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„Die Flügel der Menschen“: Nächtliche Ritte im Wind

Kino „Die Flügel der Menschen“: Nächtliche Ritte im Wind

Überwältigende Bilder aus Kirigisistan: „Die Flügel der Menschen“ (Kinostart am 28. Dezember) erzählt von der Trauer um verlorenen gesellschaftlichen Zusammenhalt in Kirgisistan.

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Unterwegs in die Freiheit: Zentaur (Aktan Arym Kubat) in den kirgisischen Bergen.

Quelle: Foto: Neue Visionen

Hannover. Viel hört man nicht über Kirgisistan, das an der berühmten Seidenstraße liegt und erst 1991nach Auflösung der Sowjetunion seine Unabhängigkeit erhielt. Sieben Jahre nach seinem international preisgekrönten Film „Der Dieb des Lichts“ erzählt Regisseur Aktan Arym Kubat von den Menschen in diesem gebirgigen Land, vom dörflichen Leben und der Zerrissenheit zwischen Tradition und Moderne.

Zentaur, wie ihn die Nachbarn wegen seiner Pferdeliebe nennen (der Regisseur selbst spielt die Hauptrolle), stiehlt den Reichen edle Rennpferde, die sie als Statussymbol im Stall halten. Ihm geht es nicht um den Profit, sondern darum, den Tieren kurzfristig Freiheit zurückzugeben. Er selbst genießt die nächtlichen Ritte im Wind, bevor er die Pferde wieder heimlich zurück zu ihren Besitzern bringt. Der Außenseiter wohnt mit seiner taubstummen Frau und dem fünfjährigen Sohn, der noch nie ein Wort gesprochen hat, in einer bescheidenen Hütte. Einzige Zierde ist ein altes Filmplakat über dem Bett. Zentaur war früher Kinovorführer. Er begeisterte seine Zuschauer mit russischen Filmen und Bollywood-Ware. Jetzt arbeitet er auf dem Bau und wehrt sich gegen die neuen gesellschaftlichen Einflüsse. Sein Kino ist in eine Moschee umgewandelt worden. In Kirgistan zählen nur noch Geld und Macht.

Die Strafe: Eine Reise nach Mekka

Der Film gipfelt aber nicht in kruder Kapitalismuskritik, eher trauert der Regisseur um verlorene soziale Bindungen. Inzwischen herrscht Misstrauen überall. Schon Zentaurs harmloser Flirt mit einer Händlerin sorgt für Gerede. Als er in eine Falle tappt und beim „Pferdestehlen“ erwischt wird, kommt er bei der Dorfversammlung mit einer milden Strafe davon: Eine Pilgerreise nach Mekka soll ihn läutern und auf den Pfad der Tugend führen. Der Film moniert subtil die schleichende Islamisierung, die Verdrängung des überlieferten Schamanismus. Daran kann auch der Protest der Frauen, die ihr Volk ehemals unverhüllt angeführt haben und gegen den Glauben als „Gehirnwäsche“ opponieren, nichts ändern. Dann aber steht Zentaur mitten im Gebet auf, wirft im Vorführraum mit dem vorsintflutlichen Projektor einen wehmütigen Blick auf sein altes Reich, bläst versonnen den Staub von einer Filmdose – und das gilt als schlimmer Frevel. Der Sünder wird aus dem Dorf verbannt.

Die Freiheit der Nomaden

„Pferde sind die Flügel der Menschen“ heißt ein altes Sprichwort aus der Zeit, als die Kirgisen noch als Nomaden frei durch die Steppe zogen. Kubat schwelgt in überwältigenden Landschaftsbildern mit schroffen Bergen und schneebedecken Gletschern, verfällt aber nie in Nostalgie und verteufelt auch nicht die Moderne. Die Geschichte versteht er als Appell, tradierte Werte, Legenden und Mythen nicht zu vergessen, auch nicht die seit Jahrhunderten existierende Verbindung zwischen Mensch und Natur. Er begreift sein Werk als eine moderne Parabel auf den Verlust von Identität und den Versuch, durch Rückkehr zu Vergangenem die verlorene Einheit wieder herzustellen. Dabei gibt er nach einer dramatischen Wende der Hoffnung Raum, dass Zentaurs Sohn vielleicht einmal die Träume seines Vaters realisieren kann.

Von Margret Köhler / RND

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24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

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