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Kultur Berlin: Mauer-Kunstprojekt nicht genehmigt – war das geplant?
Nachrichten Kultur Berlin: Mauer-Kunstprojekt nicht genehmigt – war das geplant?
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16:17 21.09.2018
Diese Mauerteile werden für das Kunstprojekt „Dau Freiheit“ wohl nicht mehr zum Einsatz kommen. Das Projekt, das eine Mauer wieder in Berlin aufbauen wollte, steht vor dem Aus. Quelle: Mathias Schwerbrock/dpa
Berlin

Es wurde als das spektakulärste Kunstprojekt seit der Verhüllung des Reichstags durch Christo gehandelt, doch das Dau-Spektakel in Berlin-Mitte wird vorerst nicht genehmigt, weil die Berliner Behörden Bedenken wegen Verkehrssicherheit und Brandschutz hegen. Bezirksstadträtin Sabine Weißle und Verkehrssenatorin Regine Günther begründeten die Absage am Freitag bei einer Pressekonferenz auch damit, dass Anwohner nicht gefragt worden seien.

Knapp einen Monat lang sollte ein abgesperrter Stadtteil zu einer Parallelwelt mit totalitären Anklängen werden, für den Eintritt hätte man im Internet ein Visum beantragen sollen. Im Zentrum sollte eine originalgetreue Rekonstruktion der Berliner Mauer stehen. Geteilt hat das Projekt die Nation schon vorab. Dabei greifen beide Parteien in ihrer Argumentation zu kurz. Stellvertreterin der einen Fraktion ist die Journalistin und Mitinitiatorin des Berliner Mahnmals für die ermordeten Juden Europas, Lea Rosh. In einem Offenen Brief erinnert sie aktuell an den „bitteren Ernst“, den die Mauer einst für die Berliner bedeutete. Zu den Unterzeichnern gehören auch Dirigent Christian Thielemann, Filmproduzentin Regina Ziegler und die frühere Stasiunterlagen-Beauftragte Marianne Birthler.

Mauer spaltet Deutschland: Diskussion um Kunstprojekt

Ins gleiche Horn blies der frühere DDR-Bürgerrechtler und ehemalige Bundestagsabgeordnete Konrad Weiß. Er sprach von einer Banalisierung kommunistischer Verbrechen. Die Mauer ist aber nur ein Teil des Riesenprojekts, das sich eigentlich um ein legendäres Filmvorhaben des russischen Regisseurs Ilya Khrzhanovsky drehte. Der lebte jahrelang zusammen mit bis zu 400 Darstellern in einer Art Filmkommune in der Ukraine. Man kleidete sich wie in der Sowjetunion, die moderne Welt wurde ausgeblendet, alles bei laufender Kamera. Die womöglich verstörende Selbstauslieferung in eine Kunstwelt war also von Anfang an immanenter Bestandteil des Projekts. Der Name Dau verweist dabei auf den sowjetischen Physiker und Nobelpreisträger Lew Landau, der zwischen 1938 und 1968 in der Sowjetunion ein streng geheimes wissenschaftliches Institut betrieb.

Renommierte Künstler wie der Regisseur Tom Tykwer und die Performancekünstlerin Marina Abramovic sind in das Projekt involviert. Veranstalter sollten die renommierten Berliner Festspiele sein, die etwa auch das Theatertreffen ausrichten. Leiter Thomas Oberender kritisierte bei Twitter: „Die Festspiele als Veranstalter haben keine Absage bekommen. Was ist das für ein Spiel?“ Die Veranstalter halten am Plan fest. Laut einer Mitteilung wurde ihnen in einer Email mitgeteilt, fehlende Antragsunterlagen seien der Grund für die ausbleibende Erlaubnis. Diese wollen die Festspiele noch bis zur früher vom Bezirksamt Mitte öffentlich genannten Frist bis zum 28. September einreichen.

Manche Unterstützer des Kunstprojektes sprechen von Zensur

Zu einfach machen es sich neben den Kritikern des Kunstprojekts auch diejenigen, die jetzt über die Verwaltung schimpfen. Der ehemalige Volksbühnen-Dramaturg Carl Hegemann sieht die Kunst gar einer Zensur unterworfen. Er spricht von russischen Verhältnissen und vertritt damit die zweite Fraktion. Doch der Antrag an die Behörden ist erst zwei Monate vor dem geplanten Start des Megaspektakels am 12. Oktober eingereicht worden: Viel zu spät, um für ein solches Riesenprojekt, für das ein Stadtteil knapp einen Monat lang abgeriegelt werden sollte, Vorkehrungen etwa für die Sicherheit zu treffen. Den zuständigen Stellen Kunstfeindlichkeit zu unterstellen, ist deshalb absurd. Bedauern kann man die Absage dennoch, so wie Kulturstaatsministerin Monika Grütters. In einer Mitteilung erklärte sie gestern: „Bei allem Respekt gerade auch denen gegenüber, die das Projekt schon im Vorfeld für eine Zumutung gehalten haben – ich hätte mich gefreut, wenn wir es in Berlin überhaupt kennengelernt hätten.“

Nun steht eine Verschiebung auf das nächste Jahr im Raum. Der Termin zum 30. Jahrestag des Mauerfalls passt so gut, dass sich ein Verdacht regt: War das Scheitern des Antrags womöglich von Anfang an Teil des Spiels? Der Streit um die Mauer wäre jedenfalls ein passender Prolog für diese Inszenierung.

Von Nina May / RND

Nach der Absage des Berliner Kunstprojekts Dau geht die Diskussion um das Riesenspektakel weiter, für das in Berlin eine Mauer errichtet werden sollte. Dabei argumentieren beide Fraktionen zu einseitig.

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