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Kultur Musik liegt in der Luft (II)
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12:36 14.07.2018
Die “Golden Record“ – die berühmteste Weltraumschallplatte. Unter dem Vorsitz von Carl Sagan wurde sie mit Botschaften für mögliche außerirdische Spezies versehen und an der Außenwand der interplanetaren Raumsonden “Voyager“ angebracht. Quelle: NASA
Hannover

Vor 40 Jahren und ein paar Zerquetschten hat die Nasa die Sonden Voyager 1 und Voyager 2 ins All geschickt. Ziel 1: So weit reisen wie es irgendwie geht und sich ab und zu mal melden – das Interrailprinzip.

Ziel 2: Gutgläubigen Außerirdischen zeigen, dass wir hier auf der Erde ein kultiviertes, freundliches und friedliches Volk sind. Zu diesem Zweck gibt es an Bord jeweils eine sogenannte Golden Record, einen Datenträger mit Bildern, Botschaften und Musik. Beide Sonden sind noch unterwegs, gemeldet hat sich bislang niemand.

Vorbereitung auf deutsche Fußgängerzonen

Neben Grußworten des damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter und Kurt Waldheim, UN-Generalsekretär mit interessanter Vergangenheit, erwartet die Aliens Musik von Bach, Beethoven, Mozart, aserbaidschanischen Sackpfeifenspielern und senegalesischen Trommlern. Und peruanische Panflötenmusik, um die Außerirdischen gewissenhaft auf deutsche Fußgängerzonen vorzubereiten.

Als einziger Beitrag aus der Rockmusik hat es Chuck Berry auf die Golden Record geschafft. Ob das eine gute Idee ist? Falls man im Sternbild Schlangenträger als intelligente Lebensform mit Sinn fürs Feine tatsächlich ein richtiges Abspielgerät zur Hand oder zu was auch immer hat und sich gerade mit Genuss durch die Brandenburgischen Konzerte gehört hat, ist dann “Johnny B. Goode“ nicht zu laut? Oder zu banal?

Oder ein alter Hut, weil E.T. schon längst “Sticky Fingers“ von den Stones rüberteleportiert hat? Klar, vor 40 Jahren war Chuck Berry noch jung, aber hätte es nicht auch was Zeitgemäßes wie “Yes Sir, I Can Boogie“ oder irgendwas von Smokie oder Kraftwerk sein können? So von Alien zu Alien?

Bei der Titelwahl ist Vorsicht geboten

Natürlich ist bei der Wahl der Titel Vorsicht geboten. “Zeigt her eure Füße“ oder “Die Hände zum Himmel“ könnten missverstanden werden, weil man ja gar nicht weiß, ob der Extraterrestrier Hand und Fuß hat. Vielleicht hat er eher die Form einer italienischen Gemüsesuppe, hört mit den Löffeln und mag keine Schlager.

Andererseits: Schickt man nur Liebeslieder und Philipp-Poisel-Musik und stößt im All auf Partypeople oder eine ADHS-Kolonie, kommt die Erde rüber wie eine deutsche Kneipe nach einem Spiel gegen, sagen wir, Südkorea.

Und bevor du da hinfliegst, Jimmy Carters Grußworte hin oder her, gehst du lieber im Schlangenträger tanzen. Zu Scooter. Oder Rammstein. Hier kommt die Sonde.

Von Uwe Janssen

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