Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Kultur Die Last auf seinen Schultern
Nachrichten Kultur Die Last auf seinen Schultern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 24.05.2017
Stock und Hut steh’n ihm gut: Winston Churchill (Brian Cox) gibt seine ungefähre historische Größe mit Hilfsmitteln an. Quelle: Glasgow UK
Hannover

Wellen des Ärmelkanals schwappen blutrot heran. Und liegen da nicht auch verkrümmte Leichen im nassen Sand? Der Schrecken des Premierministers ist so groß, dass er taumelt und beinahe zu Boden stürzt. Sein Zylinder fällt ihm vom Kopf und treibt im Meer davon. Dann wird Winston Churchill (Brian Cox) von seiner Frau Clementine (Miranda Richardson) bei seinem Strandspaziergang aufgespürt. Sie holt ihn zurück in die Wirklichkeit.

Ein Mann unter der Last der Verantwortung

Die dunklen Ahnungen, die Churchill wie eine Shakespearsche Figur heimgesucht haben, sind damit aber noch lange nicht gebannt: Der Politiker zerbricht beinahe unter der Last der Verantwortung. Hat er womöglich bald den Tod Zigtausender Soldaten zu verantworten, die an den Stränden der Normandie in die Verteidigungslinien der Nazis stürmen? Die Alliierten planen die entscheidende Militäraktion des Zweiten Weltkriegs, die den Sieg über die Nazis oder auch einen bitteren Rückschlag bedeuten könnte, der Englands Sicherheit gefährden könnte.

Wie ist das, wenn ein großer Staatsmann Großes entscheiden muss? Wie kommt er mit der Verantwortung klar? In den Geschichtsbüchern lesen wir darüber wenig. Im Historiendrama „Churchill“ erhaschen wir einen Blick durchs Schlüsselloch. Und siehe da: Der unbeugsame Verteidiger Englands ist ein von Angstfantasien gebeutelter alter Mann, jähzornig, von langen Kriegsjahren ausgelaugt, dem Scotch mehr zugetan, als ihm gut tut, kurz: ein psychisches Wrack. Seine Ehe scheint in dieser bitteren Zeit ebenfalls vor die Hunde zu gehen, und beides hängt miteinander zusammen. Nur mit Mühe kann Clementine ihren reizbaren Gatten noch zur Räson bringen.

Quälende Erinnerungen an Gallipolli

Churchill als bemitleidenswerte und momenteweise durchaus auch unsympathische Figur: Dieses Bild zeichnet Regisseur Jonathan Teplitzky („The Railway Man“) und konzentriert sich dabei auf einige wenige Tage vor dem D-Day im Juni 1944 – dies ist keinesfalls ein übliches Biopic, das chronologisch ein Leben abschreitet. Die Alliierten stehen kurz vor der Landung in Frankreich. Churchill, gequält von seinen Erinnerungen an die fürchterliche Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg, wird zum Zauderer – und zum Hindernis für die befehlshabenden Generäle Eisenhower (John Slattery) und Montgomery (Julian Wadham), die Nazi-Deutschland um jeden Preis den entscheidenden Schlag zufügen wollen. Millionen Soldaten sind bereits an der südenglischen Küste zusammengezogen, Tausende von Schiffen drängeln sich in den Häfen. Aber der alte Mann mit der dauerqualmenden Zigarre im Mund und dem Zylinder auf dem Kopf stellt sich quer. Historisch ist zumindest sein Zögern belegt.

So erzählt es Regisseur Teplitzky, ohne auch nur eine einzige Kriegsszene oder militärisches Gerät zu zeigen – ganz anders als Steven Spielberg in seinem blutigen Normandie-Schlachtengemälde „Der Soldat James Ryan“. Der Australier Teplitzky fokussiert sich auf Churchills dunkle Stunden vor der großen Schlacht. Irgendwann wird der Kriegspremier sogar im Bademantel in seinem Schlafzimmer knien und Gott um Regenstürme anflehen. Mit höchstem Beistand will er die „Aktion Overlord“ verhindern. Und sollte sie doch stattfinden, will er bei seinen Soldaten im Ärmelkanal sein. Der Idealist Churchill hat genug von militärischen Anführern, die für sich selbst kein Risiko eingehen. Erst König Georg VI. kann ihn in einem Vier-Augen-Gespräch davon abhalten: Ist es nicht wichtiger, dass Churchill dem englischen Volk Zuversicht zuspricht?

Das Kino bevorzugt simple Lösungen

Wie die Geschichte ausgegangen ist, wissen wir. Churchill wird tatsächlich eine Mut machende Rede an die Briten halten. In diesem Film hilft ihm eine Sekretärin, seine persönliche Krise zu überwinden: Der Ehemann der jungen Frau ist auf einem Landungsboot Richtung französische Küste unterwegs, die gelegentlich selbstmitleidigen Selbstvorwürfe ihres Chefs kann sie nicht mehr ertragen. Das Kino findet eben immer eine eingängige, wenn manchmal auch arg simple Lösung, um seine Protagonisten wieder auf den rechten Weg zurückzubringen. Churchill privat ist aber alle Mal einen Blick wert.

Anfang kommenden Jahres läuft gleich noch ein Film über den britischen Premierminister an, „Darkest Hour“ mit Gary Oldman in der Hauptrolle. Die Nachfrage nach einem Helden, der trotz aller Anfechtungen für die richtige Seite kämpft, ist derzeit offenbar besonders groß.

Von Stefan Stosch / RND

Johnny Depp segelt noch einmal als Jack Sparrow unterm Totenkopfbanner: „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“. Das ist unterhaltsam, weil der Schauspieler seine Paraderolle auslebt. Aber im fünften Törn auch reichlich innovationsfrei.

24.05.2017

Für eine junge australische Fotografin wird die Wohnung eines scheinbar netten One-Night-Stands zum Gefängnis. Die australische Regisseurin Cate Shortland schaltet in „Berlin Syndrome“ (Kinostart: 25. Mai) von der Weite der deutschen Hauptstadt um auf klaustrophobische Enge

24.05.2017

Kino-Neustart für „Hanni und Nanni“ (im Kino am 25. Mai). Enid Blytons Internatsmädchen haben neue Schauspielerinnen bekommen. Im Film wird viel gewiehert, die Schwestern streben Detlev Buck nach, der mit der Filmserie um die Pferdenärrinnen „Bibi & Tina“ Kinoerfolge feierte.

24.05.2017