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Kultur Hiebe statt Liebe – „Nach dem Urteil“
Nachrichten Kultur Hiebe statt Liebe – „Nach dem Urteil“
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09:01 22.08.2018
Schwierige Beziehung: Vater Antoine (Denis Ménochet), Sohn Julien (Thomas Gioria). Quelle: Foto: Weltkino
Hannover

Alle zweieinhalb Tage stirbt in Frankreich eine Frau an den Folgen häuslicher Gewalt. In Deutschland fanden durch Partnergewalt 149 Frauen allein 2016 den Tod. Trotz dieser Zahlen liegt oft ein Schweigen über diesem Thema. Freunde und Familienmitglieder wollen sich nicht einmischen, nicht Partei ergreifen. Regisseur Xavier Legrand illustriert in seinem ersten langen Spielfilm das Wesen dieser Gewalt – es geht um die männliche Dominanz in Beziehungen, um Hiebe statt Liebe.

Die Eltern sind längst Welten voneinander entfernt

Der Beginn ist fast dokumentarisch und in Echtzeit: Miriam (Léa Drucker) und Antoine (Denis Ménochet) treffen sich nach der Trennung vor Gericht. Sie sitzen nebeneinander, sind aber Welten voneinander entfernt. Ist der ruhig wirkende Typ wirklich ein brutaler Schläger? Bereut er sein Verhalten, oder hat er nur Kreide gefressen? Übertreibt die zerbrechlich wirkende und dennoch starke Frau, um sich zu rächen?

„Ich kann nicht beurteilen, wer von Ihnen beiden mehr lügt“ sagt die Familienrichterin und spricht dem unberechenbaren Ex-Mann ein regelmäßiges Besuchsrecht für den elfjährigen Julien (Thomas Gioria) zu.

Nach dem Urteil ist vor der Eskalation

Nach dem Urteil eskaliert die Situation sukzessive. Wenn der Vater ihn abholt, sitzt der eingeschüchterte Junge wie ein Häufchen Elend im Auto, spricht kaum, taut nur bei den Großeltern etwas auf, die sich freuen, den Enkel zu sehen. Antoine bemüht sich um Verständnis, rennt aber gegen eine Mauer. Er versucht, das Kind zu manipulieren und Einfluss auf die Mutter auszuüben.

Antoine möchte, dass alles ist wie früher und steigert sich in Wut hinein. Als Miriam aus Angst vor ihm in eine andere Wohnung zieht, zwingt er Julien, ihn mit in das neue Domizil zu nehmen. Irgendwann rastet er aus.

Inspiration von „Kramer gegen Kramer“ bis „Shining“

Der Regisseur ließ sich nicht nur von Klassikern wie „Kramer gegen Kramer“ inspirieren, sondern im letzten Teil des Films auch von „Shining“: Dann fegen Wahnsinn, Psychoterror und physische Gewalt jegliche Rationalität hinweg. Atmosphärische Spannung entsteht hier nicht durch Musik, sondern durch alltägliche Geräusche. Es ist die Normalität, die für Schrecken sorgt.

Legrand, der während der Recherche an Gruppentherapie-Sitzungen für gewalttätige Männer teilnahm, verliert sich nicht in simple Gut- oder Böse-Kategorien. Er zeigt die Ohnmacht der Frau und in der männliche Figur die Ambivalenz eines unglücklichen Menschen, der geliebt werden möchte, ohne selbst lieben zu können.

Thomas Gioria spielt das Leid des Scheidungskinds eindrucksvoll

Der schonungslose Mix aus Sozialdrama und Thriller geht dem Zuschauer unter die Haut – und das liegt nicht zuletzt an dem jungen Thomas Gioria, der in seiner Verletzlichkeit und Traurigkeit für das Leid vieler Scheidungskinder steht.

Von Margret Köhler / RND

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