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Kultur „Meine Tochter“: Zwischen zwei Müttern
Nachrichten Kultur „Meine Tochter“: Zwischen zwei Müttern
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18:01 29.05.2018
Drei Herzen in der Happy-End-Maschine: Vittoria (Sara Casu, l.) fühlt sich zwischen Tina (Valeria Golino, r.) und Angelica (Alba Rohrwacher) hin- und hergerissen. Quelle: Foto: Real Fiction
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Hannover

Ein Mädchen sieht am Rande eines Rodeos, wie eine Frau mit einem Typ rummacht – und sucht Zuflucht in den Armen ihrer Mutter. Mit dieser Eröffnungsszene steckt Laura Bispuri die beiden Pole ihrer Figurenkonstellation ab: auf der einen Seite die behütende Tina (Valeria Golino), auf der anderen die leichtlebige Angelica (Alba Rohrwacher). Dazwischen steht die neunjährige Vittoria (Sara Casu), die nicht weiß, dass die Frau, die sie gerade beobachtet hat, ihre leibliche Mutter ist.

Das Drama nimmt seinen Lauf, als die verschuldete Angelica Sardinien verlassen will und Tina bittet, ihr Vittoria noch einmal vorbeizubringen. Mit ungutem Gefühl im Bauch folgt Tina ihrer Bitte. Das Treffen steht unter keinem guten Stern. Doch Vittoria scheint etwas zu ahnen – und sucht die „Signora“ immer wieder auf.

Es entsteht nie der Eindruck einer Versuchsanordnung

Die Regisseurin lässt den Zuschauer über die Hintergründe des Arrangements um das Kind im Unklaren. Sie konzentriert sich auf das Hier und Jetzt und tariert die Perspektiven ihrer drei Hauptfiguren fein gegeneinander aus. Dass dabei trotz der so gegensätzlich gezeichneten Frauen nie der Eindruck einer Versuchsanordnung entsteht, liegt an Bispuris einfühlsamer Regie sowie an ihren Darstellerinnen, die ihre Charaktere mit Leben füllen.

Tinas Verlustangst ist jederzeit nachvollziehbar, während Alba Rohrwacher hinter Angelicas schroffer Fassade noch jede feinste Regung von jäh erwachten Muttergefühlen sichtbar macht. Zudem entpuppt sich Sara Casu als Naturtalent. Man versteht bei ihrem Spiel sofort, warum sich Vittoria zu Angelica hingezogen fühlt, obwohl diese sich ihr gegenüber fragwürdig verhält.

Angelica weckt in der Neunjährigen Neugier und Abenteuerlust. Nicht zuletzt deshalb gewinnt Vittoria an innerer Stärke – und verwandelt sich schließlich von einem Mädchen zwischen zwei Müttern in ein Mädchen mit zwei Müttern.

Von Jörg Brandes / RND

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