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Kultur „Happy Family“ – Wenn Dracula den Tango tanzt
Nachrichten Kultur „Happy Family“ – Wenn Dracula den Tango tanzt
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00:00 23.08.2017
Lieblingstanz der Vampire: Dracula versucht Emma mit einem Tango von seiner Leidenschaft zu überzeugen. Den Vampirfürsten spricht Comedian Hape Kerkeling mit slawischem Zungenschlag. Quelle: Foto: Warner
Hannover

Tanzt du gut Tango, dann wird’s auch was mit der Liebe. Darauf vertrauen Filmfreunde, seit Jack Lemmon und Joe E. Brown beim Tango in Billy Wilders „Manche mögen’s heiß“ die Rose mit den Zähnen tauschten. Darauf vertraut auch Dracula, der in „Happy Family“ mit der angebeteten Emma über die geschliffenen, rotschwarzen Burgfliesen fegt. Der untote Graf hat sich nach einem versehentlichen Smartphonetalk unsterblich in die Sterbliche verliebt und sie von einer ihm verpflichteten Hexe in eine Vampirin mit Seele verzaubern lassen. Dass Emma Familie hat, stört ihn dabei wenig. Er vertraut auf sein Charisma, sein weltmännisches Auftreten, seine Schwüre und eben auf die Macht des Tangos.

Der Ist-Zustand: Familie ist was Fragiles

„Happy Family“ ist der neue Film von Ambient Entertainment, dem hannoverschen Animationsstudio, das 2004 mit „Back to Gaya“ den ersten abendfüllenden deutschen Computertrickfilm vorlegte und auch für die beiden „Urmel“-Filme und den mehrfach ausgezeichneten Film „Konferenz der Tiere“ verantwortlich zeichnet. Zunächst geht es in dessen neuem Kinostück allerdings eher „unhappy“ zu.

Die kleine Buchhändlerin Emma Wünschmann trauert um die guten alten Zeiten, in denen ihre Familie noch glücklich war und alle naselang was zusammen unternahm. Ihr Mann Frank ist inzwischen heillos unter Überstunden begraben, ihre Tochter Fee pubertiert sich mit spitzer Zunge durchs Nervenkostüm ihrer Eltern, und der extrakluge kleine Sohn Max wird in der Schule als Streber getriezt. So schneidert sie ein paar Gewänder, um gemeinsam auf einem Kostümfest als klassisches Monsterquartett aufzutreten, als Vampirlady (Emma), Frankensteins Monster (Frank), Mumie (Fee) und Werwolf (Max). Alle finden die Idee zwar blöd und niemand hat Lust, am Ende aber machen alle mit. Das ist der Abend, an dem Draculas Hexe ihren Zauber ausschüttet. Und weil diese Baba Yaga nicht gerade zu den magischen Edelstäben zählt, werden auch die anderen drei zu Monstern. Cool findet das nur Max, weil man als Werwolf den Klassenbullys endlich mal Zähne zeigen kann. Emma lernt dann immerhin Dracula kennen, der interessant und galant zu sein scheint und viel aufregender als ihr immermüder Gatte, der von Stressflatulenzen geplagt wird.

Höhere Erfolgschancen als Ambients unglücklicher „Tarzan“

Nachdem Ambients vorige Veröffentlichung, ein Computertrickversuch an der Geschichte des Dschungelkönigs „Tarzan“, an den Kassen wenig Beachtung fand - der Schatten des klassischen Disney-Zeichentrickfilms war einfach zu groß – hat der neue Film aus Hannover das Zeug zum Erfolg. Grundlage ist der gleichnamige Roman von David Safier (Grimme- und Emmy-Preisträger für die von ihm geschriebene Sitcom „Berlin, Berlin“). War dessen in der deutschen Hauptstadt spielendes Buch ein Märchen für Erwachsene, hat die zwecks besserer internationaler Vermarktbarkeit nach New York verlegte Verfilmung eine Freigabe ab 0 Jahren. Tappe weiß dabei genau, wie stark man für die jüngsten Zuschauer beschleunigen darf, ohne jemanden zu überfordern. Und obwohl sich hier wirklich allerhand Monster tummeln, von denen einige auch richtig Übles im Sinn haben, wird es niemals zu gruslig. Dafür witzig, mal rustikal, mal feiner.

Was auch daran liegt, dass Hape Kerkeling den Dracula spricht, der das „r“ transsilvanisch rollt und jedes „h“ hübsch wie ein „ch“ anröchelt. Der Zahngraf hier hat zwar auch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem verstorbenen britischen Dracula-Darsteller Christopher Lee, ist dabei aber nur sehr dezent monströs - ein selbstverliebter Technovampir, der in seinem düsengetriebenen Sonnenschutzanzug eher an Batman erinnert, der Blutersatzpillen einwirft und in seinem Empfangssaal einen roten Rollteppich anwerfen kann, damit sein buckliges Faktotum Renfield (gesprochen von Oliver Kalkofe) schneller zu ihm kommt.

Man nimmt es diesem Dracula freilich nicht recht ab, dass er nach seinem völlig unerwarteten Liebespech beim Tango (Emma entscheidet sich für ihre Familie) die ganze Welt untergehen lassen möchte und nun wie ein transsylvanischer Darth Vader an einem gigantischen Schneeball arbeitet, mit dem er die Sonne zum Erlöschen bringen möchte. Indes – was weiß unsereins schon über die Romantik der Vampire? Gary Oldman war in Francis Ford Coppolas „Dracula“ (1992) ja auch liebeskrank.

Die Losung am Ende: Familie ist was Wunderbares

Die Optik von „Happy Family“ kann sich mit amerikanischen Meistern messen, die Räumlichkeit der 3D-Bilder ist beeindruckend bis – wenn etwa zu Filmbeginn Dracula auf sein Schloss zuschwebt – spektakulär. Dass am Ende der schlichten, nicht immer ganz logischen Geschichte (wie groß müsste wohl ein Eisball sein, um die Sonne zu kühlen?) alles gut wird, versteht sich von selbst. Familie ist was Wunderbares, heißt hier die erwartete Losung. Man muss eben nur am Glück arbeiten. Was die Ambients tun, die ihren Film bisher schon in 92 Länder (und 27 Sprachen) verkauft haben und – so Holger Tappe, „die 100 voll machen“ wollen. Beim Nachhausegehen beschließt man dann, mal wieder was mit der ganzen Familie zu unternehmen. Es muss ja nicht gerade ein Kostümfest sein.

Mit den Filmmonstern auf dem Rummelplatz

P. S.: Mit den Wünschmanns kann man auch Achterbahn fahren. Im Europapark Rust sitzen sie immer einen Waggon weiter vorn. Besteigt man dort den Pegasus YoungStar Coaster und setzt sich eine Virtual-Reality-Brille auf, dann braust man mit Holger Tappes animierten Helden durch die Gruselwelt des Ambient-Films. Man wird Zeuge, wie die Hauptcharaktere des Films von der plötzlich auftauchenden Baba Yaga verhext werden. Die Landschaft wechselt zudem zu transsilvanischen Wäldern und von einem sehr hohen Gebirgsgipfel scheint man in ein sehr, sehr tiefes Tal zu stürzen, wobei sich dann noch – Gipfel des Nervenkitzels – die Gleise der Bahn auflösen. Achterbahn wird so zu Geisterbahn, freilich zu einem nicht unerheblichen Aufpreis von zwei Euro pro Ticket und Person. Die sogenannten „Coastiality Rides“ wurden 2017 in Berlin mit dem deutschen Computerspielpreis 2017 in der Kategorie „Beste Innovation“ ausgezeichnet. Tappes Dracula, immer für den neuesten Schnickschnack zu haben, würde seine Empfehlung aussprechen.

Von Matthias Halbig / RND

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