Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Kultur „Blackkklansman“: Schwarzer Humor
Nachrichten Kultur „Blackkklansman“: Schwarzer Humor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:01 21.08.2018
Ich bin jetzt du, richtig? Die Polizisten Flip Zimmerman (Adam Driver, l.) und Ron Stallworth (John David Washington) klären ihre Identität im Verwechslungsspiel mit dem Ku Klux Klan. Quelle: Universal
Hannover

Als Spike Lee das erste Mal von dieser verrückten Geschichte hörte, fragte er zweifelnd zurück: „Stimmt das wirklich?“ Es ist ja auch schwer zu glauben, was da vor rund 40 Jahren in Colorado geschehen war: Ein schwarzer Polizist unterwanderte in den siebziger Jahren den Ku-Klux-Klan (KKK), war sogar schon für höhere Aufgaben innerhalb der Organisation vorgesehen und brachte letztlich einige rassistischen Rechtsextremisten zur Strecke.

Diese Steilvorlage konnte sich der auf seine älteren Tage gelegentlich so verbiesterte Spike Lee selbstverständlich nicht entgehen lassen – und hat in „Blackkklansman“ trotz des harten Themas tatsächlich seinen Humor wiedergefunden: Das Ergebnis ist eine Komödie mit Agitprop-Grundierung, die sich an den damaligen Dumpfbacken in Colorado weidet, aber die Rechten von heute meint.

Auch Präsident Trump kommt zu Wort

Der Schoß ist fruchtbar noch: Spike Lee („Malcolm X“, „Do The Right Thing“) zieht Parallelen bis zu den Extremisten-Aufmärschen von Charlottesville im Vorjahr und lässt auch den verhassten Präsidenten Donald Trump zu Wort kommen, der sich nicht von den Rechten distanzieren mochte, sondern gute Menschen auf beiden Seiten der Barrikaden entdeckte.

Im Film bremst Lee seinen Zorn nach einem furiosen Intro mit Alec Baldwin als rechtem Hassprediger – und einigen kurzen Ausschnitten aus dem Kinoklassiker „Vom Winde verweht“, in denen der rassistische Nationalismus im Hollywood-Mainstream offenkundig wird.

John David Washington, Sohn des berühmten Vaters Denzel Washington, spielt den cleveren Detective Ron Stallworth. Es ist seine erste Hauptrolle in einem Kinofilm und nach dieser locker-lässigen Vorstellung gewiss nicht seine letzte.

Spike Lee sieht sich „auf der richtigen Seite der Geschichte“

Stallworth stößt auf eine Zeitungsanzeige, in der der Ku-Klux-Klan um Mitglieder wirbt. Aus einer Laune heraus ruft der Polizist unter der angegebenen Nummer zurück, benutzt am Telefon möglichst oft das Wort „Nigger“ und wird geradezu begeistert aufgenommen. Bei den KKK-Treffen kann er sich selbstredend nicht blicken lassen. So schickt er seinen weißen Kollegen Flip Zimmerman (Adam Driver) los – weshalb „Blakkklansman“ nebenbei auch zu einer Buddy-Komödie wird, denn erst einmal müssen sich die beiden Cops zusammenraufen.

In Cannes hatte die Komödie Premiere und dort zeigte sich Lee mit seiner Leistung ausgesprochen zufrieden: „Ich weiß nicht, was die Kritiker sagen werden, aber wir sind auf der richtigen Seite der Geschichte“, so der Regisseur. Die Jury um Cate Blanchett belehnte ihn mit dem Großen Jury-Preis.

Musiklegende und Aktivist Harry Belafonte als Ehrengast

Tatsächlich hat er einen geradezu ausgelassenen Film gedreht. doch macht er es sich letztlich zu einfach, wenn er die KKK-Truppe wie Karikaturen ihrer selbst aussehen lässt. Achten sollte man in jedem Fall auf einen Ehrengast in einer kleinen Nebenrolle: Der ehrwürdige Harry Belafonte spielt einen Bürgerrechtsaktivisten, der mit leiser Trauer in der Stimme Studenten von einen Lynchmord erzählt, bei dem er als junger Mann Augenzeuge war.

Irgendwann nimmt Lee dann seinen eigentlichen Gegner ins Visier, baut aufs Aktuelle gemünzte Zitate wie „America First“ ein oder lässt ein KKK-Mitglied die Eroberung des Weißen Hauses ankündigen. Als Held Stallworth die Hohlköpfe zur Strecke gebracht hat, blendet Lee unverhofft in die Gegenwart: Wir sehen, wie 2017 der Todesfahrer von Charlottesville in die Menschen rast. Die junge Frau Heather Heyer starb bei dieser Attacke. Ihr hat Spike Lee seinen Film gewidmet.

Von Stefan Stosch / RND

Eine Abschiedstournee durch die Welt seiner Kinokloppereien: Terence Hill, der Star zahlloser Haudrauf-Klamotten, greift mit 79 Jahren noch einmal zur Schlagpfanne. In „My Name is Somebody – Zwei Fäuste kehren zurück“ (Kinostart am 30. August) gibt es zahllose Anspielungen auf seine Klamaukklassiker.

21.08.2018

Detlev Buck kann auch noch anderes als „Bibi & Tina“. Mit „Asphaltgorillas“ (Kinostart am 30. August) verfilmt er eine Kurzgeschichte von Ferdinand von Schirach – auf die knallige Art

22.08.2018

Der Berliner Psychologe Ahmad Mansour ist ein Kämpfer gegen Radikalisierung, kritisiert die Islamverbände wie kaum ein anderer Muslim – und hofft auf die einigende Kraft der Verfassung und der Aufklärung. Er will „Klartext zur Integration“ sprechen und macht in seinem neuen Buch einige bedenkenswerte Vorschläge.

21.08.2018