sie kümmern sich um den Nachlass Ihres Großvaters, produzieren nicht zum ersten Mal Stücke von ihm. Ist es ein Problem, immer nur die Enkeltochter von Heinz Erhardt zu sein?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin so stolz und dankbar, diesen Großvater zu haben.

Welche Erinnerungen verbinden Sie denn mit Heinz Erhardt?

Ich habe zauberhafte Erinnerungen an meinen Großvater. Ich bin ja die Einzige, die ihn noch als Jugendliche, fast Erwachsene erlebt hat – als er starb, war ich 18 Jahre alt. Meine Cousins und Cousinen wie etwa Marek Erhardt sind alle viel jünger. Wenn mein Großvater zu Hause war – was allerdings nicht so oft vorkam –, war er sehr liebevoll und lustig. Er hat Späße mit uns Kindern gemacht, so wie Großväter halt sind. Ich erinnere mich daran, dass wir immer wahnsinnig gelacht haben, wenn er lachte. Das waren ganz besondere Momente: Wenn er gelacht hat, hatte man das Gefühl, alle Türen fliegen auf.

„Ich bin so stolz und dankbar, diesen Großvater zu haben“: Nicola Tyszkiewicz, Enkeltochter von Heinz Erhardt. Quelle: Steven Haberland

Wie war er denn zu Hause? Hat er da ständig Witze gerissen?

Nein, ganz und gar nicht. Er war immer ein totaler Workaholic. Selbst wenn er gegessen hat, hat er noch im Kopf gedichtet. Wortwitze beim Essen oder Ähnliches hat er nicht gemacht. Er hat auch nicht ständig seine neuesten Ideen präsentiert. Wenn wir gelacht haben, dann über Situationskomik, oder er hat Lustiges von seinen Tourneen erzählt. Ansonsten war er sehr ernst, er hat in keiner Weise Dauerblödsinn gemacht.

Es gibt ja Humoristen, die auch andauernd so witzig und zappelig sind wie auf der Bühne …

… wie Otto, meinen Sie?

Das kann ich nicht beurteilen, ich kenne Otto Waalkes privat nicht. Ich weiß nicht, ob er da auch dauernd blödelt.

Ich mag Otto sehr gern und wir kennen uns. Aber wenn man sich ganz normal mit ihm unterhält, kommt alle anderthalb Minuten einer seiner typischen Kiekser oder ein anderes seiner Markenzeichen. Da war mein Großvater das absolute Gegenteil. Mit ihm hat man ganz normal gesprochen.

Bedeutet das, dass der Heinz Erhardt, den man von der Bühne und aus dem Fernsehen kennt, eine Kunstfigur war?

Die Kunstfigur, die man heute noch kennt und liebt, ist durch einen Zufall entstanden: Am Anfang seiner Karriere wollte niemand über ihn lachen, was ihn sehr unglücklich werden ließ. Er versuchte es mit Chansons, er versuchte es, im Frack auf die Bühne zu gehen, er versuchte es, allen Charme in seine Auftritte zu legen. Es half alles nichts. In einer Selbstbeschreibung von 1947, die auf der CD von Wotan Wilke Möhring gelesen wird, sagt er: „Da wurde ich gleichgültig und ging mit einem gleichgültigen Gesicht auf die Bühne. Und das schlug ein.“

So entstand also der typische Heinz-Erhardt-Ausdruck?

Ja. Er hatte begriffen, dass die Leute das witzig finden, und er konnte das bedienen. Aber hinter der Kunstfigur steckte ein sehr nachdenklicher und hoch konzentrierter Mensch, der auch Zweifel hatte. Das kann man seinen Werken entnehmen, dass er mit Menschen auch manchmal im Unreinen war, wie sie sich benehmen, und dass er mit der Welt, mit gewissen Situationen haderte.

Aber sein Hadern wurde nie böse.

Nein, er war ja keiner, der anprangerte. Er hat seine Ansichten – mal in einem Gedicht, mal in einem Lied – der Welt präsentiert. Aber er wollte nie jemanden verletzen.

Heinz Erhardt (Paul Perlacher) im Spielfilm „Der Haustyrann“. Quelle: Imago

Von der Made zum Manzanares – Erhardt zum Hören

„Hinter eines Baumes Rinde saß die Made mit dem Kinde.“ Noch heute kennen viele Kinder und noch viel mehr Erwachsene Heinz Erhardts Gedichtklassiker. Seine Lyrik, seine Texte, seine Filme haben die Menschen in der jungen Bundesrepublik unterhalten. Es waren Werke voller Sprachspiele, voller abgründiger Komik und irrwitziger Einfälle. Heute gilt Heinz Erhardt neben Loriot als beliebtester deutscher Humorist.

Seine Enkeltochter Nicola Tyszkiewicz hat nun unveröffentlichte Kompositionen Erhardts von der NDR-Bigband vertonen lassen. Auf der CD „Heinz Erhardt. Seine Musik“ (Argon, 14,95 Euro) mischen sich diese Stücke mit Namen wie „Am Manzanares“ oder „A Little Star“ mit bekannten Liedern wie „Agamemnon“ und „Ich hab vergessen, dich zu vergessen“. Interpretiert werden diese Klassiker von Künstlern wie Stefan Gwildis, Max Hopp und Axel Prahl, der eine erstklassige Dicke-Hose-Version von „Herr Ober“ singspricht.

Auf der zweiten Neuerscheinung mit Texten Heinz Erhardts mischt sich ebenfalls Neues mit Klassikern. Neu sind auf „Seien Sie mal immer komisch“ (Argon, 14,95 Euro) etwa eine kleine Beschwerde Heinz Erhardts an den „Spiegel“ oder eine Reminiszenz an eine Schauspielkollegin.

Neben Originalaufnahmen Heinz Erhardts haben Künstler wie Ingrid van Bergen, Gustav Peter Wöhler, Tom Gaebel sowie wieder Stefan Gwildis, Max Hopp und Axel Prahl Erhardt-Klassiker in neuen Interpretationen eingesprochen. Das NDR-Fernsehen zeigt auf N 3 am 15. Dezember um 20.15 Uhr eine Doku der gut gelaunten CD-Aufnahmen.

Neben Originalaufnahmen Heinz Erhardts haben Künstler wie Ingrid van Bergen, Gustav Peter Wöhler, Tom Gaebel sowie wieder Stefan Gwildis, Max Hopp und Axel Prahl Erhardt-Klassiker in neuen Interpretationen eingesprochen. Quelle: Verlag

Von Kristian Teetz/RND

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