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00:16 23.01.2016
Von Stefan Stosch
Weil kein Schwarzer unter den Schauspielern und Regisseuren bei den Oscar-Nominierungen ist, ist in den USA ein Sturm der Entrüstung entbrannt. Quelle: AFP
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Los Angeles

Vor zwei Jahren schien ein Happy End zumindest am fernen Horizont erkennbar. Ein schwarzer Regisseur reckte 2014 den Oscar in die Höhe. Der Brite Steve McQueen gewann die Trophäe für das Sklavendrama "12 ­Years a Slave". Er war bei der 86. Verleihung der erste dieser Hautfarbe, dem die Ehre zuteil wurde.

Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würden alte Gräben zugeschüttet: Die alten weißen Männer in der Oscar-Academy – sie stellen die absolute Mehrheit unter den knapp 7000 Mitgliedern – hatten sich überwunden und waren von sich selbst gerührt. Ein packender Film über Menschenschinderei im 19. Jahrhundert hatte ihnen offenbar verdeutlicht, dass es im 21. Jahrhundert an der Zeit sei, endlich Vielfalt zuzulassen. Doch in diesen Tagen zeigt sich, dass sich die neue Farbenlehre immer noch nicht durchgesetzt hat.

Kandidaten gäbe es

Schwarze fehlen 2016 nicht nur unter den fünf nominierten Regisseuren, sondern ebenso unter den insgesamt 20 Darstellern (in Haupt- und Nebenrollen). Kandidaten wären durchaus denkbar gewesen: Samuel L. Jackson als Kopfgeldjäger in "The Hateful 8" (Kinostart: 28. Januar) zum Beispiel, vielleicht auch Idris Elba als Befehlshaber einer Kinderarmee in "Beasts of No Nation" (Netflix) und womöglich auch Will Smith als hartnäckiger Pathologe im Football-Drama "Erschütternde Wahrheit" (18. Februar).

Doch weder diese drei, noch irgendein anderer nicht weißer Darsteller hat es in die Endausscheidung geschafft. Der Ärger nimmt Formen an: Einige Hollywood-Prominente wollen die Preisverleihung am 28. Februar boykottieren.

Kritik von Prominenten

Auf Twitter tobt unter dem Hashtag ­#OscarsSoWhite seit Tagen der Protest. Auch dabei, wenig verwunderlich, Jada Pinkett Smith, Ehefrau von Will Smith. "Um Anerkennung zu betteln oder auch nur darum zu bitten mindert Würde und Macht", sagt die Schauspielerin. "Wir sind würdevolle Menschen, und wir sind mächtig."

Ehefrau Smith ist nicht allein. Auch der rebellische Regisseur Spike Lee meldete sich zu Wort: "Wie ist es möglich, dass im zweiten Jahr in Folge alle 20 Anwärter in der Schauspielkategorie weiß sind?" Er könne diese "blütenweißen" Oscars nicht unterstützen, so der Filmemacher.

Mooere: Der Fisch stinkt vom Kopf her

Gestern dann schloss sich auch der US-amerikanische Star-Regisseur Michael Moore (61) dem Boykott an – und fand dabei zum Teil deftige Worte. "Die Idee, dass wir zwei Jahre in Folge 40 Schauspieler nominieren können und kein einziger davon ist schwarz, ist einfach nur verrückt", sagte Moore weiter. "Der Fisch stinkt vom Kopf her." Er sage dies auch und gerade weil er selbst ein stolzes Mitglied der Academy ist.

Und auch George Clooney zeigt sich solidarisch. Die Filmindustrie habe sich in den vergangenen zehn Jahren rückwärtsbewegt, bedauerte der 54-jährige Hollywoodstar in einem gestern veröffentlichten Interview mit dem Magazin "Variety". Vor zehn Jahren habe die Academy of Motion Picture Arts and Sciences bei der Nominierung von Afroamerikanern für die Oscars einen "besseren Job" gemacht als heute, sagte Clooney.

Bisher keine schwarze Regisseurin

Die Ausbeute schwarzer Preisträger seit 1929 ist so schmal, dass man es kaum glauben mag: Erst 1964 erhielt Sidney Poitier den ersten schwarzen Hauptrollen-Oscar für "Lilien auf dem Felde", danach folgten nur noch Denzel Washington (2002) und Jamie Foxx (2005). Erst 2002 zog Halle Berry bei den Frauen in "Monster’s Ball" nach. Lupita Nyong’o gewann zuletzt 2014 als Nebendarstellerin in "12 Years a Slave".

Eine schwarze Regisseurin ist bis heute nicht unter den Siegern zu finden – was niemanden verwundern sollte: In dieser Kategorie gibt es mit Action-Spezialistin Kathryn Bigelow ("Tödliches Kommando – The Hurt Locker") bislang überhaupt nur eine Frau.

Chris Rock moderiert die Show

Zerknirscht hat sich inzwischen die afroamerikanische (!) Präsidentin der Oscar-Akademie, Cheryl Boone Isaacs, gezeigt. Sie sei untröstlich und frustriert, erklärte sie. Die "fehlende Inklusion" breche ihr das Herz. "Dies ist eine schwierige, aber wichtige Auseinandersetzung, und es ist Zeit für große ­Veränderungen." Gut möglich, dass sie dieses Bekenntnis auch mit neidischem Blick auf die zunehmende Konkurrenz durch Serien ausgesprochen hat: Da dominiert schon längst eine bunte Vielfalt vor der Kamera.

Ein Schwarzer kann bei der Oscar-Gala im Dolby Theatre in Los Angeles einen Dauerauftritt für sich beanspruchen: Der Komiker Chris Rock moderiert die Show. Bislang will der 50-Jährige seinen Job auftragsgemäß erfüllen, ein Boykott kommt für ihn nicht infrage. Er glaubt, größeren Einfluss zu haben, wenn er auf der Bühne auftaucht.

Kreativer Protest

Der Druck auf ihn soll allerdings beständig wachsen. Doch stellt sich die Frage: Können sich Hollywoods Stars in größerer Zahl, egal ob schwarz, weiß oder welcher Hautfarbe auch immer, es tatsächlich leisten, der Nacht der Nächte fernzubleiben?

Womöglich lässt sich der Protest ja auch kreativ gestalten. Moderator Rock hat in einem Oscar-Werbefilmchen schon mal eine Kostprobe abgegeben: Im schwarzen Smoking steht er zwischen übergroßen Oscar-Statuen und bestäubt sich mit weißem Puder.

Der italienische Filmemacher Ettore Scola ist tot. Der Regisseur sei am Dienstag mit 84 Jahren in der Polyklinik in Rom gestorben, berichteten italienische Medien. Demnach war Scola in der Abteilung für Herzchirurgie der Klinik eingeliefert worden und dort am Sonntag ins Koma gefallen.

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