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Kultur Göttlicher Angeber – „Thor 3“
Nachrichten Kultur Göttlicher Angeber – „Thor 3“
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16:31 01.11.2017
Superhelden nach dem Einsatz: Hulk (Mark Ruffalo), Thor (Chris Hemsworth), Valkyrie (Tessa Thompson) und Loki (Tom Hiddleston). Quelle: Foto: Disney
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Hannover

„Ich bin Thor, Sohn des Odin, Gott des Donners!“ Ja, ja, schon klar. So richtig will sich keiner mehr von den Worten beeindrucken lassen, mit denen sich der nordische Gewittergott vorstellt. Aus den Ketten der Gefangenschaft des gigantischen Feuermonsters kann sich Thor (Chris Hemsworth) mit gewohnter Kaltschnäuzigkeit noch befreien, aber dann ist Schluss mit lustig für den göttlichen Angeber. Papa Odin (Anthony Hopkins) macht im norwegischen Exil einen finalen Abgang. Die Heimat Asgard scheint dem Untergang geweiht. Dann ist da noch die Sache mit dem Hammer: Die böse Schwester Hela (Cate Blanchett) hat die Wunderwaffe des Donnergottes kaputt gemacht.

Als veritable Rächerin ist Hela in Gestalt von Cate Blanchett hier unterwegs: eine matriarchale Angstfantasie mit schwarzen Lidschatten-Orgien um die Augen und einem okkulten Hirschgeweih auf dem Kopf ist furios. Lässig zerbröselt Hela mit einer Hand den Wunderhammer, aus dessen Kräften sich die omnipotente Selbstverständnis des kleinen Bruders speiste – und schon nach kaum 20 Kinominuten wird klar, dass Regisseur Waititi dieses Superhelden-Franchise gründlich gegen den Strich bürstet. Der Alpha-Mann landet erst einmal auf der Müllkippe eines fremden Planeten und wird von der versoffenen Kopfgeldjägerin Valkyrie (Tessa Thompson) im Schleppnetz an den örtlichen Herrscher verscherbelt.

Ein Diktator irgendwo zwischen Nero und Heidi Klum

Und nun gelingt Waititi der zweite Besetzungs-Coup: Jeff Goldblum spielt den Diktator mit seiner ihm eigenen irrwitzigen Präzision irgendwo zwischen Nero und Heidi Klum. „Früher warst du niemand. Jetzt bist du jemand“ lautet das populistische Firmenmotto auf seinem Planeten, dessen „Grandmaster“ das Volk mit Gehirnwäsche, Gewalt und Gladiatorenspektakeln gefügig hält. Auch Thor wird in die Arena geschickt, wo er auf einen alten Bekannten trifft.

Nach seiner schrägen Vampirkomödie „5 Zimmer Küche Sarg“ hat sich der Neuseeländer Taika Waititi aus dem heimischen Underground-Kino direkt nach Hollywood katapultiert, „Marvel“ hätte keine bessere Einstellungsentscheidung treffen können. Waititi bringt jenen frischen Blick auf das Superhelden-Genre mit, den das oftmals selbstherrliche „Marvel Universum“ dringend nötig hat. Immer wieder bricht Waititi das heroische Pathos pointiert auf und findet selbst im Digitalgewitter des Finales noch Zeit für abrupte Ironisierungen. Der Schlüssel zur Erneuerung liegt im feministischen Input, mit dem die Hypermaskulinisierung des Genres süffisant unterwandert wird.

Frauenfiguren steigern die Coolness

Nach dem Erfolg von „Wonder Woman“ des Konkurrenten DC scheint sich auch bei „Marvel“ allmählich die Erkenntnis durchzusetzen, dass starke Frauenfiguren die Coolness eines Produkts erheblich steigern. Selbst wenn der gepeinigte Thor am Ende auch ohne seinen Hammer noch ein bisschen die Welt retten darf, sind es Blanchetts grandiose Finsterfrau Hela und die superlässige Valkyrie von Tessa Thompson („Selma“, Netflix-Serie „Dear White People“), die den Film tragen.

Bis zur vollständigen Koedukation – von Gleichberechtigung ganz zu schweigen – wird im Superhelden-Genre ebenso wie in den Chefetagen Hollywoods noch einige Zeit ins Land ziehen, aber mit „Ghost in the Shell“, „Wonder Woman“, diesem feinen „Thor“ und der Entlassung Harvey Weinsteins wurde im laufenden Kinojahr auf jeden Fall der richtige Weg eingeschlagen.

Von Martin Schwickert / RND

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