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Kultur Mach mal größer: Street-Art-Star JR inszeniert am Brandenburger Tor
Nachrichten Kultur Mach mal größer: Street-Art-Star JR inszeniert am Brandenburger Tor
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16:47 01.10.2018
Die Zivilisten stehen oben und feiern – die Soldaten warten unsicher unterhalb des Brandenburger Tors – diese Fotocollage hat der Street-Art-Künstler anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit entwickelt. Quelle: Anne Pollmann/dpa/ZB
Berlin

Die Soldaten stehen ein wenig zögerlich herum, so gar nicht soldatisch. Sie verschränken die Arme vor oder hinter dem Körper. Sie blicken durch das Tor – vom Westen in Richtung Osten, wie die Victoria oben auf dem Brandenburger Tor. Über ihnen feiern die Zivilisten.

Eine Reihe von Zivilisten sitzt vorn und lässt die Beine baumeln – auch nicht soldatisch. Natürlich. Denn die Aufnahmen stammen vom 10. November 1989, vom Tag nach dem Mauerfall. Die Bürger sind so groß wie die Quadriga. Der französische Street-Art-Künstler JR hat zum Tag der Deutschen Einheit eine Installation an das Brandenburger Tor heften lassen – eine 25 Meter hohe, dreidimensionale Fotocollage. Schon Tage vorher ist die Installation an der ehemaligen innerdeutschen Grenze sichtbar.

Der Street-Art-Star JR spielt Grenzgänger

Mit Grenzen kennt sich der Künstler aus, im vergangenen Jahr hat er einen einjährigen Jungen – durch die Installation groß wie King Kong – über die Grenzmauer zwischen Mexiko und den USA greifen lassen. In Bethlehem hat JR 2007 Porträts von Israelis und Palästinensern mit denselben Berufen an einen Grenzzaun zwischen einer israelischen und palästinensischen Siedlung plakatiert. Seine Arbeit geht von Fotos aus. JR fährt mit einem mobilen Fotoautomaten durch die Welt, der keine kleinen Passbilder ausspuckt, sondern riesige Plakate. Er lässt wie in Berlin Fotos auf Baugerüste spannen. In Schwarz-Weiß wirken sie wie eine Filmkulisse, die aus Versehen nach dem Dreh in der realen Welt zurückgelassen wurde.

Bei seinem Projekt „Inside Out“ können ihm Fans eine Bilddatei schicken, die er von seinen Mitarbeitern groß ausdrucken lässt und zu den Fans zurückschickt, sodass sie mit diesen Drucken ihre Nachbarschaften plakatieren können – Kunst zum Mitmachen. „Meine Kunst ist über etwas, das keiner besitzen kann: Es geht um die Erfahrung, etwas zusammen als Gruppe zu machen, als Gemeinschaft“, sagte JR in einem Interview.

JR will Gemeinschaft – doch manche Menschen wollen das nicht

In Wuppertal wurden die Menschen Teil seiner Gemeinschaft, ob sie wollten oder nicht. JR fotografierte die Wuppertaler heimlich in der Schwebebahn. In einer Nacht- und-Nebel-Aktion plakatierte er die Fotos als Banner und Sticker großflächig im öffentlichen Raum – ohne die Zustimmung der Porträtierten. Die Polizei ermittelte. Die Aktion war Teil von „Outsides“, einem zunächst anonymen Künstlerkollektiv, das 2006 ganz Wuppertal mit Street-Art zukleisterte. Später stellte sich heraus, dass das Projekt eine Red-Bull-Promoaktion war.

JR, der Quatschmacher. Quelle: AP Photo/Francois Mori

Den Ruf des Illegalen, den Street-Art umweht, macht der Künstler mit Witz wett, auch in Wuppertal soll er die Polizisten solange bequatscht haben, bis sie in der Nacht wieder abgezogen sind. Außerdem steht JR für „Juste Ridicule“, also „einfach lächerlich“. Und spätestens nachdem der Künstler 2011 mit dem Ted-Preis ausgezeichnet wurde, der mit 100.000 Dollar dotiert ist, wird er hochoffiziell eingeladen, um seine Aktionen durchzuführen.

Medienscheu? Nicht ganz

Einerseits ist JR medienscheu, tritt immer mit Hut und Sonnenbrille auf, lässt seinen bürgerlichen Namen nicht veröffentlichen. Andererseits hat er zusammen mit der französisch-belgischen Filmemacherin Agnès Varda die Dokumentation „Faces Places“ über ihr gemeinsames Arbeiten gedreht. Bei Instagram zeigt er nicht nur Fotos seiner Arbeiten, macht Werbung für seine Projekte, sondern zelebriert auch sich und seine Freundschaft mit Agnès Varda.

Im Gegensatz zu Banksy, dem Vorzeige-Graffitikünstler, der alle Informationen über seine Person zurückhält, lässt JR Einblicke zu. Geboren wurde er 1983 in einem Vorort von Paris, mit 15 schenkte ihm sein Vater eine Einmalkamera, doch JR wollte lieber sprayen. Dabei blieb es auch, bis der Nachwuchskünstler eine Videokamera entdeckte, seine Kumpel beim Sprayen filmte. Er plakatierte die Straßen mit Schwarz-Weiß-Fotos und sprayte bunte Bilderrahmen drum herum.

Heute nutzt er das gesamte Stadtbild als Rahmen für seine Arbeiten. So auch in Berlin. Das Brandenburger Tor wird neben den überlebensgroßen Menschen zum Statisten. Das Symbol von der Teilung Berlins schrumpft neben den Akteuren der Einheit. Mach mal größer.

Von Geraldine Oetken / RND

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