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Kultur „Ballon“: Ein Film mit Luft nach oben
Nachrichten Kultur „Ballon“: Ein Film mit Luft nach oben
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19:15 25.09.2018
Kurz vor dem nächtlichen Start: Der Ballon füllt sich, zwei Familien starten zu einer waghalsigen Flucht. Quelle: Foto: Marco Nagel/Studiocanal
Hannover

Das Erschrecken des potenziellen DDR-Flüchtlings ist nachvollziehbar. Denn diese Frage hätte Peter Strelzyk von seinem Nachbarn nicht erwartet: „Und wann hauen wir ab?“, hat der Stasi-Offizier eben im Auto gefragt. Hat sich Strelzyk verhört? Oder ist das eine Fangfrage? Hat der Nachbar Wind bekommen von Strelzyks Plänen?

Die Fluchtwilligen treibt die Angst vor Entdeckung um

Aber dann sagt der so jovial wirkende Nachbar auch schon: „Na in den Urlaub!“ Gott sei Dank! Denn was niemand wissen darf: Strelzyk (Friedrich Mücke) werkelt mit seinem Freund Günter Wetzel (David Kross) seit mehr als zwei Jahren im heimischen Keller an einem riesigen Heißluftballon, der ihre beiden Familien bei Nacht und Nebel über die deutsch-deutsche Grenze bringen soll.

Die permanente Angst vor der Entdeckung treibt Michael Bully Herbigs Thriller „Ballon“ voran. Die Strelzyks und die Wetzels wagten 1979 das schier Unmögliche und hoben mit acht Personen im selbst gebastelten Gefährt von einer Lichtung in den thüringischen Wäldern ab. Die Geschichte hinter dem Film ist wahr.

Beim ersten Versuch war die Sache schiefgegangen, der Ballon war auf DDR-Gebiet im Sperrbezirk abgestürzt. Nun war ihnen der gesamte DDR-Verfolgungsapparat auf den Fersen. Die Schlinge zog sich mit jedem Tag enger um die beiden Familien zusammen. Bei der Bruchlandung hatten sie diverse Hinweise hinterlassen, die früher oder später auf ihre Spur führen mussten.

Das Wissen um den guten Ausgang ist nicht spannungsfördernd

Wir Zuschauer allerdings wissen, dass die Ballonfahrt über die mörderische Grenze letztlich gut ausgegangen ist. Die Strelzyks und Wetzels entkamen 1979mit knapper Not in den Westen. Auch in den internationalen Medien wurde die waghalsige Aktion als Sensation gefeiert.

Das Wissen um die Rettung wirkt nicht unbedingt spannungsfördernd in einem Film, der voll und ganz auf Spannung setzt. Und so greift Herbig zu allerlei lauteren – und auch unlauteren – Mitteln, um den Thrill anzuheizen.

Wobei man erst mal stutzt: Michael Bully Herbig, der Erfinder der „Bullyparade“? Der Komiker im Winnetou-Kostüm? Der Scherzkeks aus dem „(T)Raumschiff Surprise“? Ausgerechnet dieser Witzbold erzählt jetzt eine Geschichte aus der bitteren deutsch-deutschen Vergangenheit im immer noch ziemlich kalten Kalten Krieg, als an der Schnittstelle zwischen den politischen Blöcken der Schießbefehl galt und Hunderte Menschen ihr Leben zwischen Stacheldraht und Selbstschussanlagen ließen?

Warum sollte Bully immer nur lustig sein müssen?

Andererseits könnte man sagen: Herbig muss ja auch nicht immer nur lustig sein. Er ist auch klug genug, sich nicht selbst vor die Kamera zu drängen und gegen sein Image anzuspielen.

Schon einmal ist dieses Abenteuer verfilmt worden: Disney ließ 1982 in „Night Crossing“ (Mit dem Wind nach Westen) den Ballon mit John Hurt an Bord aufsteigen. Was dem US-Film damals angekreidet wurde, war das fehlende Einfühlungsvermögen in die DDR-Verhältnisse. Und daran mangelt es, wenn auch längst nicht im gleichen Maße, auch Herbig – auch wenn er sich müht, „Ballon“ mit einigem Lokalkolorit anzureichern und Schattierungen zwischen Guten und Bösen aufzutragen. Nicht jede(r) potenzielle Verräter(in) ist am Ende auch eine(r).

Doch was immer sich ersinnen lässt, um die Spannung zu puschen, setzt Herbig ein. Der Film beginnt mit einem (anonymen) Grenztoten, heimtückisch in den Rücken geschossen, der dann keine weitere Rolle mehr spielt – damit ist das Bedrohungsszenario aufgebaut, verstärkt durch unheilvoll anschwellende Musik.

Herbig gelingt momenteweise „Mission: Impossible“-Action

Symbolträchtig steigen immer mal wieder Drachen und Luftballons auf. Jeder Passant auf der Straße scheint ein Spitzel zu sein und äugt argwöhnisch herüber. Jeder Auto- oder Mopedmotor stottert gerade dann, wenn es auf Sekunden ankommt. Momenteweise gelingt es Herbig, die Story zu einer Art „Mission Impossible“ mit DDR-Technik hochzujazzen.

Doch packt er billige Tricks aus der Kinokiste aus. Einmal wähnt sich Peter Strelzyk von Stasi-Schergen zu Boden gedrückt und seinen Sohn schon beinahe erschossen. Im nächsten Moment wacht er auf und hat nur gealbträumt. Ja, sind wir hier bei Bobby Ewing unter der Dusche auf der „Dallas“-Farm? Hätte diese unglaubliche Geschichte diese Verschärfung wirklich nötig gehabt?

Was sich in der kommenden Woche Florian Henckel von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“ ankreiden lassen muss, gilt ebenso für „Ballon“: Westdeutsche Regisseure simplifizieren deutsch-deutsche Geschichte. Dass man auch differenzierter erzählen und die Historie breiter entfalten kann, hat gerade Andreas Dresen mit „Gundermann“ bewiesen.

Thoas Kretschmann glänzt als undurchsichtiger Stasimann

Die interessanteste Figur hier ist Oberstleutnant Seidel (Thomas Kretsch-mann). Gefährlich ruhig ermittelt er, aber man lasse sich von diesem Mann nicht einlullen. Nie weiß man so genau, was der Mann wirklich denkt: „Diese Grenze macht uns zu dem, was wir sind“, sagt er einmal. Und doch: Der Stasi-Offizier etwa in der Fernsehserie „Weißensee“, gespielt von Jörg Hartmann, war noch eine Kategorie gefährlicher in seiner Mischung aus Leutselig- und Bösartigkeit.

Für die Ironie der Geschichte hat Herbig ein Auge: Am Ende springt der Film in die Zukunft. Wir sehen Strelzyk vor dem Fernseher sitzen und hören noch einmal Hans-Dietrich Genscher, der 4000 DDR-Bürgern am 30. September 1989 vom Balkon der Prager Botschaft verkündet, dass sie nun endlich ausreisen dürfen. Es gab also auch mit der Eisenbahn einen Weg in die Freiheit.

Von Stefan Stosch / RND

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