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Kultur „The Devil Makes Three“ mit viertem Mann
Nachrichten Kultur „The Devil Makes Three“ mit viertem Mann
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12:41 23.08.2018
Gekräftigt im Sound: Cooper McBean (v. l.), Lucia Turino und Peter Bernhard sind The Devil Makes Three. Quelle: Jay Westcott
Hannover

Des Teufels Zahl ist die 3. Weil die 2 berechenbar ist, die 4 dem Dritten eine Alternative bietet. Sind aber drei Herzen in der Happy-End-Maschine, bekommt der Teufel ein schönes, böses (Liebes-)Spiel geboten, eins mit Leidenschaft, Leiden und Schmerzen, an dessen Ende (mindestens) eine 1 übrig bleibt–die laut Randy Newman „einsamste aller Zahlen“.

Aus Folk und Bluegrass wurde Rock’n’Roll

The Devil Makes Three (Der Teufel macht Drei) ist ein Americana-Trio aus dem kalifornischen Santa Cruz. Drei Musiker, die seit ihrer Gründung im Jahr 2002 glücklich zusammen musizieren und jetzt personell aufgestockt haben. Für ihr sechstes Album „Chains Are Broken“ haben sich Gitarrist Pete Bernhard, Kontrabassistin Lucia Turino und Gitarrist und Banjospieler Cooper McBean ihren Tourschlagzeuger Stefan Amidon ins Studio geholt hat. 4 also ab jetzt, das könnte dem Teufel sauer aufstoßen.

Mit der deutlich stärkeren Akzentuierung des Rhythmus hat sich in Rock’n’Roll verwandelt, was seit den Anfängen mit dem Klassiker „Old Number Seven“ Countryfolk, Countryblues und Bluegrass gewesen war. Noch das formidable Album „I’m a Stranger Here“ bot 2013 einen rumpelig-schönen Hinterwaldswing, der einen Bob Dylan hätte jubilieren lassen und schloß mit „Goodbye, my Friend“, das an die einlullende Sanftmut des Fünfzigerjahreduos Everly Brothers gemahnte.

Ohne steten Wumms auf Felle und Becken hatte der Teufelsdreier allerdings begrenzte Breitenwirkung – ein Szeneding für Fans akustischer Americana.

Der neue „Deviul“-Sound erinnert an Creedence Clearwater Revival

Während jetzt neue Fankohorten aus dem Mainstreamlager Zugang finden dürften. Die elf Songs des aktuellen Werks klingen - abgesehen davon, dass Bernhard Stimme natürlich deutlich weniger heiser ist als die John Fogertys – nicht unbeträchtlich nach Creedence Clearwater Revival – nach deren mit viel Hall bestückten „I Put A Spell On You“-Gespensterblues („All Is Quiet“), nach deren „Lodi“-Countryrock („Chains are Broken “) und nach deren „Travellin Band“-Rockabilly („Need to Lose“). Hochmelodiöse Songs mit einprägsamen Refrains und Mitsingchören. Swamprock-Stoff sowohl für schummrige Musikschuppen als auch für größere Hallen.

Wobei hier freilich nichts anderes zu hören ist als der Liveklang der Band, der in den Sonic Ranch Studios von El Paso, Texas, einen Steinwurf von der mexikanischen Grenze entfernt, eben erstmals als Albumsound aufgenommen wurde. „Dropkick Murphys“-Produzent Ted Hutt trieb die Drei (plus Einen) aus ihrer Komfortzone. Die titelgebenden Ketten brachen schnell, der Druck brachte einen Kreativitätsschub. „Es war ein Superspaß“, sagt Bernhard.

Lied für einen verstorbenen Freund

So singen sie über das fehlerhafte Ich hinter den perfekten Larven („Deep Down“) und über den Drang, unselige Einfälle immer wieder in Taten umzusetzen („Bad Idea“). Sie stellen sich in „Paint My Face“ das Jenseits nach dieser Welt vor, und sie erinnern an Wegbegleiter, die zu früh gestorben sind. „Can’t Stop“ etwa ist einem von Bernhards besten Freunden gewidmet, der ihm in den gemeinsamen Teenagerzeiten viele Gitarrentricks beibrachte. „Er war ein Naturtalent, aber er versank tief in alle Arten von Drogen und starb dann. Es war wohl das, was er am Ende wirklich wollte, aber ich vermisse ihn so sehr.“

„Pray For Rain“ klingt dann vom Titel her wie der Gedenksong an den Glutsommer 2018. Aber das blueslastige Stück mit dem bezwingenden Refrain ist nicht nur in ökologischer Hinsicht ein „Song über den Zustand der Welt.“ Von einem „Boss“ ist die Rede, der nicht zwischen „falsch“ und „richtig“ unterscheidet, von der schwindenden Wahrheit, von Diffamierung und Kriegsgefahr. Namen nennt Bernhard nicht. „Das Lied hofft auf Veränderungen zum Positiven“, sagt er, „was ich für absolut möglich halte.“

Luzifer dürfte freilich auf die Ansichten der Gegenseite stehen. Soll er eben ein neues Trio gründen. In Dreiteufelsnamen.

The Devil Makes Three: „Chains Are Broken“ (New West Records), erscheint am 24. August. Live am 17. September in Köln (Luxor), am 18. September in Hamburg (Knust) und am 19. September in Berlin (Columbia Theater).

Von Matthias Halbig / RND

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