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Kultur Frida Kahlo, Pionierin der Selfie-Kultur
Nachrichten Kultur Frida Kahlo, Pionierin der Selfie-Kultur
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15:02 18.06.2018
Frida Kahlo war eine Meisterin der Selbstinszenierung. Quelle: Victoria and Art Museum
London

Frida Kahlo ist selbst das größte Meisterstück im Werk der mexikanischen Künstlerin. Sie malte sich selbst mit farbenfrohen Schals, bestickten Blusen und bodenlangen Röcken, mit denen sie ihre indigenen Wurzeln betonte und sich ein Image kreierte. In gewisser Weise war sie eine Pionierin der heutigen Selfie-Kultur. Das zeigt eine neue Ausstellung im Londoner Victoria and Albert Museum.

Kahlos Garderobe war 50 Jahre im „Blauen Haus“ am Rand von Mexiko-Stadt weggesperrt, in dem die Künstlerin mit ihrem Ehemann Diego Rivera wohnte – bis im Jahr 2004 die Kleider neben Briefen, Schmuck, Kosmetika, Fotos, medizinischen Korsetts und Medikamenten entdeckt wurden. Nun präsentiert das Londoner Museum die Sammlung erstmals außerhalb Mexikos. Bis zum 4. November werden mit „Frida Kahlo: Making Her Self Up“ mehr als 200 der Stücke gezeigt, daneben einige der berühmten Selbstporträts und Fotos der Feministin, die heute als Ikone gefeiert wird und mit ihrem Konterfei alles ziert, was sich im Museumsladen verkaufen lässt. Die Künstlerin als Kunstfigur, auf Kissenbezügen und Küchenmagneten, Taschen und Tassen.

Bunte Kleidung, markante Augenbrauen: Frida Kahlo hat sich selbst zum Kunstwerk gemacht – wie diese Bildergalerie zeigt.

Unverwechselbar der Damenbart und die Zigarette im Mund, aber vor allem die zusammengewachsene Monobraue, die Kahlo stets mit einem Augenbrauenstift hervorhob. Dessen Farbe war Ebenholz, wie der Besucher der Londoner Schau lernt. Daneben liegen ihr Lieblingslippenstift und beinahe leere Nagellack-Fläschchen. „Sie konstruierte ihre eigene Identität“, sagt Co-Kuratorin Claire Wilcox. Dafür änderte die überzeugte Kommunistin sogar ihr Geburtsjahr von 1907 zu 1910 – es markierte den Beginn der mexikanischen Revolution.

Doch trotz Make-up, Kleider und Halsketten ist es doch vornehmlich der Schmerz, der den Zuschauer durch die Ausstellung begleitet. Das Morbide mischt sich unter das Schöne. Bereits im Alter von sechs Jahren erkrankte Kahlo an Kinderlähmung. Zwölf Jahre später rammte eine Tram den Bus, in dem die 18-jährige Studentin saß. Eine metallene Griffleiste bohrte sich ihr in den Leib und verwandelte ihr Leben in „Jahrzehnte voller Qualen“, wie die Tochter eines gebürtigen Deutschen und einer Mexikanerin mit indianischen und spanischen Wurzeln später sagen wird. Es folgten über die Jahre etliche Wirbelsäulenoperationen und die Amputation ihrer Zehen. Und doch - erst durch den Unfall fing Kahlo mit der Malerei an. „Ich bin nicht krank, sondern gebrochen. Aber ich bin glücklich, am Leben zu sein, solange ich malen kann“, sagte die Inszenierungskünstlerin einmal. Kurz vor ihrem Tod 1954 im Alter von 47 Jahren nahmen ihr die Ärzte das rechte Bein unter dem Knie ab.

Lederstiefel mit Absatz und Beinprothese

Es sind die von ihrem Gesundheitszustand erzählenden Ausstellungsobjekte, die besonders eindrucksvoll sind, fast verstörend intim. So veranschaulicht etwa ein Paar leuchtend roter Lederstiefel mit Absatz und inklusive Beinprothese im rechten Schuh, die Kreativität und Lebensfreude von Kahlo, die trotz Behinderung ihr Stilbewusstsein nicht aufgeben wollte. Und auch ein ihren verkrüppelten Körper stützendes Gipskorsett verwandelte sie in ein Statement, indem sie einen Fötus auf den Bauchbereich malte, darüber Hammer und Sichel. Daneben liegt ein weiteres Korsett, in dessen Mitte unter dem Symbol des Kommunismus ein Loch klafft – eine Anspielung auf die Kinderlosigkeit der Künstlerin. Kahlo erlitt drei Fehlgeburten. Und ihr berühmter Künstler-Ehemann Diego Rivera ging notorisch fremd. Die Beziehung bezeichnete sie als den „zweiten großen Unfall“, insbesondere seine Affäre mit der jüngeren Schwester Cristina verletzte sie tief, auch wenn sie später selbst Liebhaber wie den Revolutionär Leo Trotzki haben sollte.

Doch dem Qualvollen rang Kahlo eine ganz besondere Ästhetik ab. Bilder wie „Die gebrochene Säule“ oder „Henry-Ford-Hospital“ spiegeln den Schmerz und die traumatischen Erlebnisse der versehrten Schönen wieder. Insbesondere der auffällige Kontrast zwischen ihren Selbstporträts und den Fotos ist für den Ausstellungsbesucher faszinierend zu beobachten. Kahlo malte sich weniger schön, als sie in Wirklichkeit war. Sie zeigte nicht ihre äußerliche Erscheinung, sondern ihren inneren Gemütszustand.

Von Katrin Pribyl/RND

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