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Kultur „Glass“ – Die fantastischen Drei von Shyamalan
Nachrichten Kultur „Glass“ – Die fantastischen Drei von Shyamalan
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10:42 15.01.2019
Stunde der Wahrheit: Elijah Price (Samuel L. Jackson, v. l.) Kevn Wendell Crumb (James McAvoy) und David Dunn (Bruce Willis) in der Therapiesitzung. Quelle: Disney
Hannover

Er ist der Experte für das Übernatürliche. Je rätselhafter eine Geschichte anmutet, umso besser. Nach dieser Maxime konzipiert der 1970 geborene Regisseur und Drehbuchautor M. Night Shyamalan seit seinem Blockbuster „The Sixth Sense“ (1999) jeden neuen Film. Dies kann man genial finden oder auch etwas langweilig, aber einlassen auf den schrägen Kosmos des bekennenden Comic-Fans sollte man sich schon.

Shyamalan bietet dem Publikum ein dreifaches Wiedersehen

In Shyamalans neuem, wiederum hochkarätig besetzten Psycho-Thriller „Glass“ gibt es gleich mehrere Wiedersehen mit alten Bekannten. Da ist zunächst der „unverletzliche“ David Dunn, gespielt von Bruce Willis, und sein Gegenpart, der dämonisch-geniale, hochfragile Glasknochenmann Elijah Price (Samuel L. Jackson); die beiden Protagonisten aus Shyamalans Zugunglück-Drama „Unbreakable“ (2000).

Dazu kommt dann noch der Psychopath Kevin Wendell Crumb (James McAvoy), der bereits in Shyamalans vorigem Film „Split“ (2016) für Angst und Schrecken gesorgt hat. Kevin leidet an einer multiplen Persönlichkeitsstörung, verwandelt sich blitzschnell in eine andere Person, und eine davon ist das „Biest“. Immer dann wird es ungemütlich.

Die Therapeutin glaubt nicht an übernatürliche Kräfte – fatal!

Zu Beginn des neuen Thrillers „Glass“ hat Kevin wiederum mehrere Mädchen gefangen genommen. Aber der wortkarge, sichtlich gealterte Security-Mann David Dunn ist dem Wahnsinnigen bereits auf der Spur. Als er die Mädchen aus einem verlassenen Fabrikgebäude befreit, wird er zusammen mit Kevin von der Polizei in eine psychiatrische Klinik gebracht, die wie ein Hochsicherheitsgefängnis ausgestattet ist.

Dort wartet schon der hochintelligente Elijah Price auf die beiden. Die dubiose Psychotherapeutin Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson) möchte ihre drei Patienten davon überzeugen, dass sie sich ihre übernatürlichen Kräfte nur einbilden. Eine fatale Einschätzung, wie sich sehr bald herausstellen wird.

In schier endlosen Wortduellen versucht die Ärztin, die verwundete Psyche der drei Männer zu erkunden. Bruce Willis gibt dabei den großen Schweiger, der in zwei Stunden vielleicht drei Sätze von sich gibt, und sich ansonsten seine Kapuze ins ergraute Gesicht zieht. Dabei wäre der alternde David Dunn, der seine Frau verloren hat und einen fast erwachsenen Sohn hat, eine hochinteressante Figur. Extrem extrovertiert agiert dagegen James McAvoy als multipler Kevin, der bei sich nicht allein zu Haus ist. Irres Grinsen, leuchtender Röntgenblick, dann schwillen die Adern, und er lässt das „Biest“ raus.

M. Night Shyamalan trägt in „Glass immer ein wenig zu dick auf

Wirklich überzeugend wirkt dieses Konzept allerdings nicht: mit drei schillernden Protagonisten verpasst der Film die Chance, wirklich profunde Charakterstudien aus dem Grenzbereich zwischen Genie und Wahnsinn zu entwerfen. Auch die leisen Töne kommen viel zu kurz. Subtil ist in „Glass“ leider wenig, es wird immer zu dick aufgetragen.

Da kann dann ein grandioser Darsteller wie Samuel L. Jackson auch nicht viel ausrichten. Er sitzt fast die ganze Zeit bewegungslos im Rollstuhl, manchmal zuckt ein Augenlid. Welches Trauma er in seinem Inneren vergraben hat, können wir nur ahnen. Schade, dass diese drei großartigen Akteure im Korsett eines reißbrettartigen Regiekonzepts kaum eine Chance zur Entfaltung bekommen.

Von Johannes von der Gathen

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