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Kultur Michel Houellebecqs neuer Roman: Weniger Glück als Verstand
Nachrichten Kultur Michel Houellebecqs neuer Roman: Weniger Glück als Verstand
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11:40 09.01.2019
Michael Houellebecq kann es mit der Politik in seinem neuen Roman „Serotonin“ nicht ganz bleiben lassen. Quelle: AP Photo/Thibault Camus
Hannover

„Sie liefert eine neue Interpretation des Lebens – weniger reichhaltig, künstlicher und von einer gewissen Unbeweglichkeit geprägt“, schreibt Michel Houellebecq über die kleine Tablette, die im Zentrum seines neuen Romans steht. Und weiter: „Sie bietet weder irgendeine Form von Glück noch auch nur tatsächlichen Trost, sie wirkt auf eine andere Art: Indem sie das Leben in eine Abfolge von Formalitäten verwandelt, lässt sie Veränderung zu.“ So nüchtern-bürokratisch Houellebecq die Wirkung des Glückshormons Serotonin charakterisiert, das seinem am Montag erschienenen Roman den Namen leiht, so schonungslos zieht sein Icherzähler Bilanz seines eigenen Daseins. Von einem Tag auf den anderen verabschiedet er sich aus seinem trostlosen Alltag mit einer ungeliebten Japanerin und einem soliden Job im Landwirtschaftsministerium, um bei einer Art medikamentösen Selbstversuchs dem Schicksal verflossener Partnerinnen nachzuspüren.

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Der 46-jährige Protagonist Florent-Claude Labrouste hasst seinen Namen. Er fühlt sich durch den weiblichen Klang schon von Geburt an entmannt, ehe das Antidepressivum Captorix ihm dann tatsächlich die Libido raubt. Er sagt: „Die Vorstellung zu vögeln erschien mir fortan absurd, nicht umsetzbar, und selbst zwei kleine 16-jährige Thai-Nutten, da war ich mir ganz sicher, könnten dagegen nichts ausrichten.“ Houellebecq macht seinem Ruf als Enfant terrible der französischen Literatur alle Ehren, wobei die scharfe, teils vulgäre Sprache hier immer im Kontext mit dem Verlust jeglicher Lust – auch der am Leben – steht. Der Autor knüpft damit an seinen Erfolgsroman „Elementarteilchen“ (1998) an, in dem der Franzose anhand zweier Brüder die Nähe von Sexbesessenheit und völliger Emotionslosigkeit zeigte. Grundthemen sind in beiden Romanen die Vergeblichkeit der persönlichen Sinnsuche und das unausweichliche Scheitern menschlicher Bindungen.

War es das mit der Politik bei Houellebecq?

Houellebecq hat also in Teilen seine Ankündigung wahr gemacht, es mit der Politik erst einmal zu belassen. In seinem auch als Theaterinszenierung erfolgreichen Skandalroman „Unterwerfung“ (2015) hatte er einen Muslim zum französischen Staatspräsidenten wählen lassen und so eine Debatte über die extreme Rechte und über die Angst vor einer Islamisierung Europas entfacht. Einen Tag nach der Veröffentlichung wurde der Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ verübt, das Houellebecq sein Titelbild gewidmet hatte. Dieser Umstand verfestigte das Bild des Autors als dunkler Prophet und Provokateur. Gerade erst lobte er in einem Zeitungsinterview den US-Präsidenten Trump. Auch in „Serotonin“ geizt der Autor nicht mit Seitenhieben auf europäische Gängelung (Stichwort: Rauchverbote) oder die Globalisierung und ihre verheerenden Folgen für die französische Landwirtschaft. Die EU hat die Milchquoten gesenkt, und die Bauern – darunter ein alter Studienfreund des Erzählers – können sich gegen Konkurrenz aus China nicht mehr behaupten.

Der Leser bleibt unbeteiligt

Florent-Claude Labrouste ist für Volksabstimmungen, im Roman schießen erboste Landwirte auf Autofahrer. In Frankreich, wo der Roman bereits am Freitag erschien, wird der Autor als Held der Gelbwesten-Bewegung gefeiert. Wieder wird seine Gabe beschworen, gesellschaftliche Konflikte vorauszuahnen.

Doch der Roman lässt den Leser merkwürdig unbeteiligt, als hätte er selbst eine besagte Tablette geschluckt. Die houellebecqsche Mischung aus sprachlicher Direktheit und thematischer Provokation hat ihre Wirkung teilweise eingebüßt. Nach der effektheischenden Spannungsdramaturgie im Vorfeld – der Roman erscheint zeitgleich in verschiedenen Ländern, Rezensionsexemplare wurden erst kurz vorher verschickt – fühlt man sich hier doch ein wenig ums Glück betrogen.

Michel Houellebecq: „Serotonin“, DuMont, 336 Seiten, 24 Euro

Von Nina May / RND

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