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Kultur „Asphaltgorillas“ – Schrilles Kriminellenvölkchen
Nachrichten Kultur „Asphaltgorillas“ – Schrilles Kriminellenvölkchen
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11:17 22.08.2018
Toughes Mädel im Chaos: Ella Rumpf (Mitte) ist als Femme Fatale Marie Zentrum des wirbelnden Films. Quelle: Foto: Constantin
Hannover

Nach vier Folgen „Bibi & Tina“ will Detlev Buck nun in seinem neuen Film „Asphaltgorillas“ mit aller Macht beweisen, dass das Leben für ihn kein Ponyhof mehr ist. Dafür begibt er sich tief in den Kreuzberger Kiez, der hier gleich zu Beginn des Filmes unter dem Einsatz von Regenmaschinen und neonbunten Leuchtmitteln als knallige Film-Noir-Kulisse erstrahlt.

Ein Kleindealer wird aus der Lethargie gerissen

Melancholisch in die Hofeinfahrt gelehnt raucht hier Adris (Samuel Schneider) seinen Joint. Als zwei Männer sich vor dem Regen zu ihm flüchten, bietet er ihnen ganz entspannt einen Zug an. Aber die beiden stellen sich mit Dienstmarke als polizeiliche Zivilfahnder vor und nehmen den Kiffer in die Mangel. Adris ruft um Hilfe und die schweren Jungs, die eben um die Ecke kommen, verhelfen ihm zur Flucht.

Wieder einmal ist er gerade so davon gekommen. Der Kleindealer hat es im Leben nicht weit gebracht. Er arbeitet als Handlanger für den lokalen Unterweltboss El Keitar (Kida Khodr Ramadan), lebt noch bei seinen Eltern, die ihn mit einer ordentlichen arabischen Frau verkuppeln wollen, und ist noch nie so recht rausgekommen aus seiner Gegend rund ums Kottbusser Tor.

Aber dann wird er durch zwei Begegnungen aus seiner kleinkriminellen Lethargie gerissen. Zum einen lädt Adris auf einer Kurierfahrt spontan eine Frau ins Auto, die gerade als Ladendiebin von Security-Männern verfolgt wird, den protestierenden Beifahrer erst einmal mit einem Taser ruhig stellt und sich als „Bettina“ vorstellt. Klar verknallt sich Adris in die coole Braut, deren entschiedenes Auftreten seinem zögernden Dasein ein Ende bereitet.

Es geht schief, was nur schiefgehen kann

Zum anderen läuft Adris Frankie (Jannis Niewöhner), einem Freund aus Kindertagen, direkt vor den Lamborghini. Frankie macht auf gemachten Mann, dabei hängt er am finanziellen Tropf der russischen Oligarchentochter Oxana (Stefanie Giesinger). Von deren Papa will er sich 200 000 Euro leihen, um sie bei der asiatischen Mafia in Warschau gegen eine große Tasche Falschgeld einzutauschen.

Natürlich geht hier alles schief, was nur schief gehen kann. Als Vorlage für „Asphaltgorillas“ diente Detlev Buck die Kurzgeschichte „Der Schlüssel“ von Ferdinand von Schirach, dessen Erzählbände „Verbrechen“ und „Schuld“ gerade auch fürs Fernsehen erfolgreich verfilmt wurden.

Aber Buck nimmt sich im Umgang mit dem Stoff alle künstlerischen Freiheiten. Der kühle, juristische Erzählton weicht einer knalligen Gangsterfilm-Attitüde und die knappe Story wird zu einem ausschweifenden Genre-Groteske ausgebaut.

Die Geschichte und die Figuren werden einem zunehmend egaler

Von einem schlüsselfressenden Dobermann namens Platon über Pingpong spielende Mafia-Bosse bis zur mongolischen Profi-Killerin versammelt Buck ein schrilles, kriminelles Völkchen auf der Leinwand. Aber während die Handlung stolz von einer desaströsen Verwicklung in die nächste stolpert, Schläger- und Schießereien fein stilisiert in Szene gesetzt werden und Rapper wie SXTN, SSIO oder Capital Bra sich in Cameo-Auftritten die Klinke in die Hand geben, wird einem der Verlauf der Geschichte und das Schicksal der Figuren immer egaler.

Samuel Schneider verblasst als anfangs sympathischer Antiheld zusehends. Jannis Niewöhner, der hier unkontrolliert von der Leine gelassen wird, nervt durch sein vermeintlich ironisches Overacting.

Einzig Ella Rumpf („Tiger Girl“) gelingt es als lässig-moderne Femme fatale die Spannung ihrer Figur bis zum Ende zu halten. Für Detlev Buck mag „Asphaltgorillas“ nach vier Jahren rosarotem Reiterhof ein Befreiungsschlag sein, aber auf der Leinwand verblasst das grelle Genre-Spektakel zunehmend zur leeren Pose.

Von Martin Schwickert / RND

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