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Kultur „I love Mr. Darcy“
Nachrichten Kultur „I love Mr. Darcy“
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07:00 18.07.2017
Die Autorin Jane Austen starb am 18. Juli 1817 im Alter von 41 Jahren. Quelle: imago/United Archives
London

Es gibt Tage der Vergangenheit, die sich merkwürdig real in der Gegenwart anfühlen. Etwa wenn plötzlich die kecke Elizabeth Bennet im fließenden, weißen Empire-Kleid durch die gepflasterten Straßen schlendert, auf dem Kopf eine Haube und am Arm ihren Traummann, Mr. Darcy, der mit Jabot, Gehrock und schwarzen Stiefeln die Ära des Regency ins Jahr 2017 befördert. Kaum ein Passant scheint sich nach dem kostümierten Pärchen umzudrehen.

Im westenglischen Bath fügen sich die beiden Figuren bestens in die Atmosphäre und historische Kulisse ein, die schon die beliebteste Schriftstellerin der englischen Literatur inspirierten: Jane Austen. Am 18. Juli jährt sich ihr Todestag zum 200. Mal und Bath sonnt sich noch mehr als sonst im Glanz der weltweit berühmten Autorin, deren Werk und Leben eng mit dem Städtchen, seit 1987 aufgrund der römischen Bäder und der georgianischen Architektur mit dem Prädikat Unesco-Weltkulturerbe ausgestattet, verbunden sind.

Mindestens zwei Mal besuchte die junge Frau, die sieben Geschwister hatte, Ende des 18. Jahrhunderts Englands mondänsten Kurort, bevor sie 1801 mit ihren Eltern und ihrer Schwester Cassandra vom ländlichen Hampshire nach Bath übersiedelte. Da hatte sie bereits „Stolz und Vorurteil“ verfasst, jenen Roman, der selbst zwei Jahrhunderte später noch die Herzen von Romantikern höher schlagen lässt und der, wie auch Austens andere Werke, etliche Male verfilmt wurde. Eine Nachbarin der Familie verurteilte die Geschichte nach der Lektüre damals dagegen als „völligen Unsinn“.

Das Städtchen Bath als Heiratsmarkt

Mit „Persuasion“ („Überredung“) und „Northanger Abbey“ („Die Abtei von Northanger“) spielen zwei von Austens insgesamt sechs Romanen in Bath und Romantiker pilgern bis heute mit Buch in der Hand an jene Orte, die Erwähnung finden. In den prächtigen Assembly Rooms etwa tanzte die vornehme Gesellschaft, trank Tee und heiratswillige Damen versuchten, die Aufmerksamkeit der reichen Männer zu erhaschen. So auch Jane Austen. „Sie gehörte zu den vielen Frauen in der Stadt, die darauf hofften, einen Ehemann zu finden“, sagt Jackie Herring.

Die 59-Jährige organisiert nicht nur das jährlich im Sommer stattfindende Jane-Austen-Festival, bei dem hunderte Austen-Anhänger aus aller Welt in historischen Kostümen und großen Federhüten durch den Ort flanieren oder in Kursen mehr über die damalige Epoche erfahren, die Austen mit viel Genauigkeit ausgeleuchtet hat. Herring ist auch Superfan. „Ich lebe, esse, atme und schlafe Austen“, sagt sie und lacht auf. Und obwohl sie die Romane bereits unzählige Male gelesen habe, immer wieder finde sie neue Details, die sie faszinieren. „Ihre Art, Dinge zu beschreiben, ist einfach wunderbar, sehr humorvoll und unterhaltsam. Vieles ist außerdem bis heute gültig.“ Ratschläge in Beziehungsfragen etwa oder allgemeine Tipps für den Alltag.

Herring zeigt auf die Kristalllüster und den Stuck an Wänden und Decken der Säle in den Assembly Rooms, wo sich Liebschaften anbahnten. Bath sei sowas wie ein Heiratsmarkt gewesen. Deshalb brachten die Eltern nach der Pensionierung des Vaters auch Jane Austen und ihre geliebte Schwester Cassandra hierher. Die 1775 geborene Austen, damals schon 25 Jahre alt, bekam wie gewünscht einen Heiratsantrag, den sie aber nach einer schlaflosen Nacht ablehnte. „Ich denke, sie wollte niemanden wegen seines Geldes heiraten, sondern aus Liebe“, so Herring. „Das war sehr progressiv.“

Im Kurort fand die Familien kein Glück

Das Handy der Britin klingelt, es ist die Filmmelodie von „Stolz und Vorurteil“. Während sie in aller englischen Höflichkeit und mit feiner Ironie den Landadel, dessen Abgründe und Codes sowie die Sehnsucht der Menschen nach der großen Liebe beschreibt und in den Romanen die Heldinnen am Ende den Richtigen finden, blieb Jane Austen bis zu ihrem Tod, dessen Ursache nicht ganz klar ist, mit 41 Jahren unverheiratet. Auch ihren Ruhm sollte sie niemals erleben. Die Werke, darunter „Sense and Sensibility“ (Verstand und Gefühl) und „Emma“, wurden erst später unter ihrem echten Namen veröffentlicht.

„Hach! Wer könnte jemals genug von Bath bekommen?“, meint Catherine Morland aus Northanger Abbey und es spricht die vom Land kommende Jane Austen heraus, die wie ihre Protagonistin von dem Reiz und der Belebtheit der eleganten Stadt zunächst verzaubert war. Doch ihr Verhältnis gegenüber der Stadt, in dem ihre Eltern geheiratet hatten, änderte sich, nachdem die Familie sich hier niederließ und insbesondere, als ihr Vater starb, sodass nicht nur das Geld, sondern auch die Einladungen zu gesellschaftlichen Bällen knapper wurden. Mitglieder der reichen Klasse begegneten der aus der Mittelschicht stammenden, alleinstehenden Jane Austen nun mit Überheblichkeit.

1806 zog die Mutter mit Jane und ihrer Schwester Cassandra weg, erst nach Southampton, dann nach Chawton in der Grafschaft Hampshire. Austen bezeichnete es als „glückliche Flucht aus Bath“, wie Fay Bates sagt. Die Stadtführerin trägt natürlich Kostüm und Haube, während sie Austen-Fans an Zitate erinnert und an ehemaligen Wohnstätten, hochherrschaftlichen Häusern aus Sandstein oder dem neo-klassizistischen Pump Room vorbeigeleitet, wo Austen ebenfalls regelmäßig zum Nachmittagstee oder Plauschen einkehrte. Wege, die die begeisterte Spaziergängerin Austen genauso abging wie einige der Heldinnen, können bis heute nachvollzogen werden, insbesondere jene raus der Stadt in Richtung der sieben Hügel in die Natur.

In der Gay Street dann, nicht weit vom halbmondförmigen Straßenzug Royal Crescent entfernt, widmet sich ein Zentrum der Autorin, in dem Kostüme, Briefe aus jener Zeit sowie Möbel und Devotionalien ausgestellt sind. Zudem überrascht eine lebensgroße Wachsfigur von Austen sowie eine von Mr. Darcy, mit dem Besucher unentwegt Selfies machen. „Er ist sowas wie ein Idealbild“, sagt Festival-Direktorin Jackie Herring. „Jede Frau will einen starken Mann.“ Und genau das sei er, zudem unabhängig und gutaussehend. Bilder des britischen Schauspielers Colin Firth hängen an den Wänden, er gilt als Traumbesetzung und perfekte Verkörperung der Romanfigur. Die Verkaufsschlager im Souvenirladen sind dann auch T-Shirts, Schlüsselanhänger oder Badges, auf denen stets ein Satz geschrieben steht: „I love Mr. Darcy.“

Von Katrin Pribyl/RND

England feiert Jane Austen. Vor 200 Jahren, am 18. Juli 1817, starb die heute weltberühmte Autorin. Die Verfasserin von „Stolz und Vorurteil“ oder „Vernunft und Gefühl“ wäre im 19. Jahrhundert fast vergessen worden, doch heute werden ihre Bücher Jahr für Jahr millionenfach verkauft. Dabei weiß man wenig über ihr wahres Leben.

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