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13:35 04.05.2017
Macht, was er will: Matthew Logan Vasquez, Sänger und Gitarrist der kalifornischen Band Delta Spirit, vereint auf dem Soloalbum „Does What He Wants“ Americana mit der Verspieltheit britischer Popmusik. Quelle: DineAlone Records
San Diego

Der Song erzählt alles über Väter, Söhne, Unversöhnlichkeit. Der Junge trinkt zuviel. Als er eines Nachts nach einem Blackout auf dem Parkplatz vor der Kneipe aufwacht, ruft er zuhause an und rechnet ab. „Du hast alles Gute aus mir genommen und es begraben“, wirft er seinem Vater vor, der immer zu viel auf die Meinung der Nachbarn gegeben hat, und sich ohne Erkenntnis von Ursache und Wirkung dafür schämt, einen Trunkenbold zum Sohn zu haben. „Tall Man“ heißt das Lied, gesungen mit müder Wehmutsstimme, ein bewölktes Stück Americana zur Akustikgitarre, in das dann erst die Band, dann noch ein Chor einbricht wie die Strahlen einer Nachgewittersonne, einer jener behaglichen, einlullenden Chinn-Chapman-Chöre aus Smokie-Songs der Siebzigerjahre - „Wild Wild Angels“ oder „I’ll Meet You at Midnight“.

Matthew Logan Vasquez hat diesen Song geschrieben, als habe er die erzählte Geschichte selbst erlebt. Und dem Zusammenbruch lässt er den Aufbruch folgen: „Ich weiß“, singt sein Held sein trotziges Mantra, „ich kann mich ändern.“ Das Morgen stirbt eben nie. Dass sich dieses Vierminuten-Melodram zu einer enorm einprägsamen, ja geradezu betörenden Folk/Country-Melodie abspielt, ist bei Vasquez Ehrensache.

Meister der Melodie

Denn Vasquez (31) ist Sänger, Gitarrist und Songschreiber der kalifornischen Band Delta Spirit, die sich auf vier Alben als wahre Meister der Melodie und der Abwechslung erwiesen haben, deren derzeitiger Zustand unklar, aber immerhin „nicht aufgelöst“ ist. „Does What He Wants“ heißt Vasquez‘ zweites Soloalbum nach dem spröden, rockenden „Solicitor Returns“ (2016). Elf Songs über kleine und große Krisen, über Entfremdung, Isolation, Heimkehr, über den Kampf ums Überleben mit wenig Geld und den Tod. „Schlechte Dinge passieren nun mal“, sagt Vasquez, „aber sie können auch zu einer Erleuchtung führen und das ist positiv“. Positiv ist der Song „Fatherhood“ - über das Wissen als Vater des kleinen Thor, dass die „selbstsüchtigen Tage des Lebens sich nun dem Ende zuneigen.“ Gewiss soll bei ihm nicht eines Tages das Telefon klingeln wie bei dem Vater in „Tall Man“.

Vasquez „macht was er will“ auf diesem Album, das Cover mit seinem Vampir-Schriftzug und dem faden Kohlestiftporträt, bringt „Does What He Wants“ dabei in Gefahr, zum Ladenhüter zu werden. Die Musik aber ist überwältigend, erinnert an klassische, zeitlose Alben der Siebzigerjahre – von Elton Johns „Goodbye Yellow Brick Road“ (1973) über Jackson Brownes „Running on Empty“ bis zu Smokies unterschätztem „Bright Lights and Back Alleys“ (beide 1977).

„Same“, der Albumöffner, schnauft und stampft los wie ein Zwillingsbruder von ELOs „Don’t bring me down“ (während der Frauenchor des Refrains nicht von ungefähr an David Bowies und John Lennons „Fame“ gemahnt), „Red Fish“ ist Harry-Nilsson-artig burlesk und „Fires Down in Mexico“ schlägt den Bogen zum psychedelischen Pop. Mal klingt Vasquez‘ Stimme dabei nach Rockröhre, mal nach dem Beatle John Lennon und im abschließenden „House full of Music“ nach Roy Orbison, dem wohl romantischsten der alten Rock’n‘Roller.

„Die Wahrheit kommt selten auf einfachen Wegen“

Qualität und Popularität klaffen wie so oft auseinander, Vasquez‘ bislang größter kommerzieller Erfolg war Billboard-Platz 70 mit dem vorläufig letzten Delta-Spirit-Album „Into the Wide“ (2014). Sein Werk sei nun all denen ans Herz gelegt, die immer klagen, dass „solche Musik heute nicht mehr gemacht wird.“ Tja - wird sie eben doch, man muss sie nur entdecken, weil sie im Radio seltsamerweise nicht zu hören ist. Oder, wie Vasquez es ausdrückt: „Die Wahrheit kommt selten auf einfachem Wege, es sei denn, du bist schlauer als ich.“.

Matthew Logan Vasquez: „Does What He Wants“ (Dine Alone Records)

Von Matthias Halbig/RND

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