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Kultur Miss Liberty weint – neues Album der Steel Woods
Nachrichten Kultur Miss Liberty weint – neues Album der Steel Woods
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17:00 17.01.2019
Lieder der Heilung: Die Steel Woods (v. l.) Jason Cope, Wes Bayliss und Jay Tooke singen über Quelle: Alysse Gafkjen
Nashville

Die Steel Woods aus Nashville sind nicht die ersten, die ein Albumcover in Tageszeitungsoptik veröffentlichen. Die Four Seasons brachten 1969 ihre „Genuine Imitation Life Gazette“ heraus, John Lennon und Yoko Ono 1972 ihr Doppelalbum „Some Time in New York City“ und Guns N‘ Roses frönten mit der EP „Lies“ 1988 dem Boulevard – um nur einige zu nennen.

Miss Liberty trauert, weil ihre Kinder gegeneinander kämpfen

Die Southernrocker um Sänger Wes Bayliss und Gitarrist Jason Cope aber sind die einzigen, bei denen man den Tag der Veröffentlichung nie vergessen wird. Denn die Ausgabe der „Old News“ trägt das Datum: 18. Januar 2019. Seitenaufmachung ist eine Zeichnung der Freiheitsstatue, wobei etwas an der Wegweiserin ins gelobte Land Amerika anders als sonst. Sie weint. „There’s a tear in her Eye“ lautet die Schlagzeile.

„Es ist die künstlerische Vorstellung einer Miss Liberty, die sieht, wie ihre Kinder gegeneinander kämpfen statt zusammenzustehen“, sagt Jason Cope im Interview. Im Titelsong wird auf das Gewicht ihrer Freiheitsfackel verwiesen. Und dass Hass, Spaltung und Gewalt nicht zwangsläufig seien. „Wir können alles niederbrennen“, singt Wes Bayliss, „oder damit aufhören, einander die Schuld zu geben, und die Ärmel hochkrempeln.“

„Ich glaube, der Titelsong wurde mir geschenkt“, sagt Cope, „als eine Art Pflaster für dieses wunde Land. Es geht darum, einander zuzuhören, Dinge zu diskutieren und Verständnis und Mitgefühl für unsere Nachbarn aufzubringen.“ Geschenkt wurde das Lied dem gläubigen Cope von Jesus. In seinen Worten klingt durch, dass er sich selbst als Werkzeug sieht. „Ich glaube, ich bin berufen, kaputten Herzen heilende Songs zu geben, und Freude aus Trauer zu erschaffen.“ Und während die Kolumnisten der Trump-Ära den nächsten Bürgerkrieg am Horizont aufziehen sehen, glaubt Cope fest an den guten Ausgang: „Ich hoffe das Beste für die Leute, ich bete überall und jeden Tag für den Frieden und die Hoffnung.“

Im Song „Without You“ erzählt Jason Cope seine eigene Geschichte

Es sind Geschichten von Getriebenen, Verlassenen und Verlorenen, die auf „Old News“, dem zweiten Steel-Woods-Album nach „Straw in the Wind“ (2017), erzählt werden, von Steinbeckschen Figuren, die die Früchte des Zorns gepflückt haben und in dunkle Himmel jenseits von Eden blicken. Manches davon ist selbst erlebt, wie „Without You“, eine bluesige Countryrockballade. „Der Song handelt vom Kampf eines Mannes mit seinem gebrochenen Herzen, mit der Einsamkeit und dem Alkohol“, sagt Cope, „meine ganz persönliche Story.“

Das alles wird in einem kraftvollen, hochmelodiösen Southern Rock erbracht, der in seinen „harten“ Momenten an ZZ Top erinnert und in den filigranen Gitarrensoli eine Nähe zu den Allman Brothers zeigt. Die Pianoballade „Changes“ der Metalpioniere Black Sabbath wird in eine markante Südstaatenversion „übersetzt“. Und die „Nichts wie weg aus dem Kaff“-Story von „Anna Lee“ ist bester Bluegrass – eine Verbeugung vor Del McCoury, der zu Copes Idolen zählt.

„Meine musikalischen Wurzeln sind Blues, klassischer Rock, Bluegrass, Funk und Country“, breitet Cope das Spektrum des Steel-Woods-Sounds aus, das sie im September (genaue Tourdaten sind noch nicht bekannt) auf einer Deutschlandtour vorstellen wollen. „Ich bin ein großer Fan sowohl von James Brown als auch von Willie Nelson, von Albert King und Jimi Hendrix, von McCoury ebenso wie von Led Zeppelin.“

Die letzten vier Songs sind Tribute an verstorbene Helden der Band

Das Album schließt mit einer Handvoll Coverversionen, darunter einer wehmütigen Version von Tom Pettys „Southern Accents“. „Die letzten vier Songs repräsentieren in unserer Tageszeitung die Seite mit den Nachrufen“, erklärt Cope. „Das ist unser Tribut an unsere vor kurzem verstorbenen musikalischen Helden und an meinen engen Freund Wayne Mills.“ Der Countrysänger war 2013 in Nashville von einem Barbesitzer erschossen worden, nachdem er sich in einer Nichtraucherecke eine Zigarette angezündet hatte.

Miss Liberty wird so schnell nicht mehr froh.

The Steel Woods: „Old News“ (Thirty Tigers), erscheint am 18. Januar

Von Matthias Halbig / RND

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