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Kultur „Maudie“ – Miesepeter trifft Trotzkopf
Nachrichten Kultur „Maudie“ – Miesepeter trifft Trotzkopf
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06:00 25.10.2017
Zwei Außenseiter raufen sich zusammen: Everett Lewis (Ethan Hawke) und Maud (Sally Hawkins). Quelle: Foto: NFP
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Hannover

Maud hinkt, hat durch Arthritis verkrüppelte Hände, ist für ihre ständig schimpfende Tante und ihren Bruder, der das Elternhaus verkauft hat, wenig wert. Aber das zierliche Persönchen mit buckeliger Haltung verfügt über einen eisernen Willen, will eigenständig leben und malen. Als sie im Krämerladen ein Stellenangebot als Hausmädchen entdeckt, reißt sie den Zettel ab und steht bald beim Fischer Everett Lewis (Ethan Hawke) vor der Tür.

„Erst komme ich, dann die Hunde, dann du!“

Lewis hätte sich eine kräftige und zupackende Hilfe gewünscht, aber mangels anderer Bewerbungen stellt er Maud (Sally Hawkins) ein, um sie schnellstmöglich wieder rauszuwerfen. Doch starrköpfig, wie sie ist, kehrt Maud am nächsten Morgen zurück. Der Miesepeter macht ihr die Hierarchien klar: „Erst komme ich, dann die Hunde, dann die Hühner, dann du.“ Maud ordnet sich unter, auch wenn sie körperlich kaum die Putzerei schafft. Natürlich raufen sich die beiden irgendwann zusammen.

Die Gefahr einer kitschigen Lovestory umschifft Regisseurin Aisling Walsh in diesem berührenden Beziehungsdrama trotz aller Sentimentalität souverän, vor allem wegen der in ihrer Schutzlosigkeit glaubwürdigen Protagonistin. In psychologisch feinen Zwischentönen erzählt sie die Geschichte der 1903 geborenen kanadischen Folk-Art-Pionierin Maud Lewis, die erst spät den Durchbruch erlebte und deren Gemälde heute zahlreiche Kunstsammlungen Nordamerikas zieren. Dabei konzentriert sich Walsh auf die Zeitspanne von 1938 bis zu Mauds Tod 1970. Mauds Leben wird eingetaucht in das sanfte Licht von Kameramann Guy Godfree, dessen Leinwandbilder ostkanadischer Küstenlandschaft im Wandel der Jahreszeiten selbst an ein Gemälde erinnern.

Intimes Porträt von Außenseitern

Wie sich die zwei Seelen am Rande der Gesellschaft finden, entwickelt sich sukzessive zu einem intimen Porträt von Außenseitern, die erst einmal so gar nicht zueinander passen. Er ein maulfauler und gewalttätiger Mann, sie eine zart besaitete Frau, die mit dem Blick aus dem Fenster der armseligen Hütte ohne Heizung ihre kleine farbenfrohe Welt auf kleinen Tafeln erschafft. Zu Beginn startet sie mit der Verschönerung der tristen Wände, malt Blumen und Schmetterlinge. Als eine New Yorker Touristin ihr Talent entdeckt, wird sie bekannt, bestreitet durch den Verkauf ihrer Bilder bald den Lebensunterhalt der beiden. Kunden und Neugierige belagern ihr Heim, sogar Präsident Nixon soll eines ihrer Werke gekauft haben.

Das Machtverhältnis zwischen dem Paar dreht sich. Plötzlich schält Lewis Kartoffeln oder installiert widerwillig ein Fliegengitter, weil Maud ihren Wunsch wiederholt, bis er spurt. Nur ihr leises Lächeln, ihre schelmisch blitzenden Augen und ein wundersames, fast ungläubiges Staunen zeugen von der Überraschung, endlich glücklich zu sein. Beide Schauspieler verkörpern ihre Rollen optimal, auch wenn Hawke meist nur brummig gucken muss.

Kindliche Freude beim Malen

Emotionaler Fokus der nicht immer der Wirklichkeit entsprechenden Handlung ist Hawkins, der man bedingungslos folgt auf ihrem schweren Weg – egal, ob sie nach langem Marsch erschöpft in den Schnee fällt, nach der Trauung schick gewandet am Arm ihres Gatten strahlt oder nächtens wie besessen Tiere, Bäume und ihren Everett malt. Ihr offenes Gesicht spiegelt Leid, Verletzung und Demütigung seit Kindesbeinen, aber auch fast kindliche Freude, wenn sie malt. Dieser feine Film ist so richtig was fürs Herz.

Von Margret Köhler / RND

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