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Kultur Geht Feine Sahne Fischfilet zur Bauhaus-Uni nach Weimar?
Nachrichten Kultur Geht Feine Sahne Fischfilet zur Bauhaus-Uni nach Weimar?
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16:05 22.10.2018
Die Bauhaus Universität in Weimar. Quelle: picture alliance/dpa
Weimar

Der Bauhaus-Professor Max Welch Guerra möchte die Band Feine Sahne Fischfilet nach Weimar einladen. Dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sagte der Professor für Urbanistik von der Bauhaus Universität Weimar: „Ich würde die Band gerne nach Weimar holen. So geht es auch den anderen Studenten und Professoren in Weimar.“

Welch Guerra kritisierte die Entscheidung der Stiftung Bauhaus Dessau, ein für den 6. November geplantes Konzert der Band abzusagen. „Ihre Erklärung, man wolle kein Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden, ist geschichtsvergessen“, so Welch Guerra gegenüber dem RND. Als in Weimar 1924 rechte Parteien die Regierung übernahmen, hätte das Bauhaus ein Jahr später nach Dessau weiterziehen müssen. Auch von dort seien sie durch Rechtsnationale verfolgt und nach Berlin vertrieben worden. Unter dem Druck der Nationalsozialisten habe sich das Bauhaus schließlich auflösen müssen.

„Deswegen bin ich so unglücklich darüber, dass eine Bauhaus-Institution sofort dem rechten Druck nachgibt.“ Ohne die Einflussnahme der AfD wäre es in der vergangenen Woche in Dessau nicht zu der skandalösen Absage gekommen, so Welch Guerra. Rund um die Absage des Konzertes ist eine Debatte über Kunstfreiheit entbrannt. Sein Kollege Hans-Rudolf Meier, ebenso Professor an der Bauhaus Uni in Weimar, fügt gegenüber dem RND hinzu: „Es ist sicher kein guter Vorbote des Jubiläumsjahrs, in dem das Bauhaus als Instanz gesellschaftlichen und künstlerischen Aufbruchs zelebriert werden soll. Dazu passt gar nicht, dem Druck von rechts in gewissermaßen vorauseilendem Gehorsam nachzugeben. Dies in einer Zeit, in der die extreme Rechte ihren Einfluss in die Mitte der Gesellschaft auslotet und versucht, die politische Agenda zu diktieren.“ Die Absage des Konzerts werde entsprechende Kreise ermuntern, auf diesem Weg weiteren Einfluss zu gewinnen, so Meier weiter.

Absage an Feine Sahne Fischfilet: Schlechter Auftakt für Bauhaus-Jubiläum

Das ZDF hatte für den 6. November ein Konzert mit der Band geplant. Das Bauhaus machte daraufhin von seinem Hausrecht Gebrauch und untersagte die Veranstaltung. Die Stiftung habe unmittelbar nach der Veröffentlichung des Konzerttermins beobachtet, dass rechte Gruppierungen in sozialen Netzwerken gegen den Abend mobilisierten, hieß es zur Begründung. Man befürchte daher Demonstrationen vor der eigenen Tür. Feine Sahne Fischfilet trat zuletzt als eine der Bands des Konzerts gegen rechte Gewalt in Chemnitz in Erscheinung. Ihre Fans stammen aus dem linken Spektrum.

„Das war ein schlechter Auftakt für das Bauhausjahr. Wir haben das hundertste Jubiläum jahrelang vorbereitet, und nun sind wir mit der Absage des Konzerts in aller Munde“, sagte der Professor. Am Montag ist das offizielle Bauhaus-Semester der Uni in Weimar anlässlich der hundertjährigen Gründung des Bauhaus gestartet. Welch Guerra findet, dass sich die Erben des Bauhaus heute nicht aus politischen Debatten heraushalten können: „Wir, die wir den Namen Bauhaus tragen, müssen uns nun fragen, wie wir mit zunehmenden rechten Tendenzen in der Gesellschaft umgehen.“

Offener Brief an Bauhaus-Direktorin: Kritik von den Bauhaus-Institutionen

Welch Guerra hat mit vier Kollegen der Bauhaus-Universität einen offenen Brief an die Stiftungsdirektorin in Dessau, Claudia Perren, geschrieben. Darin kritisieren sie, dass sich die Stiftung Bauhaus Dessau „politischem Druck von rechts beugt“. Ähnlich hatte sich auch die Kulturstaatsministerin Monika Grütters geäußert.

Eine andere Einladung erhielt die linke Punkband aus der Hauptstadt: Berlins Kultursenator Klaus Lederer von der Linken hat die Musiker rund um Sänger Jan Gorkow in das Bauhaus-Archiv in die Hauptstadt eingeladen.

Auch das Anhaltische Theater Dessau lenkte inzwischen ein: „Die abschlägige Antwort auf eine kurzfristige Anfrage der Medien war schlecht überlegt und falsch“, teilte das Theater am Montag mit. Man habe bei der Band um Entschuldigung gebeten. Der Diskurs über Kunst könne nur geführt werden, wenn sich die Kunst unbedingt in aller Freiheit präsentieren könne. „Der Auftritt wird am 6. November in Dessau stattfinden. Näheres werden die Veranstalter in Kürze mitteilen“, hieß es. Ende vergangener Woche hatte das Anhaltische Theater erklärt, es werde nicht als alternativer Veranstaltungsort einspringen. Das Anhaltische Theater teilte nun zur Begründung mit: „Als das heutige Gebäude des Theaters errichtet wurde, wurden Künstler gegängelt, an der Ausübung ihres Berufs gehindert und massenweise vertrieben, verschleppt und getötet. Dem Theater ist bewusst, dass Versuchen, die Kunst zu behindern, jederzeit entgegengetreten werden muss.“

Von Geraldine Oetken / RND

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