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Kultur Marilyn Manson: Der dunkle Priester wird 50 Jahre alt
Nachrichten Kultur Marilyn Manson: Der dunkle Priester wird 50 Jahre alt
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09:48 04.01.2019
Thront über allen: der Höllenfürst Marilyn Manson. Quelle: Alexandre Marchi/dpa
Los Angeles

Marilyn Manson ist kein lauter Typ. Er redet langsam, fast schleppend, nuschelt sich durch Interviews. Ab und an verziehen sich seine von Lippenstift überzogenen Mundwinkel schräg nach oben und ein gepresstes, kurzes Lachen entringt sich seiner Kehle. Auf der Bühne verwandelt sich seine warme, tiefe Stimme in ein schreiendes, gurgelndes, brüllendes Organ, das wahlweise der Gesellschaft ihre Scheinheiligkeit um die Ohren schmettert, Autoritäten den akustischen Mittelfinger zeigt oder in Seelenqualen zergeht.

Obwohl Manson sich in seiner provokanten Musik und seiner morbiden Aquarellkunst immer wiederkehrender Elemente bedient – das Gute und das Böse manifestieren sich allein schon durch seinen Künstlernamen –, ist er als Person, als der am 5. Januar 1969 in Ohio geborene Brian Hugh Warner, schwer zu fassen. Als einen von seiner Umwelt isolierten Geist beschreiben ihn die einen, als eloquenten Gesprächspartner und Gentleman die anderen. Er verkörpert das Schöne und das Hässliche zugleich, sagt sein langjähriger Weggefährte – der Gitarrist und Bassist Twiggy Ramirez – über ihn. Und Designer Marc Jacobs war einst so fasziniert von Mansons „perversem und unglaublichem Intellekt“, dass er nicht nur 2011 seine vom nietzscheanischen Übermenschen geprägte Hymne „The Beautiful People“ auf einer Modenschau einspielte, sondern den Höllenfürsten 2016 auch gleich selbst für eine Modekampagne verpflichtete.

Lieder, zu denen man entweder kämpfen oder vögeln könne

Vielschichtig und vielgesichtig wie sein Jugendvorbild David Bowie zeigt sich der ehemalige Musikjournalist, seit er 1989 seine Band Marilyn Manson and The Spooky Kids gründete und seine Fantasiewelt fortan auf der Bühne real werden lassen konnte. Vorwürfe, der Schockrocker von einst würde nicht mehr schocken, wischt er heute, als 50-Jähriger und nach einer langen Selbstfindungsphase nebst gescheiterter Ehe mit der New-Burlesque-Tänzerin Dita Von Teese, die mit dem brachial-sperrigen Album „Born Villain“ 2012 endete, mit gleichgültiger Miene beiseite. Ein Künstler müsse sich nicht ständig neu erfinden, sagt er. Und wer sich in den Neunzigerjahren auf der Bühne mit einer zerbrochenen Glasflasche schon mal die Brust blutig geritzt und seine Bandkollegen oral befriedigt haben soll, hat sein Soll als Elternschreck mehr als erfüllt.

Schräg wie sein Jugendvorbild David Bowie: Marilyn Manson hatte in seinem Musikerleben bereits viele Gesichter. Quelle: picture alliance / R. Goldmann

Doch ein bisschen scheint der zu seinen „Antichrist Superstar“-Hochzeiten als Staatsfeind Nummer eins deklarierte Musiker der Phase in seinem Künstlerleben nachzutrauern, in der er noch Rocker sein durfte und sich noch nicht genötigt sah, Erwartungen zu erfüllen. Sein aktuelles Album „Heaven Upside Down“ jedenfalls lässt mit der Kombination aus Industrial, Elektronik und Gothic-Rock Nostalgiegefühle aufkommen. „Ich schreibe Lieder, zu denen man entweder kämpfen oder vögeln kann“, betonte Marilyn Manson stets. In „Kill4Me“ zeigt sich Manson denn auch mit Kumpel Johnny Depp beim Gruppensex, um seinen Worten Wirkung zu verleihen. Und in „We Know Where You Fucking Live“ schickt der bleichgesichtige Prothesensammler Nonnen großkalibrig und hochhackig in die amerikanischen Vororte und warnt basslastig und spannungsgeladen, sich besser nicht mit ihm anzulegen.

Ein Satz, der in die Geschichte einging

Laut werde er privat nie, sagt der kontroverse Sänger, der gleichzeitig die Ehrenpriesterwürde der Church of Satan trägt und die Bibel zitiert. Eher ruhig, wenn er angepisst sei. Ruhig und überlegt reagierte er auch, als man ihm vorwarf, eine Mitschuld an dem Massaker 1999 an der Columbine High School zu haben. Die beiden Täter sollen Marilyn-Manson-Fans gewesen sein. Manson selbst erhielt laut eigener Aussage Hunderte Morddrohungen, seine Karriere knickte ein. In einem Interview mit US-Dokumentarfilmer Michael Moore sagte er 2001 dann auf die Frage, was er den Columbine-Schülern gesagt hätte, einen Satz, der in die Geschichte eingehen sollte: „Ich hätte kein einziges Wort gesagt. Ich hätte mich hingesetzt und zugehört, was sie zu sagen gehabt hätten. Denn das hat niemand gemacht.“

Anderen zuhören, Missstände aufzeigen, den Schwachen eine Stimme geben, dafür verehren Marilyn-Manson-Anhänger ihren Priester seit fast drei Jahrzehnten. Die Gesellschaft ist sich selbst Schock und Schreck genug, er zeige da nur noch mit dem lackierten Finger drauf.

Von Amina Linke / RND

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