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Kultur Michel Birbæk über seine Liebe für den Musiker Prince
Nachrichten Kultur Michel Birbæk über seine Liebe für den Musiker Prince
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14:51 20.04.2018
Prince-Fan: Schriftsteller Michel Birbæk. Quelle: Simin Kianmehr
Hannover

Am 21. April vor zwei Jahren starb Prince. Schriftsteller Michel Birbæk (55) setzte der Tod des US-Superstars so sehr zu, dass er gegen alle Vorsätze doch noch einen Roman schrieb, der diese Woche erschien. „Das schönste Mädchen der Welt“ (nach dem Prince-Hit „The most beautiful Girl in the World“) erzählt von einem arrivierten Prince-Fan namens Leo, den das Ereignis aus der Lethargie reißt. Wir sprachen mit Birbæk.

Wie war das, als Sie erfuhren, dass Prince gestorben war?

Ich saß in einem Drehbuchmeeting und merkte, wie mein Handy fast eine Stunde durchvibrierte. Ich dachte: Da ist aber jemand hartnäckig. Und sah erst anschließend, dass nicht eine Person hat durchklingeln lassen, sondern dass es eine SMS nach der anderen war. Fast jeder, den ich gut kenne oder kannte, meldete sich an diesem Tag.

Weil jeder wusste, dass Sie, wie es im Klappentext heißt, der größte Prince-Fan der Welt sind?

Bin ich nicht; da habe ich inzwischen ganz andere Kaliber kennengelernt. Er war aber der Künstler meines Lebens. Ich glaube nicht, dass ich noch jemanden kennenlerne, bei dem ich so mitwachsen kann wie bei ihm.

War das bei Ihnen durchgehend? Viele Hörer hat Prince in seiner Spätphase verloren – er hat es den Fans nicht immer einfach gemacht.

Das ist doch das Tolle an ihm. Mein großer Prince-Moment war, als er nach „Purple Rain“ kein neues Hit-Album gemacht hat, sondern alles geändert: seinen Look, seinen Sound, später noch seine Band ... Das war ein richtiger Künstler, der nie gemacht hat, was wir wollen, sondern, was er wollte. Und wenn mir einmal etwas oder jemand viel bedeutet hat, bin ich dafür sehr dankbar, frag meine Exfreundinnen. Ich habe mir daher, auch wenn mir manche der späten Alben nicht alle so gefallen haben, keinen seiner Auftritte entgehen lassen, denn was er auf der Bühne machte, war einzigartig.

Aber die Höhepunkte waren schon, wie bei Ihrem Romanhelden Leo, die Konzerte der „Lovesexy“-Tour?

Das war ein Höhepunkt, ja. Damals war ich auch als Musiker in der Lage, zumindest manches, was ich dort gesehen hatte, in meine traumatisierte Deutschrockband reinzuhämmern (lacht). Die Armen – nicht tanzende Amateurmusiker aus Niedersachsen – mussten plötzlich Tanzsequenzen mit mir eintrainieren. Nicht jeder war froh über Prince’ Einfluss auf mich.

Nun hat er Sie nach langer Pause wieder dazu gebracht, einen Roman zu schreiben?

Ich glaube, nichts auf der Welt hätte mich wieder zum Schreiben gebracht, wenn nicht der Schock so groß gewesen wäre. Ich hatte meine Schriftsteller-Karriere auf dem Höhepunkt meiner Verkäufe beendet.Der Verlag dachte, ich hätte den Verstand verloren, aber ich wollte nicht mehr so leben. Jeder Roman bedeutet ein Jahr alleine vorm Rechner. Das war nach zehn Jahren Literatur zu viel. Da bin ich ein bisschen wie Prince; da mache ich leider auch nicht immer das, was andere von mir wollen. Aber ich glaube, ein Erfolg ist es auch, wenn man sich treu bleibt und sich weiterentwickelt.

Der Roman handelt auch davon, was das Leben mit einem macht, dass man manchmal nicht ganz unbeschadet aus der Liebe herauskommt. Warum haben Sie das mit dieser Prince-Geschichte verbunden?

Alle meine Romane haben eine besondere Liebesgeschichte, und bei diesem Roman – ohne zu viel zu verraten – war es mir wichtig, zu zeigen, dass auch die perfekte Liebe kaputtgehen kann. Ich habe in meinem Leben Menschen kennengelernt, die mit dem, was Leo passiert, umgehen konnten, und andere, die daran kaputtgegangen sind. Ich wollte mit dem Roman einen Weg zurück ins Leben aufzeigen.

Gibt es eine Botschaft dahinter?

Für mich ist die größte Leistung, die ein Mensch erbringen kann, das Muster zu brechen, das ihm mitgegeben wurde. Ich habe kein Verständnis dafür, dass jemand das, was ihm Schlechtes widerfahren ist, an die Menschen weitergibt, die er liebt. Im Roman hat Leo gemerkt, dass er Gefahr läuft, das zu tun, und geht lieber, bevor er alle, die er liebt, in Gefahr bringt. Und Jahre später bekommt er durch Prince’ Tod die Chance zur Versöhnung.

Und schließlich geht es in dem Roman um die Macht der Musik, unter anderem als Erinnerungsträger ...

Es gibt Songs, die machen auch beim hundertsten Hören noch etwas mit mir. Ich glaube, wir unterschätzen die Bedeutung von Musik und auch von Literatur. Ich glaube, dass sie der Klebstoff der Menschheit sind und dass wir ohne sie vor die Hunde gehen würden. Und ich glaube auch, dass Musik die größte Religion ist. Man schaue sich die Menschen an, wenn sie zusammen singen – wann sind sie friedlicher und liebevoller als dann? Ein Beispiel: Ich habe mich, weil ich selber Ausländer bin, ein wenig in die Flüchtlinge reingehängt. Mir fehlte bei ihnen zunächst meine größte Waffe, die Sprache. Aber es gibt zwei Dinge, die todsicher bei jedem funktionieren: Bring’ eine Gitarre mit, oder bring’ einen Fußball mit. Das geht immer.

Nun ist mit Prince einer der Hohepriester dieser Religion abgetreten. Sehen Sie jemanden, der ihn ersetzen könnte?

Für mich nicht. Les McCann bedeutet mir auch viel. Aber Prince? Man erinnere sich nur mal an die 80er, die Frauenbewegung war mega-streng und unsexy, und dann kommt ein Schwarzer mit Strapsen auf die Bühne und singt über Sexualität ... Das hat auch meine Texte verändert, weil ich lernte, ja, ich kann auch meine Grenzen ein wenig verschieben. Ich habe nie wieder so etwas gesehen wie seine Live-Shows. Dazu kommt, was er mit mir auf dem Dancefloor anrichten kann, seine Kleidung, seine Haltung: 40 Jahre Superstar, kein einziger Skandal, kein schlechtes Wort. Er hat sich auch nie „King“ genannt, wie es andere nötig hatten. Er ist immer schön Prince geblieben. Ich könnte noch zwei Stunden weiter schwärmen, und auch darum geht es in „Das schönste Mädchen der Welt“, um die Liebe zur Musik.

Michel Birbæk:
„Das schönste Mädchen der Welt“
. Blanvalet, 352 Seiten, 20 Euro.

Von Stefan Gohlisch

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