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Ehemalige Munitionsfabrik

„Das letzte Kleinod“ zeigt Theaterstück am Gleis

Gelände ist das Thema des Stückes: Die Gruppe „Das letzte Kleinod“ zeigt auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik zwischen Bremen und Bremerhaven noch bis zum 12. September das dokumentarische Theaterstück „Muna Lübberstedt“.
Spiel am Gleis: „Das Letzte Kleinod“.

Spiel am Gleis: „Das Letzte Kleinod“.

© dpa

Der Hauptdarsteller ist knapp vier Meter hoch, stinkt, wenn man neben ihm steht, nach Diesel und macht durch gelegentliches Tröten auf sich aufmerksam. Der 1926 in Dienst gestellte WUMAG-Triebwagen „Nürnberg 761“ ist das wichtigste Betriebsmittel des dokumentarischen Theaterstücks „Muna Lübberstedt“, das die Gruppe „Das letzte Kleinod“ auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik zwischen Bremen und Bremerhaven zeigt. Mit dem Triebwagen werden die Besucher zu sieben verschiedenen Spielorten chauffiert.

Das Gelände ist das Thema des Stückes. Die Kleinodleute beschäftigen sich mit der „Muna“, in der von 1941 an Munition hergestellt und gelagert wurde, erst von der Wehrmacht, dann von der Bundeswehr. Jahrelang war das hier militärisches Sperrgebiet. Den Theaterleuten ist es gelungen, das Gelände zum ersten Mal für die Öffentlichkeit zu öffnen. Solche Öffnungen gehören zum künstlerischen Prinzip der Gruppe, die vom Regisseur Jens-Erwin Siemssen 1991 gegründet wurde. Das Kleinod hat auch schon auf einer Insel in der Wesermündung, in einem Seemannsheim in Bremerhaven oder im Wattenmeer gespielt.

Immer erzählt die Gruppe die Geschichte des Ortes. Auch der Text für das „Muna“-Projekt entstand aus Gesprächen mit Zeitzeugen. Anwohner wurden befragt, man reiste auch nach Israel, um eine der Frauen zu treffen, die damals als Zwangsarbeiterinnen in der Munitionsfabrik gearbeitet haben. Die Texte sind sachlich, knapp, einmal, wie nebenbei, fällt auch das Wort: Auschwitz.

Die Schauspieler spielen zwar in historischen Kostümen, schaffen es aber durchaus, etwas anderes zu tun, als Vergangenheit einfach nur nachzustellen. Manchmal kommt es zu kleinen Choreografien: Eine Darstellerin knotet Munitionskisten mit den Trageschlaufen so aneinander, dass eine Eisenbahn entsteht – ein Zug ins Lager. Einmal rennt eine Darstellerin durch eine Halle und zieht einen Fallschirm hinter sich, der sich aufzublähen beginnt: Poetische Bilder, die vergessen lassen, dass diese großartige Theaterleistung zu nicht geringen Teilen eine logistische war.

Noch bis zum 12. September. Karten: (0 47 49) 10 25 65.

[Ronald Meyer-Arlt]

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