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Kultur „Black Panther“: Die Rückkehr von Malcolm X
Nachrichten Kultur „Black Panther“: Die Rückkehr von Malcolm X
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15:00 14.02.2018
Entspannter Held: Black Panther alias T'Challa (Chadwick Boseman). Quelle: Foto: Disney
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Hannover

Als „Marvel“ im Juli 1966 mit der Figur des „Black Panther“ seiner Leserschaft den ersten schwarzen Superhelden präsentierte, war der Comicverlag damit voll auf der Höhe der Zeit. In den USA eskalierten gerade die Auseinandersetzungen um die schwarze Bürgerrechtsbewegung, im Oktober 1966 gründete sich die „Black Panther Party for Self-Defense“, die sich als militante Alternative zur gewaltlosen Strategie Martin Luther Kings verstand. Ein Superheld mit afrikanischen Wurzeln – das war in dieser bewegten Zeit kulturelles Bekenntnis und politische Provokation zugleich.

„Marvel“ schließt eine Lücke im „Cinematic Universe“

Wenn das zum milliardenschweren Unterhaltungskonzern aufgestiegene „Marvel“-Imperium heute die Figur des Black Panthers in sein selbsternanntes „Cinematic Universe“ aufnimmt, ist das hingegen ein längst überfälliger Schritt. Die Einführung einer weiblichen Heldin als Leitfigur eines Franchise-Zweiges hatte „Marvel“ bisher ebenso wenig auf der Agenda wie die multikulturelle Diversifizierung des vornehmlich weißen Superhelden-Arsenals. Nach einem Kurzauftritt der Figur in „The First Avenger: Civil War“ lässt man nun die schwarze Raubkatze endlich aus dem Sack.

Die weiße Vorherrschaft soll enden

Chadwick Boseman spielt mit einer angenehm entspannten Präsenz den afrikanischen Herrscher T’Challa. Dessen Königreich Wakanda hat sich inmitten des Urwalds und abgeschottet von den kriegerischen Ereignissen der Weltgeschichte zu einer hoch entwickelten Hi-Tech-Kultur gemausert. Aber T’Challa alias Black Panther muss bald erkennen, dass sich sein Utopia nicht mehr länger verstecken kann und seine Wakanda-First-Politik an ihre Grenzen gerät.

Zum einen strebt Bösewicht Klaw (echt fies: Andy Serkis) danach, das heimische Wundermetall Vibranium auf dem Weltmarkt zu verhökern. Zum anderen fordert Cousin Erik (Michael B. Jordan) den Thron. Erik, der nicht in Wakanda, sondern als Waisenkind in den USA aufgewachsen ist, trägt die ganze angestaute historische Wut von Versklavung und rassistischer Demütigung in sich und will mit dem Vibranium der weißen Vorherrschaft auf der Erde ein Ende bereiten.

Fantasy-Wiedergänger von Malcolm X

Als Fantasy-Wiedergänger von Malcolm X scheint diese Figur angelegt, die die Rage der Diskriminierten repräsentiert. Nicht umsonst hat „Marvel“ als Regisseur und Drehbuchautor Ryan Coogler unter Vertrag genommen, der in seinem viel beachteten Debüt „Fruitvale Station“ den tödlichen Polizeiübergriff auf den Afroamerikaner Oscar Grant im kalifornischen Oakland rekonstruiert hat.

Coogler verbindet historische, kulturelle und politische Bezüge stimmig und unaufdringlich mit den Erwartungen an einen Superheldenfilm. Neben den gestalterischen Reizen wird der Film vor allem von der schauspielerischen Präsenz des vorwiegend afroamerikanischen Ensembles getragen, in dem wiederum die Frauenriege um Angela Basset, Danai Gurira („The Walking Dead“) und die herzerfrischend komische Letitia Wright besonders überzeugt.

Differenzierte Charaktere liefern dramatische Momente

Deutlich weniger heldenverbissen kommt „Black Panther“ im Gegensatz zu anderen Genreprodukten daher, entwickelt seine durchaus dramatischen Momente aus den differenzierten Charakteren heraus und bringt inhaltlich wie ästhetisch ein wenig frischen Wind ins selbstzufriedene „Marvel“-Universum.

Von Martin Schwickert / RND

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