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20:12 13.03.2018
Jimi Hendrix, undatiertes Porträtfoto. Quelle: Foto: dpa
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Berlin

Ehret die Toten. Damit war es in der Popmusik lange Zeit nicht allzu weit her. Der Zweck postumer Plattenveröffentlichungen ist es zuvörderst, Geld zu generieren. Das war schon bei Buddy Holly so. Nachdem der Sänger von „Peggy Sue“ und „Oh Boy!“ 1959 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, begann das Label Coral, unveröffentlichte Aufnahmen des wohl vielseitigsten Songwriters der klassischen Rock-’n’-Roll-Ära auf den Markt zu werfen. Das letzte der Totenalben, „Giant“, hatte 1969 nur noch den kümmerlichen Sound eines Bootlegs. Die Fans sprachen zwar zornig von Grabräubern kauften aber trotzdem. Der Vollständigkeit halber. Fanliebe macht das Portemonnaie locker.

Das wissen die Labels. Stirbt jemand, steigt umgehend die Nachfrage nach seiner Musik. Auch Leute, die schon lange keine Platten mehr kauften, besorgen sich dann gern noch letzte Erinnerungen: Compilations, Raritys, Livekonzerte – und Unveröffentlichtes. Ebenso wird an Jubiläen verfahren. So werden zu runden und halbrunden Todes- und Geburtstagen die Archive neu gemolken. Irgendwo findet sich immer noch eine mottenzerfressene Konzertaufnahme, die man mit modernster Studiotechnik goutierbar macht. Und wenn nicht, wird eben ein eher unscheinbarer Elvis-Song wie „A Little less Conversation“ im Studio zum zeitgemäßen Tanztrack aufgemöbelt. Ähnliche Platten wie von Holly gibt es von jedem Künstler, der schon im Himmel musiziert, von John Lennon bis Jeff Buckley, von Janis Joplin bis Amy Winehouse. Und nun – nicht zum ersten Mal – von Jimi Hendrix, der vor Kurzem 75 geworden wäre.

Das letzte Album einer Trilogie

„Both Sides of the Sky“ ist das letzte Album einer Trilogie mit nie gehörten Songs des Meistergitarristen aus Seattle. Zuvor wurde 2010 „Valleys of Neptune“ (zwölf unbekannte Aufnahmen) veröffentlicht, 2013 folgte „People, Hell and Angels“ (noch mal ein Dutzend). Drei Platten hatte Hendrix zu Lebzeiten nur eingespielt, im Herbst 1968 war mit „Electric Ladyland“ die letzte erschienen. In den beinahe zwei Jahren bis zu seinem frühen Tod hatte Hendrix jedoch emsig weiter Songs geschrieben. Lieder, die es in seine Konzerte schafften und die nach seinem Tod 1970 sukzessive auf vielen Livealben veröffentlicht wurden. Oder aber in den Archiven blieben. Zehn der 13 Aufnahmen auf „Both Sides“ sind neu fürs Ohr des Hendrix-Maniacs.

Die Soundarbeit des alten Hendrix-Tontechnikers Eddie Kramer (75) ist liebevoll, die Zeiten der Zumutungen wie bei „Giant“ ist vorbei. Bei den ersten Aufnahmen spielt Hendrix’ spätere Combo, die Band of Gypsys – Billy Cox am Bass und Buddy Miles am Schlagzeug. Mit Muddy Waters’ „Mannish Boy“ beginnt ein vitaler Exkurs in funkinfiziertem Rock. Stephen Stills singt und lässt die Keyboards bei „$20 Fine“ von der Leine, Johnny Winter übt sich mit Hendrix bei „Things I Used to Do“ im Blues, und der „Georgia Blues“ groovt satte acht Minuten. „Stepping Stone“ hat in der hier aufgeführten Variante Countryflair, im schnellen „Lover Man“ flicht Hendrix ganz lässig die Titelmelodie der alten „Batman“-Fernsehserie ein.

Bei der hier aufgenommenen Version von „Hear My Train a Comin’“ spielt noch die alte Band, die Jimi Hendrix Experience mit Mitch Mitchell am Schlagzeug und einem offensiven Noel Redding am Bass. Es ist die letzte Session dieser Formation, das letzte wilde Trotzen Reddings, der wusste, dass Hendrix Neues vorhatte und er darin keine Rolle mehr spielen würde. Ein furioses psychedelisches Feuerwerk, über das „Cherokee Mist“ am Ende des Albums noch hinausgeht. Der Abschlusssong ist ein irres Biest von Instrumental – sieben Minuten Schau’n-wir-mal-was-rauskommt-Jammen mit Jimi an Gitarre und Sitar. Wie die Sechzigerjahre halt so waren: Hinter jedem Horizont ging’s weiter.

„Woodstock“ ist dann der Klassiker, der Joni-Mitchell-Song, den die jüngst wiedererwachten Matthews’ Southern Comfort ebenso im Repertoire hatten wie Crosby, Stills, Nash and Young. In seinem Tourtagebuch nannte Hendrix Mitchell, die er in Ottawa getroffen hatte, ein „fantastisches Mädchen mit Himmelsworten“. Diese Worte singt hier Stills und Hendrix tritt zur Seite, lässt dem Kollegen den Vortritt und spielt Bass.

Laut Kramer sind die Archive jetzt erschöpft. Halt! Liveaufnahmen gäbe es schon noch. Gut zu wissen, 2020 naht der 50. Todestag, 2023 der 80. Geburtstag. Ehret die Toten!

Jimi Hendrix: „Both Sides of the Sky“ (Columbia)

Von Matthias Halbig

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