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00:00 24.05.2017
Lange Haare, scharfer Säbel, kesse Lippe: Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) und die Sternenkundlerin Carina Smyth (Kaya Scodelario). Quelle: Unit
Hannover

Das waren noch Zeiten, als Charles Laughton „Unter schwarzer Flagge“ (1945) durch die Weltmeere segelte oder Burt Lancaster mit blanker Brust in „Der rote Korsar“ (1952) über Deck turnte. Eine steife Brise von Freiheit, Fernweh und Verwegenheit durchwehte das Genre des Piratenfilmes, das in den 40er und 50er-Jahren seine größten Erfolge feierte.

Sieg des Spektakels über sinnstiftende Handlungsführung

Heute nun denken bei dem Wort „Piratenfilm“ alle nur noch an Johnny Depp. Sein Captain Jack Sparrow (Spatzenhans) hat mit „Pirates of the Caribbean“ das Genre zu Beginn des neuen Jahrtausends gekapert und ins Multiplex-Entertainment-Format gebracht. Produzent Jerry Bruckheimer rührte mit Digitaleffekten eine gute Portion Action und Horror in die verstaubte Rezeptur. Die Rechnung ging auf: Mehr als 3,7 Milliarden Dollar haben die vier Filme in den letzten 14 Jahren in die Schatzkammern des Studios gespült. „Pirates of the Caribbean“ blieb bisher auch einer der wenigen Blockbuster, der aus einem Themenpark heraus entwickelt wurden. Diese Herkunft hat man den Filmen immer angesehen, denn hier wurde stets der Sieg des Spektakels über irgendeine halbwegs sinnstiftende Handlungsführung gefeiert.

Das ist natürlich auch in Folge 5 nicht anders, wo man das Publikum mit den gleichen Zutaten bei der Stange hält. Immerhin sind drei personelle Neuzugänge zu verzeichnen. Neben dem obligatorischen Johnny Depp, dessen Sparrow in gewohnt halbtrunkener Manier vor sich hin schwadronierend von einem Schlamassel in den nächsten gerät, drängt sich ein junges Paar in kämpferischer wie romantischer Mission in den Vordergrund. Brenton Thwaites („Gods of Egypt“) spielt den abenteuerlustigen Henry, dessen Vater Will Turner (Orlando Blum) seit Folge 3 zur Geisterexistenz auf dem Meeresgrund verdammt ist. Der tapfere Sohnemann setzt alles daran, den Fluch aufzuheben und ist dabei auf die Hilfe der versierten Sternenkundlerin Carina (Kaya Scodelario) angewiesen, die ebenfalls mit traumatischen Vatererfahrungen zu kämpfen hat. Der entschwunden Daddy hat ihr ein Buch hinterlassen, in dem auf komplex verschlüsselte Weise der Weg zum Dreizack des Poseidon beschrieben ist, welcher alle Flüche des Meeres aufheben könnte.

Javier Bardem als zombiesker Geisterkäpt’n

Dritter Newcomer ist der geschätzte Javier Bardem („No Country for Old Men“), der hier jedoch nur unvollständig körperlich anwesend ist. So einiges an ihm und seiner Geisterschiffmannschaft ist nämlich schon verwest. Ganze Körperteile, Bauchhöhlen oder Gesichtspartien wurden hier digital ausradiert – eine nette, schillernde, zombieeske Pixelspielerei. Dieser Kapitän Salazar – Kosename: Schlächter der Meere – ist ein frenetischer Piratenjäger und hat mit Sparrow noch eine Rechnung offen. Somit sind die Zutaten beisammen: Ein furchterregender Bösewicht, ein romantisches Paar und der Dreizack als Objekt der Begierde.

Innovationsfrei durch alle Redundanzen

Und schon ist alles so wie immer: Hektische Fluchtsequenzen, wenig überzeugende Säbelgefechte, jede Menge Kerle mit unreiner Haut, harmlose FSK-12-Liebeleien, dekorativ abgetakelte Mehrmaster, grauslig mordende Geisterkiller und dazwischen tanzt Johnny Depp mit Kajal um die Augen und einer Falsche Rum in der Hand. Die aus Norwegen eingekauften Regisseure Joachim Rønning und Espen Sandberg („Kon-Tiki“) geben dem Weltmarktpublikum genau das, wofür es bezahlt hat, und segeln das Franchise innovationsfrei durch alle Redundanzen hindurch.

Von Martin Schwickert / RND

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