Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Kultur Festival Theater der Welt eröffnet
Nachrichten Kultur Festival Theater der Welt eröffnet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:32 26.05.2017
Meditation im Fluss der Zeit, Szene aus der Eröffnungsinszenierung. Quelle: dpa
Hamburg

Wie aus dem Nichts erscheinen die dunklen Gestalten auf der Bildfläche des Kakaospeichers im einstigen Afrika-Terminal an der Elbe. Im stillen Rhythmus schreiten sie voran, rücken näher wie in einer langsamen Zoom-Bewegung, halten inne, treten vorsichtig zurück und nähern sich erneut, nun im fließenden Wiegeschritt. Und auch der rituelle Gesang, den sie dazu anstimmen, hat erstaunliche Ähnlichkeit mit der Fließbewegung des Wassers.

Es ist ein starkes, magisches Bild, mit dem Lemi Ponifasio – Regie-Star aus Samoa und 2015 bei der Venedig-Biennale vertreten – am Donnerstag den Abend beginnt. Die offizielle Eröffnung hatte schon am Morgen im Thalia Theater der kamerunische Philosoph Achille Mbembe mit einer düsteren Analyse des Postkolonialismus bestritten. In der Kampnagel Fabrik lief das umstrittene chinesische Spektakel Ishvara. Ponifasios Die Gabe der Kinder aber eröffnete das Theater der Welt als Uraufführung da, wo das Festival sein Thema und sein Zentrum hat: mitten im Hamburger Hafen, mit Blick auf Kräne, Container und die Speicherstadt. Ein Theaterdorf ist dafür am Baakenhöft entstanden, mit dem Thalia-Zelt gleich neben dem Kakaospeicher, mit lichten Zelten und der Holzhütte, die der Schauspieler Christoph Finger in der Performance des Argentiniers Fernando Rubio fünf Tage lang bewohnt und Gästen öffnet. Gemeinsame Meditation im Fluss der Zeit und des Wassers inbegriffen. Begegnung scheint an diesem Ort so selbstverständlich wie der Schiffsverkehr drumherum.

Choreograf Lemi Ponifasio. Quelle: dpa

In der Halle aber ist alles strenge Zeremonie. Der Samoaner lässt eine Art Messe zelebrieren und choreografiert die Akteure mit ritualisierter Strenge im Raum. Da wird viel geschritten, rinnt dekorativ Wasser aus Flaschen, die die Spieler über ihre Köpfe halten. Und die Gesänge der Maori wechseln mit einem zu höchstem Pathos schwellenden Credo. Letzteres allerdings, von dem Kanadier R. Murray Schafer für 12 Chöre und 48 Streicher gedacht, kommt hier vom Band – während der angekündigte 200-köpfige Projektchor zwar irgendwann auf die Bühne strömt, dabei aber zur Stimmlosigkeit verdammt bleibt.

Das gehört zur Crux dieser Arbeit wie die Jugendlichen der Hip Hop Academy, für die Ponifasio ebenfalls keine eigene Rolle gefunden zu haben scheint. Community-Arbeit und die Ansprüche des Theaters – sie finden hier nicht zusammen; stattdessen läuft die wachsende Masse Mensch irgendwann Ordnung und Raumgefühl des Abends quer.

Da steigen Bilder von Krieg und Tod auf, von Flucht und Neuanfang – befeuert von einem erst unterschwelligen Grollen, dann beängstigend nahem Geschützdonner. Wie die Jugendlichen erscheinen, als nicht enden wollender Zug, das erinnert an die Flüchtlingsströme in Europa. Und wie sie sich vereinzeln im Raum und Aufstellung nehmen, angeführt von einer Maori-Kriegerin, die mit Speer und Stimme zur höchst eindrucksvollen Animateurin wird, das zeigt die haarfeine Grenze zwischen Begegnung und Konfrontation. Oft aber liegen die Bilder auch hart am Klischee, wenn eine Frau ihr Gesicht erst in Blut badet, um es später in einer Art Wiedergeburt wieder abzuduschen. Und die Kriegskinder, die das als Children of Gods angekündigte Stück in den Blick nehmen wollte, passen auch noch irgendwie hinein.

Das hätte so nachdenklich spannend werden können, wie es beginnt, und erstarrt dann doch in seltsam naheliegenden Symbolen. Als Appetizer fürs Festival und universaler Echoraum funktioniert der Abend dennoch, zumal die überwältigende Weite des Raums erst in Relation zu den Akteuren fassbar wird. Ein Gefühl für die existenzielle Einsamkeit und Verlorenheit des Menschen macht sich da ebenso breit wie für die Möglichkeiten der Begegnung. Begleitet vom Möwengeschrei über der Elbe und Nebelschleiern aus Staub, die immer noch in der Halle aufsteigen, liegt das Fremde plötzlich in weiter Ferne ganz nah.

Noch bis 28. Mai, jeweils 21 Uhr. Theater der Welt bis 11. Juni: www.theaterderwelt.de

Von Ruth Bender/RND

Vieles passt beim deutschen Film in Cannes in diesem Jahr zusammen. Fatih Akins Film „Aus dem Nichts“ über die NSU im Wettbewerb, Valeska Grisebach in der wichtigen Reihe „Un Certain Regard“, Maren Ade in der Jury. Es gab Jahre, da litt die deutsche Kinogemeinde fürchterlich darunter, dass niemand sie auch nur zur Kenntnis nahm.

26.05.2017

Er ist einer bekanntesten deutschen Gegenwartskünstler. Nur in den USA ist er noch weithin unbekannt. Das soll sich jetzt mit zwei Werkschauen in Washington ändern.

25.05.2017

Er ist ein „englischer Europäer“ und trägt zum Selbstverständnis eines freien Europas bei - der Historiker Timothy Garton Ash wird mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet.

25.05.2017