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„Dieses bescheuerte Herz“ – Helfen hilft dem Helfer

Kino „Dieses bescheuerte Herz“ – Helfen hilft dem Helfer

Ziemlich beste Freunde in Deutschland: In „Dieses bescheuerte Herz“ (Kinostart am 21. Dezember) muss ein verwöhnter Arztsohn einen todkranken Jungen betreuen. Für Regisseur Marc Rothemunf scheint die Läuterung von Elyas M’Barek oberste Priorität zu haben.

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Teambuilding auf der Flucht: Lenny Reinhard (Elyas M’Barek) nimmt David (Philip Noah Schwarz) huckepack.

Quelle: Foto: Constantin

Hannover. Ich räum’ das morgen auf, okay?“ sagt der Sohn zum Vater, nachdem er mit dem Audi Cabriolet durch die Garage hindurchgerast ist und den Wagen im Pool versenkt hat. Lenny Reinhard (Elyas M’Barek) ist ein verwöhntes Arztsöhnchen: Studium abgebrochen, jeden Abend Party und Kreditkarte mit Zugang zu Papas prallem Konto.

Unsensible Sprüche gefallen dem Patienten

Aber damit ist nach dem Unterwasser-Parkmanöver Schluss. Der Vater (Uwe Preuss) dreht den Geldhahn zu und verlangt, dass der Sohn sich um einen 15-jährigen Patienten kümmert, der seit seiner Geburt an einem schweren Herzfehler leidet. Wie Falschgeld steht Lenny in seiner schwarzen Designer-Lederjacke im Kinderhospiz, wo David (Philip Noah Schwarz) tagsüber betreut wird und Schulunterricht bekommt.

„Wer hat sich denn den Scheiß ausgedacht?“, sagt Lenny sichtlich empört. Warum soll man zur Schule, wenn man sowieso bald stirbt? Solche unsensiblen Sprüche gefallen David, der von seiner alleinerziehenden Mutter Betty (Nadine Frietz) Zeit seines Lebens überfürsorglich betreut wurde. Wie vom Vater aufgetragen, lässt Lenny seinen neuen Schützling eine Wunschliste schreiben. Neben materiellen Dingen stehen da auch Wünsche drauf wie „Einen Sportwagen fahren“, „Eine Frau nackt anschauen“, „Ein Mädchen küssen“ oder „Mutti glücklich machen“.

Rührselige Läuterungsdramaturgie

Da Lenny sich ja dem Erwachsenwerden bisher erfolgreich entzogen hat, sind ihm die Wünsche des Jungen nicht fremd. Das Auto des nervigen Nachbarn für eine Spritztour klauen, Besichtigungstermine in der Peepshow, eine Aufnahme im Tonstudio organisieren – so was hat der Münchener Lebemann drauf. Nur mit der Verantwortung hapert es noch ein bisschen, wenn David wieder einmal umkippt und die Sauerstoffflasche unauffindbar ist. Aber das wird schon. Da sind wir uns von Anfang an sicher.

Denn auch wenn Marc Rothemunds „Dieses bescheuerte Herz“ auf „wahren Begebenheiten“ beruht, die Daniel Meyer und Lars Amend in ihrem gleichnamigen Buch festgehalten haben, sind die Gleise einer rührseligen Läuterungsdramaturgie hier gut sichtbar verlegt. Wer sich bei diesem Film irgendwie an „Ziemlich beste Freunde“ erinnert fühlt, dürfte nicht ganz falsch liegen. Natürlich bereichern sich geplagter Herzpatient und verwöhntes Wohlstandsopfer gegenseitig, und das Helfen hilft dem Helfer, endlich ein wenig Sinn in sein zielloses Lasterleben zu bringen.

Der Hallodri hat das Herz am rechten Fleck – wo sonst?

Wirkliche Konflikte kommen beim Aufeinanderprallen der beiden Lebenswelten nicht auf, und dass Deutschlands Sympathieträger Nummer eins Elyas M’Barek im Grunde ein feiner Kerl mit dem Herz am rechten Fleck ist, haben wir schon ein bisschen geahnt. M’Barek spielt die Rolle mit seiner typischen Mischung aus Coolness und Grundwärme. Klar schaut man ihm dabei gern zu. Aber durch seine enorme Popularität ist er auch schon zu einer Marke geworden, die keine Risiken eingeht, um seine Kundschaft nicht zu vergraulen.

Das überschaubar strukturierte Drehbuch von Maggie Peren und Andi Rogenhagen scheint ohnehin an der Reifung des Arztsohnes deutlich mehr interessiert zu sein als am Schicksal des herzkranken Jungen.

Ende gut, alles wirklich supergut – für M’Bareks Figur

Mit kunstvoller Offensichtlichkeit wird da noch eine schöne Assistenzärztin ins Geschehen eingeflochten, die den verantwortungslosen Tunichtgut erst gar nicht und später umso besser leiden kann, gefolgt von einer kurzen Traumaaufarbeitung mit dem verwitweten Vater, gekrönt schließlich von der Immatrikulation des Geläuterten im Fachbereich Medizin. Dazu singt Jeff Buckley aus dem Off dann auch noch tatsächlich Leonard Cohens Gassenhauer „Hallelujah“ – und das in voller Länge!

Von Martin Schwickert / RND

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24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

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